Knall beim FC Wil - die offenen Fragen

FUSSBALL ⋅ Nachdem der Ausstieg der türkischen Investoren beim FC Wil als sicher gilt, wird der Club heute um 18 Uhr an einer Medienkonferenz informieren. Interessieren werden vor allem folgende Fragen. Hier erste Anwortversuche.

08. Februar 2017, 16:01
Ralf Streule
Was passiert mit den Spielern?
Im Verlauf von heute laufen die Gespräche zwischen der FC-Wil-Leitung und den Spielern und deren Beratern. Geladen zur eigentlichen Rettungsaktion hat Vize-Präsident Roger Bigger, der als vormaliger Präsident hauptverantwortlich ist für den Clubverkauf 2015 an die türkische Führung. Er dürfte versuchen, mit den Spielern einvernehmliche Lösungen zu finden. Drei Möglichkeiten bestehen: Die Spieler finden bis zum Ende des Transferfensters in einer Woche (15. Februar) neue Teams. Sie spielen für tiefere Löhne (Die neuen Gehaltsangebote sollen neu nur noch etwa einen Drittel des bisherigen Lohnes betragen, wie aus den Gesprächen zwischen Spielern und Club an die Öffentlichkeit sickert.) Oder Möglichkeit drei: Die Spieler pochen auf ihre Verträge und fordern die hochdotierten Löhne ein. Wäre das so, hätte der Club ein Problem: Es würde der Konkurs drohen, wenn der Club den finanziellen Verpflichtungen mittelfristig nicht nachkommen kann.
 
Wer bezahlt die neu ausgehandelten Löhne?
Die Rede ist davon, dass Investor Mehmet Nazif Günal seinen Aktienanteil bereits innerhalb der Türkei weiter verkauft habe. Andere sprechen von einem Verkauf nach Frankreich. Dass ein allfällig neuer Besitzer die finanzielle Verantwortung übernimmt, ist aber nicht wahrscheinlich. So werden die Lohnzahlungen nach dem Abgang der MNG-Gruppe wohl von der vormaligen Führung um Roger Bigger organisiert und verantwortet werden müssen. Zwar ist theoretisch möglich, dass Investor Mehmet Nazif Günal gewisse Garantien hinterlegt hat und für einen Teil der Löhne noch aufkommen muss. Faktisch aber wird der Club wohl die Gelder auftreiben müssen.
 
Was, wenn die Spieler auf den Verträgen bestehen?
Die Möglichkeit, dass dies einige der bisher fürstlich bezahlten Spieler tun werden, ist da. Werden an den FC Wil hohe Forderungen gestellt, denen er nicht mehr nachkommen kann, droht der Konkurs. Bereits zuvor würde die Disziplinarkommission der Liga tätig, die Folge wären Bussen, Punkteabzüge oder die Lizenzverweigerung. Weil für die Spieler aber die Aussichten auf den Erhalt der ausstehenden Löhne klein sind, ist auch möglich, dass sich Club und Spieler finden. Einige Spielerberater sprechen davon, einvernehmliche Lösungen anstreben zu wollen.  
 
Weshalb überhaupt steigen die Türken aus?
Zu dieser Frage gibt es im Umfeld des Clubs mehrere Theorien. Die einfachste besagt, dass Günal schlicht die Lust am Club verloren hat, da die sportlichen Ziele bisher verpasst worden sind.  Der Auslöser könnte aber auch wirtschaftspolitischer Art sein. Als Anfang Februar bekannt wurde, dass die Januarlöhne beim FC Wil nicht bezahlt wurden, war seitens des Clubs von "eingefrorenen Konten" in der Türkei die Rede gewesen. Spekuliert wird nun, dass dies mit den politischen Wirren in der Türkei seit dem gescheiterten Militärputsch 2016 zu tun hat. Die türkische Lira hat Anfang Jahr ein neues Rekordtief erreicht. Die Regierung unter Recep Edogan, schon zuvor für rigide Aussenpolitik bekannt, dürfte Ausland-Investitionen immer kritischer gegenüberstehen. Günal gilt als regierungsnahe. Nicht zuletzt wird auch vermutet, dass die komplizierten baupolitischen Prozesse in der Schweiz die türkische Führung vergrault hat. Der von der MNG-Gruppe geplante Stadionausbau schritt nur langsam voran. Die Stadt bestand zuletzt auf einem neuen Verkehrskonzept, was vom Club als Schikane empfunden wurde. Die Stadt verschleppe den Prozess, hiess es beim FC Wil.
 

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