«Wir haben andere Ambitionen»

MITTELMÄSSIG ⋅ Kurz vor Ende der Abstiegsrunde blickt St. Otmars Präsident Hans Wey auf eine schwierige Saison der St. Galler Handballer zurück. Wey verrät, wie der Club den Anschluss an die Spitze schaffen will.
22. April 2017, 11:02
Ives Bruggmann

Ives Bruggmann

St.Otmars Handballer haben das Saisonziel, die Finalrunde, verpasst. Erstmals seit elf Jahren schafften sie den Sprung unter die besten  sechs Mannschaften der Schweiz nicht. Dennoch hat der Vorstand den Vertrag mit Trainer Predrag Borkovic um zwei weitere Jahre verlängert.

Hans Wey, wie fällt Ihr Saisonfazit aus?

Etwas durchzogen. Wir sind nach einer geglückten Vorbereitung optimistisch in die Saison gestartet und haben zum Auftakt auswärts Suhr-Aarau bezwungen. Mit der Niederlage im Heimspiel gegen Basel kam dann der Bruch.

Was ist passiert?

Insbesondere die Deckung hat nicht wie gewünscht funktioniert. Das hat die Mannschaft erst in der zweiten Hälfte der Qualifikation in den Griff bekommen. Aber am Ende hat es dann knapp nicht mehr für die Finalrunde gereicht.

St.Otmar hat einen grossen Umbruch hinter sich. Nicht alle Neuzuzüge haben überzeugt. Der Vertrag von Matevz Cemas wurde nicht verlängert. Auch Goalie Michal Shejbal blieb hinter den Erwartungen zurück.

Cemas ist ein guter Mitspieler, und menschlich hatten wir nichts an ihm auszusetzen. Aber er ist keine Leaderfigur, was wir von einem Profi aber erwarten müssen. Von Shejbal haben alle mehr erwartet, auch er selber. Zudem profitierte er nicht gerade von der lange instabilen Deckung. Wir wissen aber, dass er ein guter Goalie ist und sind zuversichtlich, dass wir nächste Saison an ihm noch viel Freude haben werden.

Mit der Verpflichtung von Ondrej Zdrahala dürften Sie hingegen zufrieden sein?

Ondrej Zdrahala ist nicht nur für uns, sondern für die gesamte Liga eine Bereicherung. Wir sind sehr zufrieden mit ihm. Ebenfalls gut eingelebt haben sich Severin Kaiser und Jan Gwerder. Die beiden jungen Schweizer passen gut in die Mannschaft. Ich bin überzeugt, dass sie sich weiter steigern werden.

Vor der Saison kündigte der Verein an, einen Ausländer weniger zu engagieren. Hält der Verein an dieser Strategie trotz verpasster Finalrunde fest?

Unser Ziel ist es, vermehrt auf eigene Junioren zu setzen. Wir haben vor dieser Saison bewusst eine Ausländerposition nicht neu besetzt, um Dominik Jurilj in die Mannschaft integrieren zu können. Daran werden wir auch in Zukunft festhalten. Wir sind stolz, sieben Spieler (Benjamin Geisser, Tobias Wetzel, Thierry Gasser, Dominik Jurilij, Simon Bamert, Lukas Linde, Ramon Hörler) aus der eigenen Juniorenabteilung im Kader zu haben. Diesen Weg wollen wir weitergehen. Zudem wollen wir vermehrt auf junge Schweizer, auch aus anderen Regionen, wie Kaiser oder Gwerder, setzen.

Das heisst, dass nach dem Transfer des Schweden Amadeus Hedin von Bregenz die Planungen für die nächste Saison abgeschlossen sind?

Stand jetzt: ja.

Die Abstiegsrunde mit zuletzt fünf Niederlagen in Folge hat aber auch gezeigt, dass es noch etwas Geduld braucht mit den jungen Spielern.

Durch die verletzten Leistungsträger (Cemas, Zdrahala, Vedran Banic) kamen die jungen Spieler wie Thierry Gasser oder Dominik Jurilj zu viel Spielzeit. Davon werden sie in Zukunft noch viel profitieren. Ich finde, dass sie trotz der fehlenden Resultate das Beste aus der Situation gemacht haben. Sie haben uns mit ihren Leistungen viel Freude bereitet.

Nach dieser Saison stellt sich die Frage, ob St.Otmar künftig öfter den Gang in die Ab­- stiegsrunde antreten muss. Sind die anderen Vereine enteilt?

Nein. Das sehe ich nicht so. Derzeit sind die Kadetten und Wacker Thun sicher besser aufgestellt. Mit den anderen Teams sehe ich uns aber min­destens auf Augenhöhe. Wir haben eine junge und hungrige Mannschaft, ergänzt mit routinierten Leistungsträgern. Wenn alle fit sind und sich die jungen Spieler wie gewünscht weiterentwickeln, dann haben wir andere Ambitionen. Auch in Zukunft wird die Finalrunde unser Ziel bleiben.

Der Vertrag mit Trainer Predrag Borkovic wurde um zwei Jahre verlängert. Warum?

Predrag hat die Mannschaft vor zweieinhalb Jahren in einer schwierigen Situation übernommen und sie in den Playoff- und den Cupfinal geführt. Zudem geniesst er aus unserer Sicht den Rückhalt in der Mannschaft. Natürlich ist die Saison nicht nach Wunsch verlaufen. Dies ist aber auch auf andere Gründe wie beispielsweise den Umbruch oder die Verletzungen zurückzuführen. Der Trainer geniesst daher weiterhin unser Vertrauen.


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