Ein Club am seidenen Faden

FC WIL ⋅ Nach der leblosen Darbietung des FC Wil am Mittwochabend bei der 0:3-Niederlage in Schaffhausen wird die Situation immer verzwickter. Vereinspräsident Roger Bigger sagt, er überlege ganz grundsätzlich sein Engagement im Fussball.
02. März 2017, 11:19
Simon Dudle
Es war ein ganz bitterer Abend für den FC Wil. Hätten sich die Ostschweizer nicht auf einen starken Goalie Steven Deana verlassen können, wären sie beim Tabellenletzten in eine Kanterniederlage gelaufen. Auch ein 0:6 oder ein 0:7 hätte resultieren können. Wils Trainer Ronny Teuber wählte selbst im Interview auf der clubeigenen Homepage deutliche Worte: "Ich stelle fest, dass nicht alle an einem Strick ziehen. Ausser Deana haben nicht viele ihr Potenzial abrufen können. Das schadet uns, ist aber wohl auf die unsichere Situation zurückzuführen. Alle beschäftigen sich derzeit mit anderen Dingen als mit Fussball." Deana ergänzte: "Keiner weiss derzeit, wie es weitergeht. Trotzdem muss sich jeder hinterfragen. Wenn wir so weitermachen, sind wir voll im Abstiegskampf."

Die Spieler, die seit Ende Dezember keinen Rappen Lohn bekommen haben, wirkten entweder nicht motiviert oder blockiert. Die Art und Weise des Auftritts machte deutlich, dass in den nächsten Tagen eine Entscheidung fallen muss. Am Montag endet die fünftägige Nachfrist. Dann ist der letztmögliche Zeitpunkt, um ohne negative Konsequenzen, sprich Punktabzug, die Januarlöhne zu überweisen. Es macht wohl keinen Sinn, ohne Löhne weiterzumachen. Die Spieler können oder wollen das nicht mittragen.

Entscheidung könnte am Montag falllen
Just auf kommenden Montag ist zufälligerweise das nächste Meisterschaftsspiel gegen Aarau terminiert. Bis an jenem Abend um 23.59 Uhr muss der FC Wil gegenüber der Swiss Football League mittels Brief oder Mail bestätigen, dass er die Löhne bezahlt hat. Zudem müssen die Gelder für die Banküberweisung bis dann ausgelöst sein. Ob die Partie gegen die Aargauer überhaupt stattfindet, liess Präsident Roger Bigger am Mittwochabend offen. Gut möglich, dass die Entscheidung erst kurz vor dem Spiel fällt. Das wäre der Fall, wenn sich die Verhandlungen mit den Spielern weiter in die Länge ziehen beziehungsweise bis dahin mindestens ein Akteur auf das tiefere Lohnangebot verzichtet.

Bei der Wiler Task Force stellte man sich nach der Partie in Schaffhausen Grundsatzfragen. Manfred Raschle, eines der vier Mitglieder, fragte: "Wollen die Spieler überhaupt?" Bigger sagte einige Minuten später in eine Fernsehkamera: "Wenn die Spieler nicht wollen, dass der Verein am Leben bleibt, dann ist das ihre Entscheidung." Desillusioniert ergänzte er: "Ich überdenke derzeit grundsätzlich mein Engagement im Fussball. Ich habe in den vergangenen Wochen einfach zu viel erlebt. Am Ende werde ich meine Entscheidung treffen." Auf die Nachfrage, ob er sich einen Rücktritt überlege, sagte er: "Das habe ich nicht gesagt."

Alle diese Aussagen belegen: Der FC Wil hängt am seidenen Faden. Entweder gibt es in den nächsten Tagen eine Lösung, oder der Konkurs dürfte nicht mehr abzuwenden sein.
 

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