FC Wil: Noch kein neuer Präsident, aber neue Gesichter im Verwaltungsrat

WECHSEL IN DER FÜHRUNGSEBENE ⋅ An der Generalversammlung der FC Wil 1900 AG hat Präsident Roger Bigger wie erwartet sein Amt nach 15 Jahren abgegeben. Der Verwaltungsrat wurde von drei auf fünf Personen ergänzt. Vier Gesichter sind neu.
04. Dezember 2017, 20:34
Simon Dudle
Viel frisches Blut beim FC Wil – zumindest in der Führungsebene. An der Generalversammlung vom Montagabend blieb wie erwartet kaum ein Stein auf dem anderen. Mit Roger Bigger und Christian Meuli traten zwei der drei Verwaltungsräte nicht zur Wiederwahl an. Beide gaben private Gründe als Ursache an. Die beiden gehörten zusammengezählt 35 Jahre der Vereinsführung an. Meuli war 20 Jahre im Vereins- und Verwaltungsrat, Bigger eineinhalb Jahrzehnte Verwaltungsrat. Die meiste Zeit davon amtete er als Präsident.

Einziger Verwaltungsrat, der wieder antrat, war Maurice Weber. Er ist seit Oktober 2009 dabei. Der dreifache Familienvater hatte im Vorfeld angedeutet, neuer Präsident des FC Wil zu werden, so das die anderen Verwaltungsräte wünschten. Nach der Generalversammlung vom Montagabend ist festzuhalten: Weber ist nicht Präsident der FC Wil 1900 AG. Der 55-jährige Inhaber der Wiler Ingenieur und Architekturfirma W+P Weber und Partner AG wurde von den Aktionären im Verwaltungsrat bestätigt. Wer Präsident wird, war am Montag nicht zu bestimmen. Das wird der neu zusammengesetzte Verwaltungsrat an seiner ersten Sitzung tun. Es wäre allerdings eine Überraschung, wenn nicht Weber Präsident würde, ist er doch Hauptaktionär der FC Wil 1900 AG.

 

Das sind die neuen Gesichter beim FC Wil

Bettina Osterwalder. Zoom

Bettina Osterwalder.

Neu in den Verwaltungsrat gewählt wurden vier Personen aus der Region Wil oder der Ostschweiz. Erstmals überhaupt gehört eine Frau diesem Gremium an, namentlich Bettina Osterwalder. Der knapp 44-jährigen Wilerin gehört die Firma BO Consulting mit Sitz in Wil. Die verheiratete Mutter zweier Kinder ist auch Geschäftsführerin des Leistungszentrums Unihockey Ostschweiz.


Artan Sadiku. Zoom

Artan Sadiku.

Neu gewählt wurde zudem Artan Sadiku. Der Schweizer Staatsbürger ist Rechtsanwalt bei Meier Rechtsanwälte in Luzern und Wohlen. Der knapp 32-Jährige hat sich auf das Straf-, Arbeits- und Sportrecht spezialisiert.





Thomas Hengartner. Zoom

Thomas Hengartner.

Der dritte Neue ist Thomas Hengartner. Der 52-Jährige wohnt in Stettfurt, ist verheiratet und Mitinhaber der Hanspeter Züricher AG, welche Trainings und Coachings anbietet. Zuvor war Hengartner CEO bei Bico, Möbel Hubacher und Möbel Pfister. Zwischen 1984 und 1994 war Hengartner Profifussballer beim FC St.Gallen und beim FC Zürich. Danach trainierte er mehrere Fussballklubs der Region.


Marc-Aurel Weinmann. Zoom

Marc-Aurel Weinmann.

Auch neu in den Verwaltungsrat gewählt wurde Marc-Aurel Weinmann. Der 45-Jährige ist verheiratet und Vater zweier Kinder. Der Gossauer führt als Zahntechniker die Logident GmbH und ist CEO von Sanadent.




 

Bigger bleibt in beratender Funktion erhalten

Ab sofort gibt es bei der FC Wil 1900 AG einen siebenköpfigen Beirat. Ihm gehören der ehemalige Präsident Bigger, Medienchef Dani Wyler, Manfred Raschle, Ralf Breitenmoser, Reto Osterwalder, Albert Frieder und Philippe Jäger an. Diese Personen aus Wirtschaft Gesellschaft und Sport haben sich mit dem neuen Verwaltungsrat zum Ziel gesetzt, den Verein «wieder nachhaltig auf die Spur zu bringen und ihn in eine stabile Zukunft zu führen», wie gestern bekannt wurde.

 

Die türkischen Investoren verprassten 19,5 Millionen

Neben den personellen Veränderungen waren an der Generalversammlung auch die Finanzen von Interesse. Behandelt wurde des Geschäftsjahr 1. Juli 2016 bis 30. Juni 2017 – also jene Phase, in welcher die türkischen Investoren zuerst noch aktiv waren und dann über Nacht verschwanden. Während ihres eineinhalbjährigen Wirkens in Wil verbrauchten sie 19,5 Millionen Franken. In besagten Geschäftsjahr beliefen sich alleine die Personalkosten für die erste Mannschaft und den Staff auf fast 7,2 Millionen Franken. Es resultierte ein Verlust von 8,6 Millionen. Existenzbedrohend ist dieses hohe Minus beim Fremdkapital in der Bilanz nicht, weil die Investoren das Geld vertraglich abgesichert nicht zurückfordern können. Es handelt sich um Darlehen im Rangrücktritt. Die Aktionäre hiessen die Zahlen gut. (sdu)


Leserkommentare

Anzeige: