So könnte die Stadt dem FC Wil helfen

FINANZPROBLEME ⋅ Der FC Wil kämpft ums Überleben und hat sich an die Stadt gewandt. Die Regierung könnte bis 100000 Franken sprechen. Höhere Beträge verlangen einen Entscheid des Stadtparlaments – oder gar des Volkes.
21. Februar 2017, 11:45
Simon Dudle
Langsam wird die Zeit knapp. Bis heute in einer Woche muss der in Finanzprobleme geratene FC Wil gegenüber der Liga bestätigen, dass er die Januarlöhne bezahlt hat. Bis dann hat die Task Force zu entscheiden, ob eine Rettung realistisch ist oder das Fanionteam aus dem Spielbetrieb zurückgezogen wird.
  • Wil-Fans in der IGP Arena.
  • Ein Mitarbeiter des FC Wils verlässt den Rasen während der Halbzeit.
  • Wiler Nachwuchsspieler entsorgen ein liegengelassenes Banner der Wiler Fans.

Im ersten Spiel nach dem Weggang von Investor Mehmet Nazif Günal haben die Wiler gegen Tabellenführer Zürich keine Chance und verlieren mit 0:4. (Bilder: Benjamin Manser)



Von Interesse ist in der ganzen Diskussion das Verhältnis von FC und Stadt Wil. Nachdem der Verein noch vor knapp zwei Wochen davon gesprochen hatte, dass ihm von der Stadt Steine in den Weg gelegt würden, gab es vergangene Woche ein Gespräch. Vereinspräsident Roger Bigger sagte hinterher, das Zusammenkommen sei konstruktiv gewesen und man habe auf die Probleme aufmerksam gemacht. Er hofft auf Gehör, weil es auch darum gehe, die Nachwuchsabteilung zu retten. Bigger weiter: «Der FC Wil ist immerhin ein KMU mit 70 Mitarbeitenden.»
Präsident Roger Bigger. Zoom

Präsident Roger Bigger.



Ab einer Million kann das Volk mitreden
Bei der Stadt Wil gibt man sich bedeckt: «Wir bestätigen, dass ein Gespräch zwischen Vertretern des Stadtrates und der FC Wil 1900 AG gegeben hat. Der Inhalt ist aber eine Sache zwischen den beteiligten Parteien», sagt Stefan Hauser, Kommunikationsbeauftragter der Stadt Wil.

Grundsätzlich scheinen zwei Szenarien plausibel: Der FC Wil ersucht darum, die Mietkosten für die IGP Arena zu einem späteren Zeitpunkt zahlen zu dürfen – oder aber um einen Überbrückungskredit. Doch welche Kompetenz hat der Stadtrat überhaupt? Unter «Unvorhersehbare neue Ausgaben» kann die Regierung pro Jahr bis zu einer halben Million Franken sprechen, je Fall allerdings «nur» 100000 Franken. Für höhere Beträge wäre ein Entscheid des Stadtparlaments nötig. Dieses kann einmalig über einen Betrag von bis zu einer Million Franken abschliessend befinden. Für bis zu sechs Millionen würde der Parlamentsentscheid einem fakultativen Referendum unterstellt. Und über einen noch höheren Betrag müsste auf jeden Fall das Volk seinen Segen geben.

Emotionale Debatte in Thun
Um die Erfolgschancen des Fussballclubs auf städtische Gelder zu beurteilen, bietet sich ein Vergleich mit Thun an. Der dortige Super-League-Club leidet ebenfalls unter Geldmangel und hat sich letzten Herbst an die Politik gewandt. Die Stadt gewährte im Dezember einen zinsfreien Überbrückungskredit von maximal 500000 Franken. Das Stadtparlament hatte nach einer emotionalen Debatte mit 30:8 Stimmen bei einer Enthaltung zugestimmt. Zu reden gab vorab die Frage, ob öffentliche Gelder in einen Profi-Fussballclub fliessen sollen. Die Stadtregierung hatte argumentiert, es gehe nicht nur um die Profiabteilung, sondern auch um die Junioren.

Leserkommentare

Anzeige: