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Tagblatt Online
25. August 2016, 15:31 Uhr

Der nächste Knall in Wil

Der FC Wil löst den Vertrag mit Trainer Ugur Tütüneker per sofort auf. Gegen den Türken ist in seiner Heimat angeblich ein Haftbefehl erlassen worden. Er soll mit dem Militärputsch gegen Präsident Recep Erdogan in Verbindung stehen.

Ralf Streule

FUSSBALL. Wenige Wochen nach Saisonbeginn ist bereits der nächste Trainer des FC Wil Geschichte. Für den Türken Ugur Tütüneker dürfte die fristlose Entlassung aber derzeit das kleinste Problem sein. Gemäss Informationen aus türkischen Medien-Onlineportalen wird er von der türkischen Staatsanwaltschaft gesucht. Gegen den 53-jährigen ehemaligen Nationalspieler ist am Mittwochnachmittag demnach ein Haftbefehl erlassen worden. Er soll indirekt in den Militärputsch von Mitte Juli gegen den türkischen Präsidenten Recep Erdogan verwickelt gewesen sein.

Die türkische Führung des FC Wil reagierte in der Folge schnell, wie Verwaltungsrat Abdullah Cila am Mittwochabend mitteilte. «Wir haben die Meldung aus den Medien erfahren und danach sofort überprüft», so Cila, der seit vergangenem Herbst als operativer Leiter des FC Wil gilt. Als sich die Meldung bestätigt habe, sei die Entlassung sofort kommuniziert worden. «Wir hatten keine andere Wahl. Wir wollen uns schliesslich an die Regeln halten.» Wo sich Tütüneker derzeit aufhalte, wisse er nicht, so Cila.

Mitglied der Gülen-Gemeinde?
Tütüneker wird gemäss türkischen Medienberichten vorgeworfen, der Gülen-Gemeinde anzugehören. Die Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen wird von der türkischen Regierung für den Putschversuch gegen Präsident Erdogan verantwortlich gemacht.

Neben Tütüneker soll auch gegen die beiden ehemaligen türkischen Nationalspieler Arif Erdem und Ismail Demiriz ein Haftbefehl ausgestellt worden sein. Während demnach Demiriz in Istanbul festgenommen wurde, seien die beiden anderen im Ausland. Bereits kurz nach dem Putschversuch war auch gegen Hakan Sükür, den türkischen Rekordtorschützen, ein Haftbefehl erlassen worden. Er hatte vor drei Jahren die Partei des türkischen Regierungschefs Erdogan verlassen – Auslöser soll damals der Konflikt zwischen der Regierung und der Gülen-Bewegung gewesen sein. Sükür befindet sich gemäss türkischen Medienberichten derzeit im Exil in den USA.

Trainersuche beginnt bei null
Nach dem Türken Fuat Capa und dem Engländer Kevin Cooper ist Tütüneker damit bereits der dritte Trainer, der innerhalb eines guten Jahres – seit dem Einsteigen der türkischen Investoren – beim FC Wil entlassen wird. Tütüneker war auf die neue Saison hin eingestellt worden. Er legte, gemessen an den Wiler Ambitionen, mit fünf Punkten auf fünf Spielen und dem Cup-Aus bei Lausanne-Ouchy einen schwachen Start hin. Gemäss Cila war er jedoch aus sportlicher Sicht bisher nicht in Frage gestellt worden. Die Trainersuche beginne deshalb bei null. Für das kommende Spiel des FC Wil am Samstag in Wohlen wird laut Cila der neue Sportchef Roland Koch als Cheftrainer amten.

Der Start Tütünekers in Wil hatte zu reden gegeben, weil der Trainer die ersten Trainings im Bergholz angeblich noch ohne die nötigen Papiere absolviert hatte. Unterdessen sind die Bewilligungen eingetroffen. Dennoch ist gegen ihn bei der Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen ein Verfahren hängig.



Neuzuzug - Wil engagiert den Kroaten Frano Mlinar

Der FC Wil verstärkt sein Kader weiter. Vom spanischen Primera-Division-Club Granada wechselt Frano Mlinar in die Ostschweiz. Der 24jährige Kroate ist gemäss Mitteilung des FC Wil im Mittelfeld vielseitig einsetzbar. Mlinar begann seine Karriere beim kroatischen Club Dinamo Zagreb und spielte 98mal in der höchsten kroatischen Liga. 2013 wechselte er zu Udinese, von wo aus er ein Jahr später an Aarau ausgeliehen wurde. Dort war er eine Saison lang im Einsatz. Mlinar erhält bei Wil einen Einjahresvertrag mit Option auf Verlängerung um ein weiteres Jahr. (red.)



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diethelm (24. August 2016, 21:16)
Es ist fraglich,

ob ein Haftbefehl der Türkei im Zusammenhang mit dem versuchten Putsch rechtsstaatlichen Anforderungen genügt.

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GeorgRitter (24. August 2016, 19:53)
Einfach nur ungesetzlich und Unsinn.

Wenn der Verwaltungsrat eines Schweizer Unternehmens - das ist der Wiler Tschüttelerclub - sagt, das Unternehmen "halte sich an die Gesetze und habe keine andere Wahl", als einen Angestellten zu entlassen, der mit einem von der Schweiz nie und nimmer anerkannten türkischen Haftbefehl gesucht werde, erzählt er schlicht und ergreifend ungesetzlichen Unsinn. Der Angestellte kann wegen missbräuchlicher Kündigung klagen (was er natürlich in diesem Fall) nicht tut, und der Journalist hätte nachfragen und "bohren" können (was er leider nicht tut). Wieder einmal klar ist, dass gewisse Zeitgenossen, die in der Schweiz weilen und hier Geschäfte machen, die Gesetze anderer Länder aus Unwissen oder mit Absicht über die Schweizer Gesetze stellen.

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Retep14 (24. August 2016, 19:34)
Zinnbauer/Stübi

Grosse Bitte an die Verantortlichen des FC Wil: überbnimmt Stübi und Zinnbauer vom FCSG!!! Dann sind wird diese Fehlbesetzungen los!!!!

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doboke (24. August 2016, 18:17)
Never ending story

Obschon ggü der Rechtmässigkeit des Haftbefehls wohl deutliche Vorbehalte zu reklamieren sind, der FC Wil unterhält uns gut!

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vesche (24. August 2016, 17:43)
Erdogans Günstlinge

Man wird auch nicht einer der grössten Bauunternehmer in der Türkei wenn man kein Freund Erdogans ist.

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