Ronaldos St.Galler Schwarzgeldkonten

STEUERTRICKS ⋅ Der «Spiegel» schreibt, Fussballer Cristiano Ronaldo habe unversteuertes Geld bei der St.Galler Kantonalbank liegen. Die Bank äussert sich nicht dazu.

03. Dezember 2016, 19:36
Michael Genova/Sebastian Keller
 Cristiano Ronaldo und andere internationale Fussballstars sollen Werbeeinnahmen an den Steuerbehörden vorbeigeschleust haben. Dies schreibt der «Spiegel» in seiner aktuellen Ausgabe und stützt sich dabei auf Dokumente der Enthüllungsplattform Football Leaks. Pikant dabei: Ein Teil des Geldes soll über Schweizer Bankkonten geflossen sein – auch der Name der St.Galler Kantonalbank (SGKB) taucht auf.
 
Gemäss «Spiegel» hat der Star von Real Madrid eine Briefkastenfirma in der Karibik genutzt, an die seine Werbeeinkünfte gingen. Dabei profitierte er von einem umstrittenen Steuerprivileg. Kurz bevor dieses auslief, habe er seine Werberechte bis 2020 an zwei Briefkastenfirmen auf den British Virgin Islands weiterverkauft. Der Erlös von 75 Millionen Euro sei auf einem Konto der Genfer Privatbank Mirabaud gelandet. Dieses Konto sowie weitere Vermögenswerte im Ausland hat Ronaldo gemäss «Spiegel» in seiner Steuererklärung für das Jahr 2014 nicht angegeben. Zu diesem ausländischen Besitz zählen angeblich Ronaldos SGKB-Konten. Auch andere Fussballstars sollen Konten bei der St.Galler Bank haben, schreibt die französische Online-Zeitung «Mediapart». Darunter Manchester-Trainer José Mourinho oder der Kolumbianer James Rodríguez.
 
SGKB beruft sich auf Bankkundengeheimnis
SGKB-Sprecher Simon Netzle sagt auf Anfrage: «Aus Gründen des Bankkundengeheimnisses darf sich die St.Galler Kantonalbank zu behaupteten oder realen Kundenbeziehungen nicht äussern.» Die SGKB befragt seit 2014 ihre ausländischen Kunden zu ihrem Steuerstatus. «Bis Ende 2015 haben wir bei unseren Kunden mit Domizil Ausland die Steuertransparenz durchgesetzt», sagt Netzle. Die SGKB verlange von ihnen jeweils eine Selbstdeklaration.
 
Die Bundesanwaltschaft habe die Berichte rund um Football Leaks zur Kenntnis genommen, sagt Sprecher André Marty. «In der Regel stellen Medienberichte alleine keinen genügenden Anfangstatverdacht dar, um ein Strafverfahren zu eröffnen.» Zudem wäre die Zuständigkeit zu prüfen, da es sich laut Berichten um steuerrechtliche und nicht strafrechtliche Fragen handelt. Bei der eidgenössischen Finanzmarktaufsicht heisst es auf Anfrage nur: «Kein Kommentar.»

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