Gerichtsfall ist vom Tisch

STREIT ⋅ FC-Wil-Mittelfeldspieler Etienne Scholz zerrte seinen Arbeitgeber vor das Kreisgericht. Er wollte sich so gegen die Verbannung in die zweite Mannschaft wehren. Nun wurde eine aussergerichtliche Lösung erzielt.
21. Februar 2017, 06:07
Simon Dudle

Noch bevor klar ist, ob die Sanierungspläne der FC-Wil-Taskforce erfolgreich sind, stand ein Gerichtstermin an – unabhängig der derzeit finanziell existenzbedrohenden Situation. Dafür verantwortlich war mit Etienne Scholz ausgerechnet ein Spieler aus den eigenen Reihen. Dieser hatte sich sein Engagement in Wil ganz anders vorgestellt. Vor knapp zwei Jahren war Scholz von den Grasshoppers in die Ostschweiz gewechselt. Zuvor hatte er ein Jahr im Nachwuchs von Bayern München Erfahrungen gesammelt.

Nachdem der heute 23-jäh­rige Zürcher zuerst der ersten Mannschaft des FC Wil angehört hatte, kam er nach dem Einstieg der türkischen Investoren im Sommer 2015 nur noch zu drei Teileinsätzen im Challenge-­League-Team. Wegen der sportlich grossen Konkurrenz wurde der Spieler gar in die zweite Equipe, welche in der 2. Liga interregional und somit fünftklassig spielt, verbannt.

Wieder fürs «Eins» spielberechtigt

Das war nicht nach dem Gusto von Scholz, und er setzte sich zur Wehr. Laut «Blick» machte er einen speziellen Passus im Schweizer Arbeitsrecht geltend. «Eine Beschäftigungspflicht besteht einzig bei besonderen Berufsgruppen, bei welchen die Beschäftigung auch dem Erhalt der Berufsfähigkeit dient (z. B. Künstler, Berufssportler, Chirurgen, ­Piloten), weil hier eine Nichtbeschäftigung zur Beeinträchtigung des wirtschaftlichen Fortkommens führen kann.» Scholz sah seine Fussballerkarriere aufs Spiel gesetzt, wenn er nur in einer unteren Liga trainiert.

Die Verhandlung fand Ende Januar vor dem Kreisgericht Wil in Flawil statt und dauerte ganze vier Stunden. Zu einem Urteilsspruch kam es allerdings nicht, da sich die Parteien annäherten – wohl begünstigt durch den in diese Zeit fallenden Ausstieg der türkischen Investoren. Nachdem den Parteien Fristerstreckung gewährt wurde, um Details zu klären, ist nun die aussergerichtliche Einigung Tatsache. Der zuständige FC-Wil-Verwaltungsrat Christian Meuli sagt: «Etienne Scholz ist nun wieder Teil unserer ersten Mannschaft und wird auf die Kontingentsliste gesetzt. Somit steht auch einem Einsatz in der laufenden Meisterschaft nichts entgegen.» Schon vergangene Woche trainierte Scholz wieder mit dem Challenge-League-Team. Bei der 0:4-Niederlage am Samstag gegen den FC Zürich stand er allerdings nicht im Aufgebot.

Scholz lässt verlauten, er sei froh, sich wieder auf den Fussball konzentrieren zu können. Mit den Schweizer Verwaltungsräten des FC Wil habe es nie Probleme gegeben.

Bei Salatic brauchte es ein Urteil

Es ist nicht das erste Mal, dass sich ein Spieler auf juristischem Weg gegen eine Verbannung aus der ersten Mannschaft eines Clubs wehrt. Im Jahr 2014 hatte sich Veroljub Salatic, damals Captain bei den Zürcher Grasshoppers, mit Trainer Michael Skibbe überworfen und war ins Nachwuchsteam degradiert worden. Salatic ging vor Gericht, bekam recht und durfte in der Folge wieder mit dem Super-League-Team trainieren.

 

 


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