Noch kein Licht in Sicht

FC WIL ⋅ Sind die Januarlöhne heute nicht bezahlt, werden dem FC Wil Punkte abgezogen. Weshalb bisher nicht alle Mitarbeiter neue Verträge unterschrieben haben, erklärt sich vielleicht mit deren Aussicht auf RAV-Gelder.
28. Februar 2017, 06:36
Ralf Streule

Einige Spieler haben sich arrangiert mit der Situation. Sie haben nach dem Ausstieg des türkischen Investors beim FC Wil Verträge zu viel tieferen Konditionen unterschrieben. Andere wiederum haben, wie Marvin Spielmann, einen neuen Club gefunden. Gestern wurde bekannt, dass der 21-jährige Mittelfeldspieler seine Karriere beim FC Thun fortsetzt. Diese Meldungen sind im Sinne des FC Wil, da sie das Lohnkonto entlasten. Sind die Januarlöhne heute bei der Swiss Football League nicht nachgewiesen, werden dem FC Wil drei Punkte abgezogen. Verzichten auch mittelfristig nicht alle 70 Mitarbeiter auf die bisherigen hohen Gehälter, droht der Konkurs – womöglich entscheidet schon diese Woche über die Zukunft des FC Wil.

Mit einer Handvoll Lohnbezügern konnte die Clubleitung auch bis gestern Abend noch keine Einigung erzielen – zumindest war seitens des Clubs nichts Gegenteiliges zu erfahren. Weiter ist man sich dem Vernehmen nach mit den beiden Grossverdienern Rémi Gomis und Nduka Ozokwo nicht einig.

Insolvenzentschädigung ist für Stars ein Klacks

Was die beiden Fussballer bisher dazu bewegte, keinen neuen Vertrag zu unterschreiben, ist auf den ersten Blick nicht ganz einfach nachzuvollziehen – da bei einer Insolvenz des Clubs für sie die hohen Gehälter ebenfalls verloren wären. Hinweise auf mögliche Gründe gibt Lucien Valloni, Präsident des Schweizerischen Fussballspieler-Verbands. Er war nach dem Abgang des Wiler Investors zusammen mit der Clubleitung bei den Fussballern vorstellig geworden. «Wir gaben den Spielern keine Empfehlung ab», betont er. Vielmehr habe man rechtliche Wege aufgezeigt. Im Falle eines Konkurses würden die Spieler eine Insolvenzentschädigung von 12'350 Franken erhalten – dies wohl aber nur für zwei Monate. Für Topverdiener wie Gomis kaum ein Anreiz. Bei Mitarbeitern, die schon seit über einem Jahr dem Club angehören, stünden bei einer Insolvenz zudem Arbeitslosengelder in Aussicht – 70 bis 80 Prozent des vorherigen Verdiensts, maximal ist ein Lohn von 12350 Franken versichert. Ein Antrieb, beim FC Wil keinen neuen Vertrag zu unterschreiben und ihn in eine Insolvenz laufen zu lassen?

Wahrscheinlicher ist es, dass einige Spieler oder deren Berater auf Zeit spielen, um möglichst gute neue Verträge mit dem FC Wil auszuhandeln. Oder: Sie haben darauf spekuliert, bei einem Super-League-Club unterzukommen. Doch dieser Zug ist praktisch abgefahren: Das nationale Transferfenster wird heute geschlossen. Bleiben zwei Möglichkeiten: beim FC Wil für ein Butterbrot zu spielen – oder ihm das Grab zu schaufeln.


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