«Vertrauen ist massiv beschädigt»

DIFFERENZEN ⋅ Die Wiler Stadtpräsidentin Susanne Hartmann geht mit den Verantwortlichen des FC Wil hart ins Gericht. Sie wirft ihnen unter anderem Falschaussagen vor und fordert nach der Rettung eine neue Führung. Vereinspräsident Roger Bigger gibt sich gelassen.

27. Februar 2017, 21:25
Simon Dudle
Die Stadtpräsidentin wählte für ihre Aussagen nicht irgendeine Plattform, sondern die grosse Bühne des Schweizer Fernsehens. Dementsprechend sind die Äusserungen von Gewicht. Die am Sonntagabend im «Sportpanorama» gemachten Formulierungen haben es in sich: «Die Personen, welche beim FC Wil das Ruder wieder übernommen haben, sollen schauen, dass sie den Konkurs abwenden können. Danach wäre es aber nicht schlecht, wenn es einen Wechsel in der Führungsriege gäbe. Das Vertrauen ist nicht mehr dort, wo es sein müsste für so einen Fussballclub», sagte Hartmann.

Die Aussage ist nichts anderes als ein Frontalangriff auf die FC-Wil-Verwaltungsräte Maurice Weber, Christian Meuli und vor allem Vereinspräsident Roger Bigger. Dieser antwortet auf Anfrage der Wiler Zeitung: «Wir werten es als positiv, dass die Stadtpräsidentin uns die Rettung des Clubs offensichtlich zutraut und uns auffordert, den Konkurs abzuwenden. Wir würden uns sehr freuen, wenn uns die Politik und insbesondere die Stadtpräsidentin bei diesen Bemühungen unterstützen würde.»

Stadtrat will schon morgen entscheiden
Doch die Stadtpräsidentin setzte gestern zu einem weiteren Rundumschlag an: «Nicht erst seit verschiedenen falschen Aussagen und ungerechtfertigten Vorwürfen  einiger Verwaltungsratsmitglieder der FC Wil 1900 AG an die Adresse der Stadt, geäussert im Rahmen von Medienterminen, aber auch bei anderen öffentlichen Gelegenheiten, ist das Vertrauen des Stadtrats in die Clubverantwortlichen arg strapaziert oder gar massiv beschädigt.» Sie hat in den vergangenen Tagen zahlreiche Rückmeldungen von Wilern erhalten, die sich sehr kritisch zum FC geäussert haben. Das betreffe auch Personen, welche dem Verein grundsätzlich nahe stünden oder nahe gestanden seien.

Wie sieht Bigger die Sache? «Wir erfahren viel Unterstützung und Vertrauen. Die Ursachen für die aktuelle Situation und wer dafür verantwortlich ist, werden wir später nochmals in Ruhe analysieren. Ob es nach einer allfälligen Rettung einen Wechsel in der Führungsriege braucht und wie dieser aussehen könnte, werden wir dann diskutieren, wenn wir alles dafür getan haben, den Club vor dem Konkurs zu bewahren.»
Morgen Mittwoch befasst sich der ganze Stadtrat mit dem FC Wil. Der Club hat vergangenen Donnerstag schriftlich um finanzielle Unterstützung gebeten. Es dürfte sich um einen Beitrag von 100000 Franken zur Sicherung der Juniorenabteilung handeln. Laut Hartmann wird an der morgigen Stadtratssitzung bei der allgemeinen Aussprache dar­über beraten und voraussichtlich auch ein Entscheid gefällt.
 

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