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Tagblatt Online
25. August 2016, 17:43 Uhr

Wo ist Ugur Tütüneker?

Nach seiner fristlosen Entlassung beabsichtigt FC-Wil-Trainer Ugur Tütüneker zurück in sein Heimatland zu fliegen – obschon er dort seine Verhaftung riskiert. Eine Freistellung in Wil wäre aus Sicht der Schweizer Gesetzgebung nicht zwingend gewesen.

Ralf Streule

FUSSBALL. Wo ist Ugur Tütüneker? "Unter dieser Nummer können keine Anrufe entgegengenommen werden", wird einem beschieden, wenn man den Mann erreichen will, der am Mittwoch als FC-Wil-Trainer entlassen wurde. Und auch im Hotel Schwanen in Wil, wo Tütüneker zumindest zu Beginn seiner Zeit in Wil logierte, gibt es selbstredend keine Auskunft.

Ein Haftbefehl aus der Türkei hat das Leben des ehemaligen Nationalspielers am Mittwoch schlagartig verändert. Tütüneker soll der Gülen-Bewegung und der "Fethullah Terror Organisation" angehören, die von der türkischen Regierung für den Putschversuch gegen Recep Erdogan verantwortlich gemacht wird. Das Resultat: Tütünekers Entlassung.

Am Donnerstagmorgen hatte der 53-Jährige dem "Blick" erklärt, dass er die Schweiz in Richtung Türkei verlassen will. "Meine Familie lebt dort." Dass er dort als Terrorist gilt und als angebliches Mitglied der Gülen-Bewegung die Inhaftierung riskiert, weiss er. "Ich weiss nicht, was passieren wird." – Am Nachmittag ist er nicht mehr erreichbar und vielleicht schon im Flugzeug nach Istanbul.

Wirklich "keine andere Wahl"?
Dass Tütüneker unter den gegebenen Umständen über kurz oder lang nicht weiter als Trainer in Wil amten würde, lag auf der Hand. Fragen wirft aber die Aussage des Verwaltungsrats Abdullah Cila auf, der die sofortige Auflösung des Vertrags so erklärte: "Wir hatten keine andere Wahl. Wir wollen uns an die Gesetze halten." Aus Sicht der Schweizer Gesetzgebung wäre die Freistellung jedoch nicht so zwingend gewesen, wie sie von Cila dargestellt wird. Ein Haftbefehl aus dem Ausland zieht nicht direkt eine Strafuntersuchung in der Schweiz nach sich. Gemäss dem Bundesamt für Justiz wird sogar explizit keine Rechtshilfe an andere Länder geboten, wenn die Grundlage für ein Strafverfahren politische Handlungen betreffen.

Ob ein türkisches Auslieferungsbegehren für Tütüneker eingereicht wurde, wird Bundesamt für Justiz nicht beantwortet. Dies sowie Fahndungsgesuche unterstünden dem Amtsgeheimnis. Dass Cilas Begründung der Entlassung – die Gesetzestreue – nicht aus Schweizer Sicht zutrifft, kommentiert der FC-Wil-Verwaltungsrat nicht. Interessantes Detail in diesem Zusammenhang ist, dass Wils Investor Mehmet Nazif Günal dem türkischen Präsidenten Erdogan nahe stehen soll. Hingegen ist die Entlassung, wenn auch gesetzlich nicht zwingend nötig, zumindest wohl auch nicht gesetzeswidrig gewesen. Zumal Tütüneker gemäss Cila nach dem Erlass des Haftbefehls persönlich eine Vertragsauflösung unterzeichnet habe.

Tütüneker hätte warten können
Tatsache ist: Tütüneker hätte nach der Entlassung in der Schweiz einige Tage Bedenkfrist gehabt, bevor er sich zu einem nächsten Schritt entscheidet. Die Aufenthaltsbewilligung wäre erst 30 Tage nach dem Auslaufen des Arbeitsvertrages erloschen, wie es seitens des Migrationsamts des Kantons St.Gallen heisst.

Eine andere, aus sportlicher Sicht entscheidende Tatsache ist, dass der FC Wil seit Mittwoch auf der Suche nach einem Nachfolger von Tütüneker ist. "Wir bevorzugen eine Schweizer Lösung", sagt Cila. Noch gebe es keine Namen, auch wenn der eine oder andere im Fokus sei. Zuerst wolle man das Spiel in Wohlen abwarten vom kommenden Samstag. Es ist die Chance, wieder einmal aus sportlicher Sicht Schlagzeilen zu machen.

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Gallix (26. August 2016, 00:06)
CH-Lösung....

das heisst M. Yakin. Schweiz/Türkei. Leider sind weder Zinnbauer noch Stübi Türken oder sonstwie in Fussballkreisen mit Sachverstand umworben und ein Ende der Misere daher nicht absehbar.

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Retep14 (25. August 2016, 18:05)
Zinnbauer

Verpflichtet bitte Zunnbauer!!! Dann ist der FCSG diesen Nichtskönner los. Und Stübi ist auch gratis abzugeben!!!!

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