Die Schweiz gegen Portugal: Catenaccio oder Offensivfussball?

ENDSPIEL ⋅ In wenigen Stunden kommt es zum Endscheidungsspiel zwischen Portugal und der Schweiz. Mit welcher Taktik soll die Schweiz gegen Ronaldo und Co. spielen, um sich die direkte WM-Qualifikation zu sichern?
10. Oktober 2017, 13:45
Christian Brägger, Lissabon
Zwei Resultate bringen die Schweiz nach Russland: Ein Unentschieden oder der Sieg. Unter dem Zwang, ein Tor schiessen zu müssen, stehen die Portugiesen. Mit Cristiano Ronaldo verfügen sie dazu über die bestmögliche Waffe; er ist derzeit wohl einer der exzellentesten Stürmer der Welt. Nach dem Schweizer Sieg gegen Ungarn sagte Stephan Lichtsteiner mit einem Schmunzeln: «Vielleicht ist Ronaldo ja nicht so im Saft.» Daraufhin schob der Schweizer Captain nach: «Leider ist das nicht der Fall, er hat zuletzt ja auch wieder getroffen.» Und dennoch: Auch Ronaldo gelingen nicht nur gute Spiele, andernfalls müsse man ihn «versuchen zu doppeln», wie Granit Xhaka sagte.
 
Wie auch immer Ronaldo drauf sein wird: Je länger die Null auf der Schweizer Seite steht, desto nervöser dürften die Portugiesen werden. Und desto mehr dürfte das Spiel für die Schweiz laufen. So gesehen könnte der Nationaltrainer Vladimir Petkovic sein Team dazu anhalten, mit einer defensiven Taktik in die Partie zu gehen. Auf Abwarten zu spielen. Den Portugiesen den Ball und die Räume in deren Platzhälfte zu überlassen, in der eigenen dann aber einen Abwehrriegel aufzubauen. Zumal mit Benfica-Stürmer Haris Seferovic ein schneller Stürmer für Konter zur Verfügung stünde – die dann wohl Xherdan Shaqiri auf der rechten Seite lancierte.
 

Die Schweiz wird angreifen

Gewiss ist aber auch: Die Schweiz wird nicht so spielen, weil das nicht mehr ihr Spiel ist. In dem von Petkovic bevorzugten 4-2-3-1-System will sie nicht nur jeden Gegner dominieren, sondern auch gegen jeden Gegner mehr Ballbesitz und das Spiel aktiv gestalten. Dafür braucht man viel Selbstvertrauen - davon hat die Schweiz in der WM-Qualifikation mit neun Siegen in Serie genug getankt. Die Taktik, mitspielen zu wollen, hat den einen Vorteil: Man kann dem Gegner sofort den Schneid abkaufen; man würde ihn wohl auch überraschen, weil dieser niemals mit einer solch forschen Spielweise rechnet. Hat diese Spielweise tatsächlich Erfolg, hätte wohl auch das Publikum im Rücken der Portugiesen weniger Einfluss als bei der Mauertaktik. Nur: Die Gefahr ist gross, mit dem Versuch einer offensiven, dominanten Ausrichtung ins offene Messer zu laufen. Wenn dies passierte, gäbe es wohl heftige Vorwürfe.
 
Will man also auf Angriff setzen und bei einem negativen Ergebnis in Schönheit sterben? Oder pragmatischen, resultatorientierten Fussball praktizieren und dann bei einer Niederlage sagen, man hätte mehr riskieren müssen? Beide Taktiken können zum Erfolg führen. Es ist wie immer, die Wahrheit liegt auf dem Platz, wo die Schweiz auch gegen Portugal auf Sieg spielen will.


 

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