Wil kämpft an vielen Fronten

SANIERUNG ⋅ Für den FC Wil bleibt die Lage angespannt. Zum einen wird der Club seitens der Liga mit einer Busse von 10'000 Franken belegt. Zum anderen erntet er Kritik an der Kommunikation in der «Causa Mattia Bottani».
16. März 2017, 09:43
Ralf Streule

Ralf Streule

Ein bisschen ruhiger ist es geworden um den FC Wil, seit der Club vergangene Woche die Januarlöhne überweisen konnte. Die Frage, ob der Verein die Saison in der Challenge League überlebt, bleibt dennoch offen. Gestern meldete die Swiss Football League (SFL), dass der Club mit 10'000 Franken gebüsst wird. Es ist eine Sanktion, die man laut Mediensprecher Patrick Bitzer erwartet hatte. Gebüsst wird der Verein, da «der Wechsel der Kontrolle über den Club nicht bewilligt war», wie es seitens der Liga heisst. Als der türkische Investor dem FC Wil im Januar den Rücken gekehrt und der alte Verwaltungsrat wieder das Ruder übernommen hatte, war die Liga vorgängig nicht informiert worden – logischerweise nicht, da die Wiler selbst von dieser Entwicklung auf dem falschen Fuss erwischt worden waren. Dennoch entspricht die Busse dem Reglement und wird vom Club wohl nicht angefochten.

Wils Suche nach Geld läuft «mit Hochdruck»

Es sind andere Faktoren, die den FC Wil stärker umtreiben. Einerseits schlittert der Verein von Niederlage zu Niederlage. Die vielen Abgänge, unter anderem der Stürmer Jocelyn Roux und Arturs Karasausks sowie eine lange Verletzungsliste haben das Kader geschmälert. Zudem scheint die finanziell unsichere Situation des Clubs die Spieler nicht gerade zu beflügeln. Anderseits sei man in den Sanierungsbestrebungen noch «lange nicht über dem Berg», wie es Mediensprecher Patrick Bitzer formuliert. Gespräche mit potenziellen Geldgebern, die nach dem Abgang des Investors in die Bresche springen und das auf 2,5 Millionen Franken geschrumpfte Halbjahresbudget stemmen sollen, würden «mit Hochdruck» vorangetrieben. Das Ziel bleibe vorerst, die Februarlöhne «so schnell als möglich» bezahlen zu können. Parallel laufen bei der Liga die Lizenzierungsverfahren für diese und die kommende Saison. Anzeichen, ob Wil die Lizenzen erhalten wird, gibt es wohl erst im April, wenn die Liga über die erstinstanzlichen Lizenzierungen informieren wird. Eine weitere Anzeige gegen den FC Wil läuft. Sie betrifft unvollständige Nachweise von Sozialversicherungszahlungen im Januar. Gestern hat der FC Wil gemäss Bitzer fristgerecht eine schriftliche Stellungnahme dazu bei der Liga abgegeben. Damit hofft der Club, eine weitere Sanktion abzuwenden.

Eine wichtige Frage bleibt: Sind mit allen Spielern neue Verträge unterschrieben? Grossverdiener wie Rémi Gomis hatten sich bis kurz vor dem Stichtag geweigert, Verträge zu tieferen Löhnen zu unterzeichnen. Und in Spielerberater-Kreisen wird bis jetzt vermutet, dass für diese Akteure zwar die Januarlöhne bezahlt sind, aber definitive Einigungen ausstehen. «Es wird mit keinen Spielern mehr verhandelt», heisst es dazu beim FC Wil.

Gestern war diesbezüglich allerdings Gegenteiliges zu erfahren. Gemäss Spielergewerkschaftspräsident Lucien Valloni stehen zumindest mit Mattia Bottani noch Verhandlungen an. Valloni kritisiert zudem ein weiteres Mal die Kommunikation des FC Wil. Als der Club im Februar mit allen Spielern tiefer dotierte Verträge auszuhandeln versuchte, hatte sich unter anderem Offensiv­spieler Mattia Bottani gegen eine Unterzeichnung gewehrt. Präsident Roger Bigger hatte ihn damals öffentlich als einen der Spieler genannt, der sich nicht mit einem tieferen Lohn zufriedengebe. Dies sei eine Falschinformation gewesen, die Bottani in ein schlechtes Licht rücke, sagt Valloni, der nicht etwa dessen Berater ist, sondern ihn im Namen der Safp verteidigt. Bottani habe die Lohnkürzung akzeptiert. Vielmehr habe Wil auf einer Vertragsdauer über die Saison hinaus bestanden, was der Spieler nicht akzeptiert hatte. Der Club strebe diesen Vertrag wohl an, um die Transferrechte zu halten. Gemäss Valloni gehen die Verhandlungen zwischen Club und Bottani weiter. Valloni hatte sich im Namen der Safp bereits dagegen gewehrt, dass Bigger die Namen derer überhaupt nannte, die nicht unterschrieben hatten. Für eine Stellungnahme zur neuerlichen Kritik war Bigger gestern nicht zu erreichen. Zuletzt war Bottani als verletzt gemeldet, gemäss Club ist sein Wadenmuskel gezerrt, er sollte diese Woche aber wieder trainieren können.


 


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