"Werden Rekurs einlegen"

FC WIL ⋅ Die Liga zieht dem FC Wil drei weitere Punkte ab. Werden die insgesamt sechs Punkte Abzug rechtskräftig, stünde der Club am Tabellenende der Challenge League. Wil wird sanktioniert, da die Januarlöhne nicht fristgerecht bezahlt worden seien.
05. April 2017, 20:06
Ralf Streule
«FC Wil 1900 AG überweist Januarlöhne.» So schrieb der Challenge-League-Club am 6. März. Auf den letzten Drücker, so hiess es damals, habe man alle Löhne fristgerecht bezahlt. Die Mitteilung, welche die Swiss Football League (SFL) gestern versandte, zeichnet ein anderes Bild. Die SFL-Disziplinarkommission stellt in ihrem Urteil fest, «dass für den Monat Januar 2017 die fälligen Löhne nicht vollständig und rechtzeitig bezahlt wurden». Bestraft wird der Club mit einem Abzug von weiteren drei Punkten. Zuvor war, auch im Zusammenhang mit den Januarlöhnen, wegen fehlender Bestätigungen zu Sozialversicherungszahlungen dieselbe Sanktion gegen den
FC Wil verhängt worden. Die sechs Punkte Abzug würden für den Challenge-League-Club den Fall ans Tabellenende bedeuten, neu läge er mit 22 Zählern einen Punkt hinter dem FC Winterthur.

Noch sind die Sanktionen nicht rechtskräftig. Gegen das Urteil des ersten Verfahrens hat der FC Wil Rekurs eingelegt – in den kommenden Tagen wird das Rekursgericht der Liga einen Entscheid fällen. Gegen das Urteil zum zweiten Verfahren kann der Club ebenfalls innerhalb von fünf Tagen rekurrieren. Man werde «den Fall genau prüfen und Rekurs einlegen», liess FC-Wil-Mediensprecher Patrick Bitzer gestern verlauten.
 

Bisher keine detaillierte Stellungnahme des FC Wil

Auf die Frage, weshalb man seinerzeit offenbar falsch kommuniziert hatte, nahm der FC Wil gestern hingegen keine Stellung. Tat man es im vollen Wissen, dass noch nicht mit allen Spielern Einigungen erzielt worden waren? Ebenfalls keine Stellungnahme gibt es zur Frage, ob inzwischen alle Löhne bezahlt worden sind. Der FC Wil hatte zumindest kürzlich erklärt, dass auch die Februar- und Märzlöhne überwiesen worden seien – dies, nachdem im März die vorübergehende finanzielle Rettung dank lokaler Geldgeber kommuniziert worden war.

In Zahlungsverzug war der FC Wil gekommen, da sich Investor Mehmet Nazif Günal Anfang Jahr Knall auf Fall zurückgezogen hatte. Der Verwaltungsrat um Roger Bigger hatte daraufhin versucht, mit allen 70 Mitarbeitern neue Verträge auszuhandeln – bis am 6. März mussten die Januarlöhne definitiv überwiesen sein. Offenbar war dies bei einigen Spielern nicht fristgerecht gelungen – auch wenn dies seitens des Verwaltungsrats so kommuniziert worden war. Einige Spieler – gemäss gut unterrichteten Quellen sind es Mattia Bottani und Rémi Gomis – waren nicht bereit gewesen, auf die neuen Verträge einzugehen. Gewerweisst wird nun, ob Wil damals tiefere als in diesen Verträgen abgemachte Beträge ausbezahlte, was die Liga stutzig machte. Über Gewerkschaftspräsident Lucien Valloni liess Bottani kürzlich verlauten, einen tieferen Lohn akzeptiert zu haben. Er soll aber nicht bereit gewesen sein, einen Vertrag zu unterschreiben, der ihn über den Sommer hinaus an den FC Wil gebunden hätte. Ob inzwischen Lösungen gefunden worden sind, ist weiterhin offen. Sollte es nicht so sein, wären weitere Sanktionen denkbar.

Weiter laufen zwei Verfahren vor den SFL-Lizenzbehörden. Einerseits zur Lizenzbestätigung bis zum Ende der laufenden Saison. Dank der lokalen Geldgeber soll diese gemäss FC Wil nicht in Gefahr sein. Andererseits zur Lizenzerteilung für die Saison 2017/18. Ob diese überhaupt noch gebraucht wird, wird sich in den kommenden Wochen auf dem Fussballfeld zeigen. Mit den neuerlichen Punkteabzügen steht man voll im Abstiegskampf.

2 Leserkommentare

Anzeige: