«Wir rennen nicht davon.»

FC WIL ⋅ Nach dem Fall Igor Belanow 2003 ist zum zweiten Mal unter Präsident Roger Bigger ein Projekt mit einem Investor gescheitert. Die Fälle seien nicht vergleichbar – die Chancen für einen Erfolg seien diesmal da gewesen. Nun stelle man sich der Verantwortung.
09. Februar 2017, 05:37
Interview: Ralf Streule

Roger Bigger ist nach dem Abgang der Investoren enttäuscht. Er verteidigt aber die Idee, den Club in fremde Hände zu geben. Man habe nicht voraussehen können, wie sich die Situation entwickle.

Roger Bigger, nach dem Fall Igor Belanow, als der ukrainische Investor 2003 Chaos in Wil verursachte, sind nun auch die Pläne mit dem Investor aus der Türkei gescheitert. Welche Lehren ziehen Sie aus den beiden Fällen?

Die Fälle sind nicht vergleichbar. Belanow kam mit Altlasten bei uns an. Und wir waren in einer finanziellen Situation, in der wir nicht anders konnten, als uns in die Hände eines Investors zu geben. Hier war es anders. Herr Günal hatte Verpflichtungen zuvor stets eingehalten, sein Konzern arbeitete einwandfrei, das zeigte unsere genaue Geschäftsprüfung. Herr Günal war als Self-Made-Milliardär bekannt. Und er hat in Wil 18 Millionen Franken investiert. Wir konnten nicht wissen, dass sich die Sache so entwickelt. Die politische und finanzielle Lage in der Türkei hat sich verschärft. Das war sicher auch ein Auslöser.

Ist Wil in der Liga nicht gut aufgehoben? Muss es nach Höherem streben?

Der FC Wil sah sich immer als Challenge-League-Club. Aber ein Team braucht auch die Motivation, oben mitspielen zu können. Das Potenzial war da, dass aus der Zusammenarbeit mit der MNG-Gruppe etwas hätte wachsen können. Er kam mit wirklicher Begeisterung nach Wil, das hat man gespürt. Weshalb der Abgang nun so schnell kam, ist auch für uns ein Rätsel.

Sie waren die treibende Kraft bei der Übergabe der Aktienmehrheit. Befallen Sie nun nach dem Scheitern keine Schuldgefühle?

Der Entscheid damals wurde vom gesamten Verwaltungsrat gefällt. Und am Ende mussten zehn Hauptaktionäre einverstanden sein. Wir als Verwaltungsrat stehen jetzt aber auch wieder hin und rennen nicht davon – das sollte man auch schreiben und nicht nur das Negative.

Rechnet der Club mit finanzieller Unterstützung der Stadt?

Darauf haben wir noch keine Hinweise. Aber wenn ich das Vorgehen sehe im Zusammenhang mit den Plänen für den Stadionausbau, denke ich: eher nein.


Lesen Sie hier den Kommentar unseres Sportredaktors zum FC Wil.


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