Deutlicher Wiler Sieg in chaotischem Spiel

FUSSBALL ⋅ Der FC Wil gewinnt eine bizarre Partie in Chiasso mit 4:0. Alle Tore fallen nach der Pause. Der Schiedsrichter schickt einen falschen Spieler vom Feld und sorgt für einen zehnminütigen Unterbruch. Das letzte Tor fällt in der 102. Minute.

25. September 2016, 00:21
Simon Dudle/CHIASSO
Fünf Minuten vor Schluss überschlugen sich im Riva IV die Ereignisse: Schiedsrichter Sébastien Pache schickte Chiassos Nikola Milosavljevic nach einem Foul an der Strafraumgrenze mit der gelb-roten Karte vom Feld. Jedoch war der Mittelfeldspieler der Tessiner zuvor nicht verwarnt worden. Der Spielleiter hatte wohl die Nummern 11 (Milosavljevic) und 17 (Daniel Kaufmann) in der Hitze des Gefechts verwechselt, da sich die Ziffern auf den Leibchen zum Verwechseln ähnlich waren. Kaufmann hatte nach knapp einer Stunde die gelbe Karte gesehen. Ein zehnminütiger Unterbruch war die Folge, weil Milosavljevic erstaunt in den Katakomben des Stadions entschwand. Erst als er zurück auf dem Feld war, konnte es weitergehen. Da der Schiedsrichter sein Malheur noch vor Wiederaufnahme der Partie feststellte, hatte alles seine Richtigkeit und sie dürfte aller Voraussicht nach mit 4:0 für Wil gewertet werden.

Einwechselspieler entscheiden die Partie
Diese Szene war der Höhepunkt eines Spiels, das eine Halbzeit lang ereignisarm war, dann aber kurzweilig und zunehmend gehässig wurde. Wils Trainer Martin Rueda durfte sich ein gutes Händchen attestieren lassen. Die beiden Einwechselspieler Jocelyn Roux und Erhan Yilmaz waren die entscheidenden Akteure. Noch keine zwei Minuten stand Roux auf dem Feld, als er eine Flanke von Mattia Bottani per Kopf zum Führungstreffer verwertete. Mitte zweiter Halbzeit war Yilmaz sieben Minuten auf dem Feld, als er aus beträchtlicher Distanz das 2:0 erzielte. Bei seinem harmlosen Versuch machte Chiassos Goalie Andrea Guatelli eine schlechte Figur.

Tor statt freier Samstag für Yilmaz
Damit war die Partie entschieden. Wegen des langen Unterbruchs brachte sie aber noch das Kuriosum mit sich, dass zweite weitere Tore in der 99. und der 102. Minute fallen konnten. Zuerst verwertete Roux eine Hereingabe von Yilmaz, womit die beiden Einwechselspieler erneut für einen Treffer hauptverantwortlich waren. Pikant: Yilmaz hätte eigentlich gar nicht dem Aufgebot angehören sollen. Da jedoch Sandro Lombardi erkrankte, erhielt der deutsch-türkische Mittelfeldspieler am Samstagmorgen um 7.05 Uhr die Kunde, doch mitreisen zu dürfen.

Das 4:0 ist der erste Wiler Sieg dieses Jahres jenseits einer Sprachgrenze. Zudem haben die Ostschweizer nun vier der vergangenen fünf Spiele gewonnen und sind immerhin erster Verfolger des Spitzentrios Zürich, Xamax und Aarau.
 
Chiasso – Wil 0:4 (0:0)
Riva IV: 400 Zuschauer. – Sr: Pache.
Tore: 47. Roux 0:1. 65. Yilmaz 0:2. 99. Roux 0:3. 102. Vonlanthen 0:4.
Chiasso: Guatelli; Ivic, Kaufmann, Lurati, Felitti; Padula (58. Regazzoni), Palma (68. Rauti), Milosavljevic, Urtic; Simic; Susnjar (68. Mujic).
Wil: Deana; Nganga, Papp, Korkmaz, Schäppi; Akin, Gomis (79. Stillhart); Ozokwo, Bottani (58. Yilmaz), Vonlanthen; Karasausks (46. Roux).
Bemerkungen: Chiasso ohne Fioravanti, Guarino, Gui (alle verletzt), Kandiah, Hiwat, Largotteria, Reymond, Abendini und Di Lauro (alle nicht im Aufgebot). Wil ohne Lombardi (krank), Keller, Freid, Gjoshi, Maroufi, Stadelmann (alle verletzt), Fazli, Huber, und Breitenmoser (nicht im Aufgebot).– 58. Bottani verletzt ausgeschieden. – Verwarnungen: 55. Kaufmann (Foul). 56. Palma (Foul). 72. Lurati (Foul). 72. Regazzoni (Unsportlichkeit). 72. Gomis (Foul). 85. Milosavljevic (Foul).
 
Rangliste:
1. FC Zürich 8/22. 2. Xamax 9/19. 3. Aarau 8/17. 4. Wil 9/14. 5. Winterthur 8/11. 6. Schaffhausen 8/10. 7. Le Mont 9/10. 8. Servette 8/7. 9. Chiasso 9/5. 10. Wohlen 8/4.
 

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