Ein Punkt, aber noch immer keine Löhne

FC WIL ⋅ Die Situation beim FC Wil ist nach dem 0:0 beim Rückrundenstart daheim gegen Le Mont undurchsichtig. Die Januarlöhne waren auch am Samstag nicht überwiesen und die Spieler bekamen ein Redeverbot aufgebrummt.

04. Februar 2017, 22:16
Simon Dudle
Beim FC Wil interessieren dieser Tage die Geschehnisse neben dem Platz mehr als jene auf dem (Kunst-)Rasen. So erstaunte es nicht, dass bei Wind und Regen nur noch 580 grosszügig gezählte Zuschauer den Weg in die IGP Arena fanden – so wenige wie noch nie seit der Einweihung des neuen Stadions vor mittlerweile dreieinhalb Jahren.

Die gute Nachricht war, dass überhaupt gespielt wurde. Das ist insofern keine Selbstverständlichkeit, als dass die Januarlöhne auch am Samstag nicht überwiesen waren, wie Recherchen dieser Zeitung ergaben. Vizepräsident Roger Bigger sagte nach der Partie: «Die Situation ist gleich wie im Verlauf der Woche. Wir sind dran. Sobald es Neuigkeiten gibt, werden wir proaktiv kommunizieren» Mehr war ihm auch auf Nachfrage nicht zu entlocken.

Bedenken nicht aus dem Weg geräumt
Somit gab es am Samstagabend mehr Fragen als Antworten. Die wichtigste: Warum überweist Investor Mehmet Nazif Günal das Geld nicht, nachdem die Zahlungen zuvor während eineinhalb Jahren immer pünktlich erfolgt waren? Unbeantwortet blieb auch die Frage, ob die türkischen Investoren überhaupt noch zugegen sind. Günal, der in der vergangenen Saison regelmässig die Spiele besucht hatte, wurde auf der Haupttribüne genau so wenig gesichtet wie Verwaltungsrat Abdullah Cila, der lange als operativer Leiter galt und trotz fehlender Arbeitsbewilligung dem Spiel als Tourist hätte beiwohnen dürfen.

Interessiert hätte auch die Meinung der Spieler. Doch diese bekamen ein Redeverbot verordnet. Es war aber festzuhalten, dass das Matchblatt kaum überraschende Abwesenheiten aufwies. Erstaunlich war einzig, dass der 20-jährige Marvin Spielmann nicht zum Aufgebot gehörte, obwohl er in den Testspielen stets mit von der Partie war und der Verein zuletzt wiederholt hatte verlauten lassen, vermehrt auf junge Spieler setzen zu wollen. «Spielmann hat es leistungsbedingt nicht ins Kader geschafft», sagte Jan Wegmann von der Kommunikationsabteilung des FC Wil.

Es bleibt somit völlig offen, wie es um den Ostschweizer Challenge-League-Club steht. Die Befürchtungen, Günal könnte das Interesse verloren haben, wurden nicht widerlegt, sondern erfuhren durch die zurückhaltenden Aussagen Biggers und das verordnete Redeverbot der Spieler gar neuen Nährboden.

Beide verlängern die sieglose Serie
Keine hohen Wellen warf das Spiel selber, obwohl es eine Premiere mit sich brachte. Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte entführte Le Mont, das ab der kommenden Saison seine Heimspiele im Falle eines Verbleibs in der Challenge League auf der Lausanner Pontaise statt wie bisher Baulmes austragen wird, einen Punkt aus dem Bergholz. In sechs Anläufen zuvor hatten die Wiler ihre Heimspiele gegen die Waadtländer stets gewonnen. Für die Ostschweizer war es im zehnten Heimspiel der Saison schon das vierte 0:0.

Während Le Mont seit sechs Spielen ohne Sieg ist, wartet Wil schon seit sieben Partien auf einen Vollerfolg.
In einem ereignisarmen Spiel hatten die Gastgeber mehr von der Partie, fanden in der Offensive jedoch kein Rezept. Somit sind sie schon seit 319 Minuten ohne Torerfolg. Positiv festzuhalten war, dass mit dem 20-jährigen Pascal Huber ein Akteur aus dem eigenen Nachwuchs zum ersten Mal überhaupt in der Startformation der Wiler stand. Er liess, wie die ganze Verteidigung, kaum etwas anbrennen.
 
Wil – Le Mont 0:0
IGP Arena. 580 Zuschauer. – Sr: Hänni.

Wil: Deana; Nganga, Bühler, Ajeti, Huber; Stillhart, Mlinar; Vonlanthen, Lombardi (80. Karasausks), Bottani (71. Ozokwo); Fazli.

Le Mont: Favre; Rogulj, Tall, Marque, Titie; Ndzomo, Sessolo; Krasniqi (70. Epitaux), Mbobulu, Marazzi (84. Cortelezzi); Bengondo (65. Pimenta).

Bemerkungen: Wil ohne Stadelmann (krank), Keller, Schäppi (beide verletzt). Gjoshi (abwesend), Freid, Gomis und Spielmann (alle nicht im Aufgebot). Le Mont ohne Zambrella (gesperrt), Kostadinovic, Feuillassier (beide verletzt), Stoller, Ramcinovic, Savic, M. Roux (alle nicht im Aufgebot). – Verwarnungen: 22. Stillhart (Foul). 55. Titie (Foul).
 
Rangliste:
1. Zürich 18/48. 2. Xamax 18/36. 3. Wil 19/27. 4. Aarau 18/26. 5. Servette 18/25. 6. Le Mont 19/22. 7. Wohlen 18/22. 8. Chiasso 19/18. 9. Winterthur 19/18. 10. Schaffhausen 18/13

Leserkommentare

Anzeige: