Lohnsumme? Geldgeber? Alles Interna

FC WIL ⋅ Tagelang hat der FC Wil um neue Lohnverträge mit den Angestellten gekämpft. Am Montag konnte der Club die Gehälter überweisen. Ob wirklich mit allen Spielern eine Einigung mit tieferen Gehältern erzielt wurde, bleibt aber offen.
06. März 2017, 22:44
Ralf Streule
Die drei Männer strahlen Zuversicht aus, als sie den Raum in der IGP-Arena betreten. Der Stolz ist ihnen anzusehen, den FC Wil vorderhand über Wasser gehalten zu haben. Doch sie sind auch gezeichnet von den vergangenen Tagen. Hunderte Verhandlungen führte die Task Force, die Anfang Februar nach dem Abgang des türkischen Investors kurzerhand ins Leben gerufen wurde, um den Scherbenhaufen zusammenzukehren.

Präsident Roger Bigger, Verwaltungsrat Maurice Weber und Manfred Raschle, Präsident des Gönnervereins Club 2000, stellten sich am Abend vor dem Spiel Wils gegen Aarau den Fragen der Medien. Und sie sagten vor allem das, was am Nachmittag schon bekannt geworden war: Am Montag, kurz vor Ablauf der von der Swiss Football League (SFL) gewährten Nachfrist, hat der Club auch mit den letzten der 70 Mitarbeiter eine Lohnvereinbarung treffen können. Die Januargehälter sind bezahlt, die Liga bestätigte den Eingang des Fax, der dies ausweist. Der Punkteabzug und ein Konkurs sind damit fürs Ers­te abgewendet. Auch wenn die Papiere noch im Detail analysiert werden müssten, wie SFL-Sprecher Philippe Guggisberg sagte.

  • Matchbesucherinnen verpflegen sich mit Pommes Frites.
  • Eine einsame Zuschauerin unter ihrem Regenschirm.
  • Die Wiler kommen auf den Platz.

Ein Verein im Überlebenskampf: Zwar haben Spieler und Angestellte des FC Wil am Montag endlich ihre Januarlöhne erhalten. Bei der Heimpleite gegen den FC Aarau mussten die Wil-Kicker aber hartes Brot essen. Stimmungsbilder aus der IGP Arena. (Bilder: Hanspeter Schiess)

Lohnsumme? Geldgeber? Alles Interna
Wie die Verhandlungen ausgingen mit den fünf Spielern, die bis zum Schluss auf ihren alten, hoch dotierten Gehältern bestanden, ist von der Task Force aber nicht  zu erfahren. Lohnsumme? Geldgeber? Alles Interna. In einer ­Medienmitteilung hiess es zuvor lediglich: "Die Gehälter sind auf der Basis der in den letzten Wochen reduzierten Verträge ausbezahlt worden." Ob und wie sehr man den letzten Spielern entgegenkommen musste, bleibt also offen. Und auf den Hinweis eines Journalisten, dass ein Spielerberater erklärte, dass keine endgültige Einigung mit seinem Spieler erzielt worden sei, stutzt Bigger. "Nicht dass ich wüsste." Sicher sei auf alle Fälle: "Alle gehören weiterhin zum Team."

Bis im Sommer eine Baustelle
Damit bleibt offen, ob doch einzelne vormalige, hohe Gehälter bezahlt werden mussten. Ohnehin bleibt die Finanzierung der Saläre bis im Sommer eine Baustelle. Die Februarlöhne sollen so bald als möglich überwiesen werden. Dabei werde sich der Verwaltungsrat wie auch der Club 2000 einbringen. Die Gerüchte, dass beim Verkauf des Aktien­pakets 2015 an Mehmet Nazif Günal für die vormaligen Aktionäre wie Bigger mehrere Millionen Franken heraussprangen, dementierte der Präsident vehement. "Wir wären die Ersten, die das Geld in den Club stecken würden." Die damaligen Kaufverträge unterstünden aber einer Geheimhaltungsvereinbarung.

Emotionaler Wert des Clubs
Die andere Baustelle: Die ­Lizenzierungsbegehren, die der Club am Donnerstag bei der SFL eingereicht hat, müssen von der Liga gutgeheissen werden. Für die Saison 2017/18 wurde die Lizenz über die FC Wil AG beantragt, die nach dem Abgang des Investors Igor Belanov 2004 saniert worden war. Als Knackpunkt könnte sich die zweite Lizenz erweisen. Diese musste der Club nach dem Investorenabgang für die laufende Saison neu einreichen. Sie läuft gezwungenermassen weiter über die FC Wil 1900 AG. Die Gesellschaft wurde von Günal Anfang Jahr an einen Dritten in Dubai veräussert – der offenbar illiquid ist. Die Frage wird sein, ob über diese Gesellschaft eine Lizenz zugesprochen wird. Die Hoffnung des FC Wil besteht darin, dass der Verwaltungsrat die Gesellschaft weiterhin vor Ort operativ leitet.

Ausser auf technische Details wies die Task Force auch auf den emotionalen Wert des Clubs hin. "Zuletzt bekamen wir den Eindruck, einige wünschten dem FC Wil den Konkurs", so Weber. Man vergesse, dass eine Juniorenabteilung und viele Mitarbeiter mitbetroffen wären. Tatsächlich: Sie wären am Ende Leidtragende der Ära Günal.

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