"Der FC Wil wird staatlich subventioniert"

FC WIL ⋅ Der neue Trainer des FC Wil kostet den Club keinen Rappen. Dafür erhält er weiter Arbeitslosengeld. Für Thomas Geiser, Arbeitsrechtsexperte an der Universität St.Gallen, ist das höchst fragwürdig.
31. März 2017, 16:39
Tim Naef
Der neue Mann an der Seitenlinie des FC Wil ist immer noch arbeitslos. Wie aus gut unterrichteten Quellen zu erfahren war, ist Maurizio Jacobacci zumindest immer noch bei der regionalen Arbeitsvermittlung (RAV) im Kanton Zug angemeldet und bezieht weiter einen Teil seines Arbeitslosengeldes. Auf Nachfrage will das betreffende Amt zum Fall keine Stellung nehmen.

Vom FC Wil hingegen erhält der neue Übungsleiter keinen Rappen. Laut Wil-Präsident Roger Bigger verzichtet Jacobacci freiwillig auf einen Lohn oder allfällige Spesen. Zum einen sei das Engagement eine Chance für ihn, sich wieder in der Schweiz zu zeigen. Zum anderen wolle Jacobacci damit seinen Teil an die Sanierung beitragen. So weit, so gut.

Nüchtern betrachtet bezahlt jetzt aber die Arbeitslosenkasse den Trainer für den FC Wil. Dieser Meinung ist Thomas Geiser, Experte für Arbeitsrecht an der Universität St.Gallen. "Der Club wird nun einfach staatlich subventioniert."
 

"Dann würden es ja alle machen"

Das Staatssekretariat für Wirtschaft und Arbeit (Seco) will sich zum konkreten Fall Wil nicht äussern. Es sagt nur soviel: "Solange die unentgeltliche Arbeit die Vermittelbarkeit für eine andere Arbeit nicht vermindert, wird das Arbeitslosengeld weiter ausbezahlt." Allerdings werde ein fiktiv angenommenes Salär - also das, was ein Wil-Trainer verdienen würde - vom Arbeitslosentaggeld abgezogen.

Gleichzeitig bleibe so ein Taggeldbezüger im Arbeitsmarkt integriert und habe die Gelegenheit, weitere berufliche Erfahrungen zu sammeln. "Dies ist aber kein Grund für arbeitslose Personen, die Suche nach einer bezahlten Beschäftigung aufzugeben oder entlohnte Stellenangebote abzulehnen", schreibt das Seco in einer Stellungnahme.

Diesem Vorgehen steht Geiser jedoch kritisch gegenüber: "Stellen Sie sich vor, das würden alle machen. Wenn dieses Modell Schule macht, könnte das St.Galler Stadttheater einfach beim RAV anrufen und nach arbeitslosen Schauspielern – und von denen gibt es einige – fragen." Das Theater würde die Schauspieler dann nicht bezahlen, aber argumentieren, dass sie mit diesem Engagement in Zukunft bessere Jobaussichten hätten. "Das wäre eine unhaltbare Situation", so Geiser.


 

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