Nur vier Siege in elf Monaten: Der schlechteste Saisonstart des FC Wil

CHALLENGE LEAGUE ⋅ Der FC Wil hat in den vergangenen elf Monaten nur vier Meisterschaftsspiele gewonnen. Nach einem Viertel der laufenden Saison liegt er am Tabellenende. Nun soll der ehemalige österreichische Nationalspieler Roman Kienast für mehr Torgefahr sorgen.
26. September 2017, 21:30
Simon Dudle
Die Zahlen sind vernichtend: Nur vier der letzten 33 Meisterschaftsspiele haben die Wiler seit November des vergangenen Jahres gewonnen. Für die laufende Saison ist zu konstatieren: So schlecht ist der FC Wil seit dem Abstieg aus der Super League im Jahr 2004 noch nie aus den Startlöchern gekommen. Lediglich fünf Punkte sind nach neun Runen auf dem Konto.

Auch wenn im einen oder anderen Spiel das Wettkampfglück fehlte und Schiedsrichterentscheide in der IGP-Arena für Missmut sorgten, so sind die Gründe für die Misere hauptsächlich hausgemacht. Der auffälligste ist die Harmlosigkeit in er Offensive. Ganze zehn Stunden und drei Minuten sind die Wiler seit dem 12. August ohne Torerfolg geblieben, bis am Montagabend Johan Vonlanthen mit seinem Treffer zum 1:1-Ausgleich gegen Schaffhausen diese schwarze Serie durchbrach. Diese Werte sind kein Zufall. In gegnerischen Strafraum haben die Wiler zu wenig Präsenz und Durchschlagskraft, um die Abwehrreihen nachhaltig beunruhigen zu können. Für Vereinspräsident Roger Bigger sind aber nicht primär die Angreifer das Problem: «Mit Johan Vonlanthen und Sergio Cortelezzi haben wir Stürmer, die zusammen schon fünf Treffer erzielt haben. Wenn aus dem Mittelfeld zu wenig Impulse kommen, wird es für die Angreifer schwierig. Bis zum gegnerischen Strafraum sieht es jeweils gut aus, danach nicht mehr.»


Mit elf Einsätzen in der Nationalmannschaft

Mit sieben erzielten Toren stellt der FC Wil – zusammen mit Aarau – die schwächste Offensive der Challenge League. Darum sind die Verantwortlichen auf dem Transfermarkt noch einmal aktiv geworden und haben den 33-jährigen Stürmer Roman Kienast verpflichtet. Der 1,90 Meter grosse Österreicher spielte zuletzt in der heimischen Bundesliga für Sturm Graz, wo sein Vertrag diesen Sommer aber nicht verlängert wurde. Zuvor ist er für Rapid und Austria Wien aufgelaufen und sammelte bei diesen beiden Vereinen auch Erfahrungen in der Champions League. In der österreichischen Nationalmannschaft kamen bei Kienast zwischen 2007 und 2011 elf Einsätze zusammen. Bei einem Testspiel gegen Nigeria im Jahr 2008 erzielte er seinen einzigen Treffer für sein Heimatland.
Nun soll Kienast dazu beitragen, dass die Wiler wieder mehr Torgefahr entwickeln. Sein Vertrag bei den Ostschweizern läuft vorerst bis Ende 2017. Über eine Verlängerung wird in der Winterpause entschieden. «Kienast ist torgefährlich und bringt Routine in die Mannschaft», sagt Bigger.
Fehler wiederholte von den Routiniers
So harmlos der Wiler Angriff im ersten Meisterschaftsviertel oftmals war: die Probleme lagen auch andernorts. Zum Beispiel in der Anfälligkeit. Zwar stand der FC Wil grundsätzlich oft kompakt, beging aber wiederholt kapitale Fehler, welche Punkte kostete. Obwohl Trainer Konrad Fünfstück immer wieder darauf hinweist, wie jung und «grün» sein Team ist, so kamen die Unzulänglichkeiten auch von Routiniers. Zum Beispiel am Montag gegen Schaffhausen, als sich die erfahrenen Innenverteidiger Marko Muslin und Basil Stillhart kurz vor Schluss mit einem einzigen, weiten Steilpass ausspielen liessen, was sie sechste Niederlagen im neunten Meisterschaftsspiel zur Folge hatte. Auch die bereits drei kassierten Platzverweise dieser Saison gingen alle auf das Konto von Spielern mit reichlich Erfahrung.
Wie immer, wenn eine Mannschaft eine Serie ohne Siege an den Tag legt, wird früher oder später auch die Trainerfrage gestellt. Darauf angesprochen sagt Bigger: «Für ein Resümee ist es noch viel zu früh. Wir tätigen keine Schnellschüsse und stehen hinter dem Trainer.»
Auch wenn die Wiler schon seit sieben Spielen nicht mehr gewonnen haben, so war bei weitem nicht alles schlecht. Durchs Band ungenügend war nur die zweite Halbzeit bei der 0:3-Niederlage in Chiasso. Ansonsten war es häufig das gleiche Bild: Der FC Wil hielt gut mit, war nahe an einem Erfolgserlebnis, brachte sich mit Eigenfehlern aber um den Lohn. «Wenn wir dies abstellen können und etwas Wettkampfglück haben, dann liegt ein Rang zwischen fünf und neun im Bereich des Möglichen. Das Ziel ist und bleibt aber der Ligaerhalt», sagt Bigger.

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