FC Wil läuft die Zeit davon

FC WIL ⋅ «Wir sind auf Messers Schneide», sagt FC-Wil-Präsident Roger Bigger. Die Überlebenschancen des Clubs bezifferte er gestern mit 50:50.
23. Februar 2017, 20:07
Hans Suter
Trotz aller Unbill will Roger Bigger nichts unversucht lassen, den 1900 gegründeten Wiler Fussballclub zu retten. Obwohl an der Medienkonferenz am 8. Februar noch harsche Kritik am Wiler Stadtrat geübt wurde, hat sich bereits am 14. Februar eine Delegation des FC Wil mit der Stadtführung getroffen. Über den Inhalt des Gesprächs schwiegen sich beide Parteien aus. Bis gestern.

In einer Antwort auf eine Dringliche Interpellation von Andreas Senti (SVP) schreibt der Stadtrat, es sei über eine «Unterstützung der FC Wil 1900 AG zur Gewährleistung des Spielbetriebs und Erhaltung der Arbeitsplätze» gesprochen worden. Dabei sei festgelegt worden, dass ein schriftliches Gesuch um finanzielle Unterstützung bis zum 21. Februar zuhanden des Stadtrats eingereicht werden könne. «Bis dato liegt dem Stadtrat kein entsprechendes Gesuch vor», wurde am Mittwoch an der Stadtratssitzung konstatiert. Warum?  «Es ist richtig, dass wir der Stadt Wil bislang kein Gesuch um finanzielle Unterstützung eingereicht haben», sagt Roger Bigger. «Wir arbeiten Tag und Nacht und müssen Prioritäten setzten. Wir können nicht alles auf einmal leisten.» Der Stadtrat hätte die Kompetenz, als Sofortmassnahme bis zu 100000 Franken  zu sprechen. Über höhere Darlehen oder Beiträge müsste das Stadtparlament befinden.

Ist diese Chance nun vertan? «Nein», sagt Stefan Hauser, Leiter Kommunikation der Stadt Wil. Der 21. Februar sei als Datum definiert worden, weil der Stadtrat tags darauf seine ordentliche Sitzung abgehalten habe und angesichts der gebotenen Eile hätte entscheiden können. Die besprochene Frist sei jedoch an keine gesetzliche Grundlage gebunden, womit das Einreichen eines Gesuchs um Unterstützung weiterhin möglich sei.

Verhandlungen mit den Spielern laufen weiter
Nach wie vor drücken Roger Bigger grosse Finanzsorgen. Zum einen fehlt der Hauptfinanzierer, zum anderen laufen exorbitant hohe Spielerlöhne auf. Der höchste Monatslohn wird auf etwa 50000 Franken geschätzt. Das kann sich der FC Wil nicht mehr leisten und muss die Löhne deshalb um bis zu 80 Prozent senken. Das wollen aber nicht alle Spieler akzeptieren. An welchem Punkt die Verhandlungen aktuell stehen, liess sich Roger Bigger gestern nicht entlocken. Mit ernster Stimme sagte er jedoch: «Wir sind auf Messers Schneide.» Die Überlebenschancen seien nach wie vor bei 50:50, also nicht höher als beim abrupten Ausstieg der türkischen Investoren.

In der Vergangenheit arbeitete der FC Wil mit einem Jahresbudget von 2,5 bis 3 Millionen Franken. Unter türkischer Führung wurde der Etat auf mehr als 10 Millionen Franken erhöht. Alleine die Personalkosten sollen sich in der ersten Saison auf rund 8 Millionen Franken belaufen haben. Die FC Wil 1900 AG ist heute ein KMU mit rund 70 Angestellten.

Die Zeit eilt: Bis am Dienstag muss der Swiss Football League bestätigt werden, dass die Januarlöhne bezahlt sind. Bereits zwei Tage später, am 2. März, muss die Eingabe für die Lizenz 2017/18 erfolgen. Und Ende März folgen schon wieder Löhne, diesmal die verspäteten Februargehälter.

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