Basel vor fast unlösbarer Aufgabe

CHAMPIONS LEAGUE ⋅ Auf den FC Basel wartet am Dienstagabend im Hinspiel des Champions-League-Achtelfinals die momentan wohl grösste Herausforderung im europäischen Fussball: ein Duell mit Manchester City.
13. Februar 2018, 05:00

Am Samstag erfüllte der FC Basel in Thun die Pflicht und machte damit den Kopf frei für die Kür. Dass der Start ins neue Jahr mit der Niederlage gegen Lugano und dem nur halbwegs überzeugenden Sieg im Berner Oberland besser hätte verlaufen können, spielt nun keine Rolle mehr. Die Partie in Thun war keine Hauptprobe auf Manchester City. "Selbst wenn wir zweimal 7:0 gewonnen hätten, würde das im Hinblick auf den Dienstagabend nichts sagen", erklärte Michael Lang. Gegen Manchester City erwarte den FC Basel ein anderer Fussball.

Als einen Fussball von einem anderen Stern wurde das, was Manchester City in der laufenden Saison phasenweise gezeigt hat, auch schon bezeichnet. In der zweiten Saison unter Pep Guardiola sind die Citizens in der Premier League eine Klasse für sich, haben erst einmal verloren (in Liverpool) und 23 ihrer 27 Meisterschaftsspiele gewonnen, zuletzt am Samstag mit 5:1 gegen Leicester, den Meister von 2016. Sergio Agüero traf dabei viermal und Kevin de Bruyne gab drei Vorlagen.

Die Gefahr lauert fast überall für die Gegner von Manchester City. Guardiola hat ein Team geformt, das vor allem in der Vorwärtsbewegung über zahlreiche Möglichkeiten verfügt und sehr schwer auszurechnen ist. Und die kleineren Probleme, etwa jene in der Verteidigung, kann der spanische Coach auf dem Transfermarkt rasch lösen: Im Januar kaufte er zur Verstärkung den Franzosen Aymeric Laporte für 65 Millionen Euro von Athletic Bilbao. Über 300 Millionen Euro hat Manchester City seit dem letzten Sommer für neue Spieler ausgegeben.

Basels dritter Achtelfinal

Es sei eine der absolut besten Mannschaften der Welt, stellte Raphael Wicky fest. Dementsprechend gross ist auch die Herausforderung für den jungen Trainer, der nach José Mourinho in der Gruppenphase nun auch Guardiola im St. Jakobs-Park empfangen kann. Mourinho trat mit Manchester United geschlagen die Heimreise an. Gleiches Guardiola anzutun, scheint nun aber ungleich schwieriger, weil zum einen Manchester City über noch mehr Qualität verfügt als der Stadtrivale und zum anderen ein Achtelfinal-Hinspiel eine andere Brisanz mit sich bringt als ein Gruppenspiel.

Der FC Basel konnte in den letzten Jahren im Europacup gegen eine ganze Reihe von prominenten Klubs antreten - von Real Madrid über Barcelona, Liverpool und Chelsea bis Bayern München. Die Deutschen waren im Februar 2012 bei der ersten Achtelfinal-Qualifikation des FCB der Gegner. Auf ein 1:0 daheim folgte ein 0:7 auswärts. Und auch bei der zweiten Achtelfinal-Teilnahme 2015 gegen den FC Porto (1:1 daheim und 0:4 auswärts) waren die Basler chancenlos. Aber beide Male reisten sie nach dem Heimspiel mit intakten Chancen zum zweiten Duell. Das muss vorerst erneut das Ziel sein.

21 Spieler für 800 Millionen

Dass der FC Basel in solchen Begegnungen gerade daheim über sich hinauswachsen kann, hat er in den letzten Jahren und speziell auch im vergangenen Herbst bewiesen. Mutig, solidarisch und diszipliniert muss der FCB auftreten und bereit sein, "das harte Stück Arbeit" (Marco Streller) auf sich zu nehmen. Rein statistisch ist nicht nur das 1:0 im letzten November gegen Manchester United ein Mutmacher. Überhaupt sahen die Basler in den vergangenen gut 15 Jahren gegen englische Klubs in der Champions League daheim fast immer gut aus. Die Bilanz ist mit vier Siegen, einem Remis und zwei Niederlagen beeindruckend.

Mehr als einmal hat der Schweizer Vorzeigeklub dem Geld aus der Premier League also getrotzt. Die finanziellen Mittel sagen nicht alles über einen Klub aus, aber ein Blick auf den Marktwert der Mannschaft von Manchester City zeigt eindrücklich in welche Sphäre sich der einstige Arbeiterklub dank den Besitzern aus den Vereinigten Arabischen Emiraten gehievt hat. Auf knapp 800 Millionen Euro wird der Marktwert der 21 Spieler geschätzt. Zum Vergleich: Die 263 Super-League-Spieler kommen auf 233 Millionen Euro. Auf den FC Basel wartet eine immense Herausforderung - diese haben sich Wicky und Co. mit ihren Leistungen im Herbst redlich verdient. (sda)


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