Der zweite Platzverweis war einer zu viel

CHALLENGE LEAGUE ⋅ Obwohl der FC Wil eine Halbzeit lang in doppelter Unterzahl bestreiten muss, darf er gegen Xamax bis zuletzt auf einen Punktgewinn hoffen. Am Ende resultiert gegen den Aufstiegsaspiranten aus der Westschweiz aber doch eine 0:1-Heimniederlage.
11. September 2017, 23:06
Simon Dudle
Es waren skurrile Szenen wenigen Minuten nach dem Schlusspfiff. Der FC Wil hatte soeben die vierte Niederlage hintereinander bezogen, ohne dabei ein Tor zu erzielen. Und trotzdem gab es von den Rängen stehende Ovationen. Die Stimmung im Bergholz war gar besser als beim bisher einzigen Saisonsieg, dem 3:1 in der IGP-Arena gegen Wohlen.

Die Zuschauer honorierten, dass die Gastgeber in einer scheinbar aussichtslosen Situation nie aufgaben und deshalb bis zuletzt hoffen konnten, den Aufstiegsaspiranten um zwei Punkte zu bringen. Am Ende war die eingehandelte Hypothek aber zu gross. Bereits nach zwölf Minuten spielten die Wiler in numerischer Unterzahl. Andelko Savic wurde innerhalb von weniger als zwei Minuten zweimal verwarnt – jeweils für ein Foul in der Platzhälfte der Neuenburger. War die erste gelbe Karte gar kleinlich, so war die zweite vertretbar. Kurz nach der Pause musste auch Basil Stillhart mit der gelb-roten Karte vom Feld. Er war ebenfalls für zwei Fouls mit Verwarnungen sanktioniert worden.

Zu mehr als Halbchancen reichte es nicht mehr

Es wurden Erinnerungen wach an das Jahr 2013, als im Vaduzer Rheinpark am Ende ebenfalls nur noch neun Wiler auf dem Feld standen. Spielleiter war damals wie gestern Nicolas Jancevski. Damals wie gestern fühlten sich die Wiler benachteiligt. «Wenn sich ein Spieler im Offensivbereich nicht mehr in den Ball stellen darf, dann sieht er keinen Ball», sagte Wils Trainer Konrad Fünfstück nach der Partie zum ersten Platzverweis. Er ergänzte: «Bei der zweiten roten Karte fehlte das Fingerspitzengefühl.» Hatten die Wiler in einfacher Unterzahl das Spielgeschehen noch ausgeglichen gestalten können, so war der zweite Platzverweis einer zu viel. Kurz nach dem zweiten Ausschluss ging Xamax durch Gaetan Karlen in Führung.

Da die Gäste danach Chancen ausliessen, blieb Wil im Spiel. Mehr als Halbchancen resultierten aber nicht. Dies lag auch daran, dass nach der Auswechslung Sergio Cortelezzis kein nomineller Stürmer mehr zur Verfügung stand. Denn schon vor der Partie hatte sich Johan Vonlanthen mit einer Muskelverletzung abmelden müssen. «Die Niederlage ist sehr bitter. Wir haben viel investiert und die Ordnung nicht verloren», sagte Fünfstück. Da Wil kein zweites Gegentor kassierte, wurde immerhin der Fall ans Tabellenende verhindert.
 
Wil – Xamax 0:1 (0:0)
IGP-Arena: 920 Zuschauer. – Sr: Jancevski.
Tor: 50. Karlen 0:1.
Wil: Baumann; Gonçalves, Lekaj, Muslin, Schällibaum; Stillhart, Latifi, Scholz (54. Zé Eduardo); Cortelezzi (51. Maroufi), Savic, Keller (73. Kucani).
Xamax: Jacot; Gomes, Sejmenovic, Djuric, Obexer; Di Nardo, Corbaz (71. Ramizi); Tréand (89. Veloso), Doudin, Nuzzolo; Karlen (58. Nimani).
Bemerkungen: Wil ohne Atila (gesperrt), Vonlanthen, Lombardi, Huber, Sacirovic (alle verletzt), Miesch, Roesler, Rahimi, Ilazi, Pugliese und Schiavano (alle nicht im Aufgebot). Xamax ohne Walthert (verletzt), Farine, Escolano, Alic, Xhemajli, Mukaj und Kilezi (alle nicht im Aufgebot). – Platzverweise: 12. Savic (Foul, zweite Verwarnung für Foul). – 47. Stillhart (zweite Verwarnung für Foul). – Verwarnungen: 11. Savic (Foul). 17. Stillhart (Foul). 19. Corbaz (Foul). 53. Lekaj (Foul). 62. Obexer (Foul). 64. Sejmenovic (Foul). 69. Zé Eduardo (Foul).
 
Rangliste:
1. Schaffhausen 7/18. 2. Xamax 7/18. 3. Servette 7/17. 4. Chiasso 7/9. 5. Vaduz 7/9. 6. Rapperswil-Jona 7/7. 7. Winterthur 7/6. 8. Aarau 7/5. 9. Wil 7/4. 10. Wohlen 7/4.
 
 

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