FC Wil: Die türkischen Investoren sind wohl weg

FUSSBALL ⋅ Der FC Wil kommt nicht aus den Schlagzeilen. Der Club hat Spieler und Staff am Mittwochmorgen zum Krisengespräch geladen. Gemäss Medienberichten steigen die türkischen Investoren aus. Die Öffentlichkeit wird heute um 18 Uhr informiert.

Aktualisiert: 
08.02.2017, 12:00
08. Februar 2017, 10:39
Gemäss Informationen des Blick steigen die türkischen Investoren beim FC Wil aus.  Abdullah Cila sei untergetaucht. Was klar ist: Heute Mittwoch wurden sämtliche Mitarbeiter des Ostschweizer Fussballvereins zum Krisengespräch zitiert. "Wir treffen uns heute Mittwoch um 08.30 Uhr in der VIP Lounge", heisst es in der Mitteilung an das Personal. "Danach sprechen wir mit jedem Einzelnen von euch über seine aktuelle Situation. Dazu könnt ihr gerne euren Spielerberater oder eure Eltern dazu nehmen."

Die Nachricht wurde im Namen des Verwaltungsrats um Vizepräsident Roger Bigger verfasst. Kein einziger türkischer Name taucht noch im Schreiben auf. Bei der Sitzung heute morgen seien die Spieler gemäss Blick durch VR-Vizepräsident Roger Bigger informiert worden, dass man den Club retten wolle.

Auf Nachfrage gibt der Club keine weiteren Informationen preis. Mediensprecher Patrick Bitzer verweist lediglich auf die Einladung zur Medienkonferenz heute Abend um 18 Uhr in der IPG Arena.

Spielerberater rechnet mit Rückzug der Investoren

Ein Spielerberater, der einen Fussballer in Wil betreut, geht ebenfalls fest davon aus, dass der türkische Investor kurz vor dem Abgang steht. Er äussert sich grundsätzlich positiv über die für heute anberaumten Einzelgespräche zwischen dem Club und den Spielern. Es sei wichtig, dass der Club schnell reagiere und "Farbe bekenne". Werde für die Spieler eine Lösung gefunden – sei es eine Weiterverpflichtung bei tieferen Löhnen oder aber der Wechsel zu einem anderen Club – sei die Chance für den FC Wil da, einen Konkurs abzuwenden.

Ob bei einem Rückzug des Investors für alle Spieler eine einvernehmliche Lösung gefunden wird, ist hingegen fraglich. Viele hochdotierte Verträge laufen noch mehrere Jahre. Ob alle Spieler bereit sind, darauf zu verzichten? "Eine Klage würde nicht viel bringen", meint der Spielerberater. Das Geld sei bei einem Konkurs schliesslich auch verloren.

Von Anfang an wenig Vertrauen

Dem türkischen Industriellen Mehmet Nazif Günal war von Anfang an viel Skepsis entgegengeschlagen, als er 2015 den FC Wil übernahm. Mit hochtrabenden Champions-League-Ambitionen angetreten, verpflichtete die neue Führung teure Starspieler wie André Santos oder Johan Vonlanthen. Für Negativschlagzeilen sorgte sie mit fehlenden Arbeitsbewilligungen für Staff-Mitglieder und Hauruck-Übungen bei der Verpflichtung und Entlassung diverser Übungsleiter.

Vergangene Woche kam raus, dass der Verein die Löhne der Spieler nicht pünktlich bezahlt hat. Gewisse Gelder seien in der Türkei eingefroren, soll es als Begründung geheissen haben. Die Clubverantwortlichen beschwichtigten. Bei einer Auslands-Überweisung könnten die Gelder mit dem einen oder anderen Tag Verzögerung eintreffen. Der FC Wil sei nicht der erste Club, der erst am 4. oder 5. des Folgemonats bezahle.

Bei der Swiss Football League verfolgten die Verantwortlichen die Geschehnisse rund um den FC Wil aufmerksam. Sprecher Philippe Guggisberg hielt vergangene Woche fest, der Nachweis für die Begleichung der Januar-Löhne müsse bei der Liga bis Ende Februar eingehen. Das sei unter anderem relevant, um Wintertransfers tätigen zu können. Diese Regelung sei nach dem Konkurs des FC Biel eingeführt worden. (pab)
 

7 Leserkommentare

Anzeige: