Fans stehen hinter Präsident Bigger

FC WIL ⋅ Nach dem 0:4 am Samstag gegen den FC Zürich geht für den FC Wil der Existenzkampf weiter. Mittlerweile haben sich die Clubverantwortlichen mit einem Ausschuss des Wiler Stadtrates getroffen. Die Anhänger melden sich derweil mit einem Statement.
19. Februar 2017, 18:30
Simon Dudle
Genau 3020 Zuschauer waren am Samstagabend in der IGP Arena dabei, als die Wiler gegen den souveränen und stark aufspielenden FC Zürich die höchste Heimniederlage seit über zehn Jahren bezogen. Geschätzt die Hälfte der Fans unterstützte die Zürcher. Es waren somit rund 1400 Zuschauer weniger mit von der Partie als bei der gleichen Affiche im vergangenen Juli.
  • Wil-Fans in der IGP Arena.
  • Ein Mitarbeiter des FC Wils verlässt den Rasen während der Halbzeit.
  • Wiler Nachwuchsspieler entsorgen ein liegengelassenes Banner der Wiler Fans.

Im ersten Spiel nach dem Weggang von Investor Mehmet Nazif Günal haben die Wiler gegen Tabellenführer Zürich keine Chance und verlieren mit 0:4. (Bilder: Benjamin Manser)


Nachdem in den Tagen zuvor vom harten Kern der Wiler Fans namens «Sektor D» kein Statement zur aktuellen Lage zu erhalten gewesen war, brachten sie sich am Samstag mit einem Flugblatt in die Diskussion ein. Unter dem Titel «Wil übersteht alles» machten sie sich für die Task Force stark. «Präsident Roger Bigger und sein Verwaltungsrat erhalten von uns vollen Respekt und Unterstützung für ihren Einsatz», war zu lesen. Und weiter: «Unser Dank geht auch an die Spieler, die in diesen unsicheren Zeiten für den FC Wil einstehen und mit uns gemeinsam kämpfen.» Bis jetzt hat sich der Sektor D noch an keiner Rettungsaktion beteiligt, würde im Falle einer solchen aber als Kollektiv agieren. Ganze 2000 solcher Flugblätter wurden gedruckt und vor Spielbeginn unters Volk gebracht.

«Mehr Chancen als Risiken»
Für Bigger dürfte diese Hommage Seelenbalsam sein. Denn seit dem unvermittelten Ausstieg von Investor Mehmet Nazif Günal sieht er sich immer wieder medialer Kritik ausgesetzt, weil die Aktienmehrheit 2015 an den Türken verkauft worden ist. Auch nach dem Spiel gegen Zürich wurden kritische Fragen gestellt. Bigger entgegnete: «Für uns waren es mehr Chancen als Risiken. Dass Herr Günal einfach durch die Hintertüre gehen würde, hätte ich nie, nie, nie gedacht. Das ist meine grösste Niederlage.» Zeit, um sich Gedanken über die Vergangenheit zu machen, bleibt aber keine. Dringend müssen weitere Spielerlöhne gesenkt und Gelder aufgetrieben werden.
Präsident Roger Bigger. Zoom

Präsident Roger Bigger.



Mittlerweile ist auch die Stadt Wil involviert worden. In der vergangenen Woche trafen sich die Clubverantwortlichen des FC Wil mit einem Ausschuss des Stadtrates. «Wir haben unsere Anliegen vorgebracht und wollen auch den Nachwuchs sichern. Nun müssen wir einen Antrag stellen. Ich hoffe, dass die Stadt für den Nachwuchs ein offenes Gehör hat», sagte Bigger. Allerdings wird die Behörde die akutesten Probleme des Vereins nicht lösen können, selbst wenn sie wollte. Ein grösserer Betrag müsste vom Stadtparlament abgesegnet werden. Das bräuchte jene Zeit, welche der Verein nicht hat. Schon morgen muss der Swiss Football League aufgezeigt werden, wie die Saison zu Ende gespielt werden soll. Spätestens in einer Woche sind dann die Januarlöhne (über-)fällig.

Warum Stillhart beim FC Wil bleibt
Präsident Bigger bestätigte am Samstagabend, das schon nahezu zwei Drittel der Spieler die tiefer dotierten Verträge unterschrieben haben. Einer von ihnen ist Basil Stillhart. Er will zwar nicht offenlegen, wie viel weniger er verdient, begründet aber: «Ich habe es für den Verein gemacht, denn ich will spielen. Wenn ich jetzt einen neuen Club suchen müsste, wäre das mühsam. Es bräuchte zwei Monate Zeit, um in die Mannschaft zu finden. Bis dann ist die Saison fast vorbei.» Finanziell sei die Situation für ihn kein Problem, da er noch zuhause wohne. Aber: «Die Stimmung im Team ist nicht top. Auch in den Trainings merkt man das. Solange die Situation nicht geklärt ist, wird es nicht besser.»

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