Kein Rappen mehr seit Ende Dezember

FC WIL ⋅ Kleiner Fortschritt bei der Rettung des FC Wil: Die Zahl der Spieler, die sich weigern, für weniger Geld zu kicken, hat abgenommen. Trotzdem sagt Mediensprecher Patrick Bitzer: "Das Ganze zehrt an den Nerven."
01. März 2017, 11:21
Daniel Walt
"Alle müssen mithelfen und diesen Weg mitgehen." Das sagt Patrick Bitzer, Mediensprecher des FC Wil, zum Wettlauf gegen die Zeit bei der Rettung des Clubs. Nach dem Ausstieg der türkischen Investoren muss der Verein den Gürtel massiv enger schnallen. Deshalb haben die neuen Verantwortungsträger um Präsident Roger Bigger den rund 70 Angestellten neue, tiefer dotierte Verträge vorgelegt - vom Materialwart bis zum Topstar.

Nachdem sich bis am Dienstagabend noch ein Spielersextett querstellte, vermeldet der Verein am Mittwochmorgen einen kleinen Fortschritt. Wie Patrick Bitzer auf Anfrage erklärt, hat die Zahl der Spieler, welche die neuen Verträge nicht akzeptieren wollen, abgenommen – um wie viel, will er nicht sagen.

"Überdurchschnittliche Löhne"
Nichts geändert hat sich derweil an der Tatsache, dass die Januarlöhne nach wie vor nicht ausbezahlt sind. Das passiert erst, wenn alle Spieler bereit sind, für weniger Geld weiterzumachen – diese Bedingung haben laut dem FC Wil jene lokalen Investoren gestellt, welche bereit sind, Geld für die Rettung des Clubs einzuschiessen. Dementsprechend angespannt sind die Nerven der Verantwortlichen, wie Patrick Bitzer bekennt: "Das Ganze ist eine extreme Belastung, insbesondere für die Mitglieder der Task Force, die Tag und Nacht an der Rettung des Clubs arbeiten."

Dutzende Gespräche seien in den vergangenen Wochen geführt worden. Mit gewissen Spielern sei man nicht bloss zwei- oder dreimal zusammengesessen, so Patrick Bitzer. Er bekennt, dass die neuen Bezüge, die der Club offeriert, teils massiv tiefer sind als jene unter der Ägide der türkischen Investoren. "Es handelt sich unserer Ansicht nach aber um Angebot, die für die Challenge League nach wie vor überdurchschnittlich sind", so Bitzer.

"Kein Zuschieben des Schwarzen Peters"
Wie Patrick Bitzer weiter festhält, glauben die Verantwortlichen daran, dass noch eine Einigung mit allen Spielern möglich ist. "Und solange wir daran glauben, arbeiten wir daran". Macht der Verein mit seiner Kommunikation bewusst Druck auf jene Spieler, die das neue Angebot bisher nicht akzeptiert haben, und schiebt ihnen öffentlich den Schwarzen Peter zu? "Vom Zuschieben des Schwarzen Peters kann hier nicht die Rede sein. Wir arbeiten mit Hochdruck an der Rettung des Vereins und führen mit den Beteiligten persönliche Gespräche", antwortet Bitzer. Gleichzeitig kommuniziere der Verein offen zum Stand der Dinge. Was kommuniziert werde, entspreche auch den Tatsachen. "Und es ist nun mal Tatsache, dass dem Club aktuell noch wenige Unterschriften fehlen, um die möglichen weiteren Schritte einzuleiten", so Bitzer.

"Nicht mit aktueller Führung abgeschlossen"
Was sagt Patrick Bitzer zum Argument, es sei das gute Recht der Spieler, die neuen Verträge nicht zu akzeptieren? "Klar können sie grundsätzlich auf ihren Verträgen bestehen. In der aktuellen Situation jedoch nützt das niemandem etwas – weder dem Spieler selber – noch dem FC Wil. Unabhängig vom Ausgang der Geschichte werden die Spieler die entsprechenden Bezüge so nicht mehr erhalten", antwortet Bitzer. Die Spieler hätten die entsprechenden Kontrakte mit der damaligen türkischen Führung abgeschlossen und nicht mit der aktuellen. "Fakt ist: Wir können diese Gehälter nicht mehr zahlen." Entweder stimmten die Akteure den neuen Konditionen zu und könnten sich weiterhin beim FC Wil präsentieren. Oder dann komme es im schlimmsten Fall zu einem Konkurs, womit sie maximal noch rund 24'000 Franken erhielten.

Kein Rappen mehr seit Ende Dezember
Nicht nur Ende Januar, auch Ende Februar haben sämtliche Angestellte des FC Wil keinen Zahltag erhalten. "Primär geht es jetzt einmal um die Januarlöhne. Wenn die ausbezahlt sind, kommen so rasch als möglich die Februarlöhne dran – und dann wollen wir wieder zu einer geordneten Auszahlung der Gehälter übergehen", sagt Patrick Bitzer. Tatsache ist aber, dass sämtliche Angestellten des FC Wil seit Ende Dezember keinen Rappen Lohn mehr erhalten haben. "Glauben Sie nicht, dass das nur für jene Personen mit tiefen Löhnen ein Problem ist. Es stehen überall Schicksale dahinter", sagt Patrick Bitzer.

Sehr individuell präsentieren sich laut Bitzer auch die Gründe, weshalb die Handvoll Spieler ihre neuen Kontrakte bisher nicht unterzeichnet hat: "Jeder hat seine persönlichen Gründe für seine Haltung", sagt Bitzer, ohne in die Details gehen zu wollen.

Weshalb eine Nachfrist?

Bis am Dienstag, 28. Februar, hätte der FC Wil der Swiss Football League den Nachweis erbringen müssen, dass die Januarlöhne überwiesen worden sind. Bevor es zu Massnahmen der Liga kommt, läuft nun noch eine fünftägige Nachfrist. Weshalb eigentlich? Philippe Guggisberg, Mediensprecher der Liga, bekennt, dass der Aufschub im Fall Wil etwas seltsam wirkt, weil seit langem vom 28. Februar als Stichtag die Rede gewesen sei. Die Nachfrist ist aber in den Statuten der Liga verankert. Und zwar deshalb, um zu verhindern, dass es wegen einer Lappalie zu einem Punkteabzug kommt. Es kommt laut Guggisberg nämlich hie und da vor, dass Clubs die Löhne korrekt auszahlen, es aber versäumen, der Liga fristgerecht die entsprechende Bestätigung zukommen zu lassen. Deshalb beziehungsweise für den Fall, dass der zuständige Clubverantwortliche beim Ablauf der Frist gerade in den Ferien ist, gewährt die Liga den Clubs jeweils eine Nachfrist. Fünf Tage, die im Fall des FC Wil vielleicht entscheidend dazu beitragen, den Punkteabzug doch noch zu verhindern. (dwa)


Leserkommentare

Anzeige: