"Ein Himmelfahrtskommando? Wir werden sehen"

WIL-TRAINER JACOBACCI ⋅ Er muss den FC Wil vor dem Abstieg retten und will dafür nicht einmal Lohn: Maurizio Jacobacci. Der neue Trainer der Äbtestädter über seine Mission und den Entscheid, gratis für Wil zu arbeiten.
28. März 2017, 18:16
Daniel Walt
Maurizio Jacobacci, sechs Niederlagen in Folge, drei Punkte Abzug durch die Liga, Abstiegskampf: Ihre Mission in Wil gleicht einem Himmelfahrtskommando. Weshalb tun Sie sich das an?
Ob es tatsächlich ein Himmelfahrtskommando ist, werden wir Ende Saison sehen. Für mich ist klar: Man kann viel aus einer Mannschaft herausholen, wenn sie versteht, was echtes Teamdenken ist. Ein Beispiel: Als ich vor über zehn Jahren den FC Baden übernommen habe, waren wir abgeschlagen Tabellenletzte. Durch eine grossartige Mannschaftsleistung konnten wir uns schliesslich in der Challenge League halten. Und es ist mir in jener Zeit sogar gelungen, Spieler herauszubringen, die schliesslich in der Super League oder bei einem besseren Verein in der Challenge League gelandet sind.

Wie ist Ihr Engagement beim FC Wil zustande gekommen, der am Dienstag seine Sanierung bekanntgeben konnte?
In der Zeit nach meiner Entlassung bei Wacker Innsbruck im vergangenen Herbst war ich mit anderen Dingen als Fussball beschäftigt - ich bin beispielsweise vor wenigen Tagen zum zweiten Mal Grossvater geworden. Für mich ist aber klar: Ich bin Trainer und wollte wieder als solcher arbeiten. Die Kontakte nach Wil waren seit der Saison 2005/2006, in der ich hier bereits einmal Coach war, nie abgebrochen.

  • Knapp vier Monate im Amt: Fuat Capa. Er war der erste Trainer in der Ära der Türken und wirkte von Juli bis Oktober 2015. Entlassen wurde er laut dem Verein, weil er sich in der türkischen Presse negativ über Schweizer Behördenentscheide geäussert hatte.
  • Auf Fuat Capa folgte Interimstrainer Philipp Dux (links) - er betreute die Wiler vom 24. Oktober 2015 bis zum 3. November 2015.
  • Acht Monate im Amt bei den Wilern war Kevin Cooper - klarer Rekord in den letzten zwei Jahren. Er wirkte von November 2015 bis zum Abschluss der Saison im Juni 2016. Dann musste er aus sportlichen Gründen gehen.

Beim FC Wil geben sich seit eindreiviertel Jahren die Trainer die Klinke in die Hand. Ein Überblick über sämtliche Übungsleiter bei den Äbtestädtern seit Sommer 2015.

Sie verzichten bis Ende Saison darauf, Lohn oder Spesen vom FC Wil zu erhalten, und leben von reduzierten Arbeitslosengeldern. Weshalb?
Zum einen kann ich mich wieder in der Schweiz als Trainer präsentieren - das ist auch eine Chance für mich. Zum anderen ist die Verbundenheit mit dem FC Wil seit meiner Zeit hier nach wie vor gross. Für einen anderen Club hätte ich so etwas möglicherweise nicht gemacht.

Wie wollen Sie im Hinblick auf das wegweisende Spiel am Samstag beim Tabellenletzten Winterthur den Schalter wieder umlegen bei Ihren Spielern?
Wir müssen stabiler werden und sowohl in der Defensive als auch in der Offensive gewisse Dinge korrigieren. Und dann geht es darum, im Training Emotionen zu wecken.

 

Leserkommentare

Anzeige: