Ein Sextett stellt sich quer

ÜBERLEBENSKAMPF ⋅ Es wird eng und enger für den FC Wil. Die Gelder für die Auszahlung der Januarlöhne liegen zwar bereit - sie werden aber nicht freigegeben, weil sich sechs Spieler nach wie vor weigern, tiefer dotierte Verträge zu unterschreiben. Tun sie es doch noch, ist die Rettung des Vereins angeblich nahe.
28. Februar 2017, 18:08
Ralf Streule
Der FC Wil hat ein grosses Zwischenziel verpasst. Der Club schaffte es bis zum Stichtag Dienstag nicht, der Swiss Football League (SFL) die nötigen Nachweise für die fehlenden Januarlöhne zu liefern. "Ein halbes Dutzend" Spieler habe die vorgelegten neuen Verträge mit tieferen Löhnen nicht akzeptiert, teilte die Clubleitung am Dienstag mit. Die Gehälter, die von lokalen Geldgebern bezahlt würden, liegen bereit. Sie werden aber nur ausbezahlt, wenn sämtliche Angestellten eine neue Vereinbarung unterschrieben haben.

Grossverdiener stellen sich quer
Welche Spieler sich querstellen, teilt der Club nicht mit. Unter anderem aber soll es sich dem Vernehmen nach weiter um Rémi Gomis und Nduka Ozokwo handeln, die unter türkischer Ägide beim FC Wil gegen 50'000 Franken monatlich verdient haben sollen.

Bevor dem Club nun wie befürchtet drei Punkte abgezogen werden, besteht eine «reglementarische Nachfrist» von fünf Tagen. Innerhalb dieser Zeitspanne müssen die Löhne bezahlt sein, sonst kommt es zur Punktereduktion. Für den FC Wil wäre diese Massnahme wohl noch zu verkraften. Schwerwiegender wäre, wenn mit den Spielern auch langfristig keine Lösung gefunden wird. Dies wäre wohl gleichbedeutend mit dem Konkurs des Clubs und mit der Zwangsrelegation, wohl in die 2. Liga.

Spielerrat konnte verbleibende Akteure nicht überzeugen
Mit den betreffenden Spielern führte die Clubleitung auch am Montag bis in die Nacht und am Dienstag erfolglos Gespräche, sagt Medienchef Patrick Bitzer. Am Dienstagnachmittag tagte zudem der Spielerrat, der die sechs Akteure von einer Vertragsunterzeichnung zu überzeugen versuchte. Gibt es keine Einigung, blieben auch die von den anderen rund 60 Angestellten bereits unterschriebenen Verträge ungültig.

Die Motive der Akteure, auf eine Unterschrift zu verzichten, seien unklar, sagt Bitzer. Die Versicherungszahlungen, die bei einem Konkurs fällig würden, wären tiefer als die addierten Löhne bis Ende Saison. Der FC Wil offeriere Saläre von mindestens 7500 Franken im Monat. "Gute Challenge-League-Gehälter", wie Bitzer betont. Clubwechsel kommen nicht mehr in Frage, da das Transferfenster am Dienstagabend schliesst.

Aus dem Umfeld des FC Wil ist zu hören, dass die Rettung nahe wäre, sollten die verbleibenden Spieler unterschreiben. Die Geldsuche  für die Sanierung – bis Ende Saison werden 2,5 Millionen Franken benötigt – laufe weiter, so Bitzer. Bis Mittwoch muss der FC Wil zudem das Lizenzgesuch für die kommende Saison eingereicht haben. Dies wird der Club fristgerecht tun. Gesuchssteller wird nicht die angeschlagene FC Wil 1900 AG sein, sondern die FC Wil AG, die 2004 nach dem Abgang des Investors Igor Belanov saniert worden war.



 

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