Wie viel Gnade Wil erwarten darf

SANKTION ⋅ Dem FC Wil droht weiter der Abzug von sechs Punkten. Die Swiss Football League gehe zu hart mit ihm ins Gericht, findet der Club. Die Liga erklärt, weshalb sie sich zu viel Nachsicht nicht leisten kann.
13. April 2017, 09:19
Ralf Streule

Ralf Streule

Ist es gerechtfertigt, wenn die Swiss Football League (SFL) den FC Wil gleich zweimal mit einem Dreipunkte-Abzug bestraft? Dass sie den Club, der seit dem Abgang des türkischen Investors mit viel Herzblut ums Überleben kämpft, mit ihren Strafen ans Tabellenende fallen lässt? Müsste sie nicht – zumindest im juristisch möglichen Ermessensspielraum – zu Gunsten des Vereins entscheiden? Wenig überraschend ist, dass der Club selbst das Strafmass unangemessen findet. Er hat Rekurse gegen beide Sanktionen eingereicht und plädiert dafür, dass die beiden Verfahren zu einem zusammengefasst werden. Dies, da sie sich beide auf die Januarlöhne beziehen. Einmal geht es um fehlende Nachweise von Sozialversicherungsabgaben, einmal um verspätete Zahlungen. «Es handelt sich um den gleichen Fall. Hätten wir die Januarlöhne gar nicht bezahlt, wären wir mit dem Abzug von nur drei Punkten bestraft worden», sagt FC-Wil-Präsident Roger Bigger.

Diese Aussage wird von der SFL relativiert. Marc Juillerat, Lizenzmanager und stellvertretender CEO der Liga, weist darauf hin, dass im Reglement von «mindestens drei Punkten Abzug» die Rede ist, werden die Rahmenbedingungen der Zahlungen nicht eingehalten. Eine Obergrenze der Punktabzüge ist demgegenüber nicht festgelegt.

«Es wäre ein falsches Signal an die Clubs»

Grundsätzlich spricht Juillerat von der «manchmal herausfordernden Vereinbarkeit zweier Aufgaben der Liga». Einerseits wolle sie alle Clubs als SFL-Mitglieder unterstützen. Andererseits sei sie verpflichtet zu reagieren, wenn Vorgaben nicht ein­gehalten würden. Schliesslich waren es die Fussballclubs aus der Super- und Challenge-League selbst, die sich vor einem Jahr für eine Verschärfung des Reglements eingesetzt hatten – seither werden verspätete Lohnzahlungen nicht mehr mit einer Busse, sondern direkt mit Punkteabzügen bestraft. Man verliere an Glaubwürdigkeit, wenn man die Regeln, die sich die Liga-Versammlung selber gegeben hat, nun nicht konsequent anwende, sagt Juillerat. «Es wäre ein falsches Signal an die Clubs.»

Dennoch räumt er ein, dass es in der Frage, ob sich die beiden Disziplinarverfahren zusammenführen lassen, juristischen Beurteilungsspielraum gibt. Es sei an den Juristen des Rekursgerichts, dies zu entscheiden. Diese würden sich dabei auf die SFL-Reglemente und wenn nötig auf juristische Grundlagen des Privat- und Strafrechts stützen. Wie es auch die Disziplinarkommission zuvor getan hatte, die zum Schluss gekommen war, dass die beiden Verfahren getrennt beurteilt werden müssen. In ihren Entscheidungen seien die zuständigen Behörden unabhängig von der Ligaführung, betont Juillerat. Bis wann der Entscheid gefällt sein wird, sei derzeit noch offen.

Sicher ist: Andere Challenge-League-Clubs werden den Entscheid mit Argusaugen beobachten. Dass sich mehrere Vereine gegenüber dem FC Wil benachteiligt fühlen, zeigten zuletzt ­Medienberichte. Clubpräsidenten sprachen von ungleich langen Spiessen, da Wil mit Spielern antrete, die von den türkischen Geldern angelockt worden waren und die sich der aktuelle FC Wil eigentlich gar nicht leisten könnte. Nachsicht darf der Club von dieser Seite nicht erwarten.


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