Gegen den Aufsteiger Aussenseiter

ABSCHLUSS ⋅ Im letzten Heimspiel des Jahres trifft der FC Wil heute um 19 Uhr auf das Überraschungsteam der Challenge League. Aufsteiger Rapperswil-Jona hat bereits 15 Punkte Vorsprung auf die Wiler. Diese streben den ersten Sieg seit fast vier Monaten an.
02. Dezember 2017, 09:38

Es ist in zweierlei Hinsicht ein spezielles Spiel: Einerseits hat es dieses St. Galler Derby auf Wiler Boden unter Wettkampfbedingungen noch gar nie gegeben. Andererseits ist es das letzte Spiel unter Präsident Roger Bigger. Dieser tritt am Montag an der ­Generalversammlung nicht mehr an und hat errechnet, dass sein Punkteschnitt als Präsident des FC Wil seit Amtsantritt vor rund 15 Jahren bei 1,4 liegt. In dieser Saison allerdings wurden nur ­gerade 0,5 Punkte pro Partie erspielt. So erstaunt es nicht, wenn Bigger von einem «Horrorjahr» spricht. Gerade mal vier Siege stehen auf der Habenseite – davon zwei in der Bedeutungslosigkeit des vergangenen Mais, als die Würfel längst gefallen waren.

Den Wilern bleiben nun noch 180 Minuten, um das «Horrorjahr» mit zwei positiven Facetten zu bereichern und den ersten Sieg seit dem 5. August zu realisieren. Doch die Aufgaben sind anspruchsvoll. Bevor es zum Abschluss der Hinrunde ins neue Schaffhauser Stadion geht, gastiert heute mit Rapperswil-Jona eine Mannschaft in Wil, die vor Selbstvertrauen strotzt. Von den vergangenen zehn Spielen hat der Aufsteiger nur eines verloren. Mit 23 Punkten sind schon fast dreifach so viele Zähler erspielt wie beim FC Wil. Das Beeindruckende daran: Der Erfolg kommt ­keineswegs zufällig. Wichtiger Bestandteil ist Trainer Urs Meier, dem es wiederholt gelingt, das Maximum aus den Spielern ­herauszuholen. Man beachte, dass mehrere Akteure neben dem Fussball noch arbeiten.

Rapperswil noch ohne Tor und Punkt auf Kunstrasen

Wichtiger Bestandteil des Rapperswiler Höhenflugs ist auch der brasilianische Spielermacher Mychell Da Silva. Nicht nur seine neun Tore sind beeindruckend, sondern auch die sechs Vorlagen. Somit war Da Silva bisher an 15 von 22 Toren des Aufsteigers direkt beteiligt. Unvergessen wird sein Treffer Ende September beim 5:0-Heimsieg gegen Schaffhausen bleiben, als der Brasilianer einen Fallrückzieher so schön in die Maschen setzte, dass es ihm die Auszeichnung «Tor des Monats» einbrachte.

Eines hat Rapperswil in der Challenge League aber noch nicht geschafft: Einen Punktgewinn auf Kunstrasen einzufahren. Noch nicht einmal ein Treffer ist geglückt. In Schaffhausen gab es zu Saisonbeginn ein 0:6, bei Xamax ein 0:2.

Trotzdem steigt der Aufsteiger als ziemlich deutlicher Favorit in das heutige Spiel. Das darf die Wiler aber nicht stören. Mit mehreren unnötigen Niederlagen haben sie sich in eine bedrohliche Lage gebracht und sind nun dringend auf Punkte angewiesen. Dazu sind zwei Dinge zentral: Die Fehlerquote in der Defensive muss drastisch sinken, offensiv braucht es mehr Durchsetzungskraft und Kaltblütigkeit. Obwohl die Wiler in der Aussenseiterrolle auflaufen, hilft heute nur ein Sieg, um sich den anderen beiden FCW aus Wohlen und Winterthur wieder spürbar anzunähern.

 

Simon Dudle


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