Wil will nach Wallenwil

FC WIL ⋅ Der FC Wil ist auf der Suche nach einer neuen Trainingsanlage einen Schritt weiter. In Eschlikon könnte eine 19'000 Quadratmeter grosse Anlage entstehen. Mit dem Grundeigentümer scheint man sich einig.

20. Oktober 2016, 06:53
Ralf Streule

In Wallenwil in der Thurgauer Gemeinde Eschlikon, wo derzeit der hohe Mais den Spaziergänger überragt, werden vielleicht schon bald Profifussballer getrimmt. Der FC Wil möchte auf diesem Grundstück zwischen Industrie- und Wohngebiet, sechs Kilometer vom Wiler Bergholz entfernt, seinen ersehnten Trainingscampus errichten. Der Club soll kürzlich Gespräche mit der Bürgergemeinde Eschlikon geführt haben, der Besitzerin des gut 19'000 Quadratmeter grossen Grundstücks direkt an der Bahnlinie St.Gallen–Zürich.

Sämtliche der gut 20 Ortsbürger, die bei einer kürzlich einberufenen Versammlung anwesend waren, hätten einem Verkauf zugestimmt, heisst es aus gut unterrichteten Quellen. Auch wenn Bürgergemeindepräsident Marcel Müller keine Auskunft zum möglichen Deal gibt und offenbar noch nichts unterschrieben ist: Die Absichten scheinen von beiden Seiten sehr konkret.

«Infrastruktur für einen ambitionierten Club»

Die Idee eines Wiler Trainingscampus ist nicht neu. Kurz nach Ankunft der türkischen Führung im Sommer 2015 war der Plan auf dem Tisch: Man wolle «eine Infrastruktur, die einem ambitionierten Club gerecht wird», hatte Abdullah Cila damals gesagt. Nun, da der FC-Wil-Verwaltungsrat im Ausland auf seine Arbeitsbewilligung wartet, scheint die Sache konkret zu werden. Auch wenn seitens des FC Wil nichts zum Stand des Projekts zu erfahren ist.

Sicher ist: Die damaligen Pläne gingen von einem Natur- sowie einem Kunstrasenplatz aus. Zudem war ein vierstöckiges Gebäude mit 40 Zimmern als Rückzugsort für Profis und Nachwuchsspieler vorgesehen, Hobby- und Fitnessräume sowie ein Schwimmbad. Ob die Pläne in Wallenwil ebenso aussehen würden, ist offen. Auf der Fläche von 150 auf 130 Metern wären zwei Trainingsplätze und ein Gebäude denkbar. Vierstöckig dürfte aber nicht gebaut werden, da es sich um eine Wohn- und Gewerbezone für höchstens dreigeschossige Bauten handelt.

Über die Gespräche zwischen dem FC Wil und der Bürgergemeinde ist auch Eschlikons Gemeindepräsident Hans Mäder unterrichtet. Er lässt durchblicken, dass der Gemeinderat einer Umnutzung des Gebiets wohl positiv gegenüberstehen würde. «Eine Sportanlage würde einen idealen Übergang zwischen Wohn- und Industriegebiet bilden.» Zudem sei zu erwarten, dass der Betrieb einer solchen Anlage Arbeitsplätze generieren würde. Mäder geht davon aus, dass für die neue Nutzung keine Umzonung nötig wäre.

Dass die Wiler Pläne eine breite Zustimmung erhalten könnten, zeigt auch die Aussage des Kantonalpräsidenten der Grünen, Kurt Egger, einem Eschliker. Auch er bezeichnet die Lage als ideal. Zudem werde eine private Trainingsanlage kaum viel Verkehr generieren, sagt er.

Keine Angst vor ungenutzter Sportanlage

Angst, dass die türkische Führung über kurz oder lang aus dem Projekt aussteigen und eine unbenutzte Sportanlage hinterlassen könnte, hat Eschlikons Gemeindepräsident Mäder nicht. Im Notfall sei diese schnell anderweitig vermietet oder umgenutzt. Sollte der Verkauf über die Bühne gehen, werde man sich die Pläne aber im Detail anschauen.

Jedenfalls dürfte noch viel Mais wachsen, bis die Pläne umgesetzt sind. Mit dem Grundstückkauf, Baugesuchen und möglichen Einsprachen dürfte die Umsetzung auf sich warten lassen. Damit wäre man beim gleichen Problem wie bei der IGP Arena in Wil, wo sich die Ausbaupläne des Clubs verzögern. Die Stadt als Eigentümerin des Stadions gab kürzlich bekannt, in der Bevölkerung Anfang 2017 eine Grundsatzabstimmung über den Ausbau durchführen zu wollen.

Diese Situation nährte auch Gerüchte, dass die Suche des FC Wil nach einem Trainingsgelände auch eine versteckte Suche nach einem Stadion-Grundstück sein könnte. Im Fall Wallenwil ist das kaum denkbar: Der Platz wäre zu knapp für ein Super-League-taugliches Stadion, wie es der türkischen Führung vorschwebt. Und: Wohl wäre es in Eschlikon kaum mehrheitsfähig.


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