Der FC Wil ist auch sportlich in der Schieflage

0:4-NIEDERLAGE GEGEN FCZ ⋅ Der arg ins Schlingern geratene FC Wil bleibt gegen den FC Zürich chancenlos und bezieht mit 0:4 die höchste Heimniederlage seit über zehn Jahren. Knapp zwei Drittel der Spieler haben tiefere Löhne akzeptiert.
18. Februar 2017, 23:23
Simon Dudle
Als wären die finanziellen Problem nicht schon genug, läuft es auch sportlich überhaupt nicht rund. Gleich mit 0:4 unterlagen die Ostschweizer dem souveränen Leader FC Zürich. Es war das achte Spiel in Serie ohne Sieg, womit der letzte Vollerfolg schon fast vier Monate zurückliegt. Seit 409 Minuten ist die Wiler Mannschaft ohne Torerfolg und in den letzten sieben Partien konnte nur ein Treffer bejubelt werden.
  • Wil-Fans in der IGP Arena.
  • Ein Mitarbeiter des FC Wils verlässt den Rasen während der Halbzeit.
  • Wiler Nachwuchsspieler entsorgen ein liegengelassenes Banner der Wiler Fans.

Im ersten Spiel nach dem Weggang von Investor Mehmet Nazif Günal haben die Wiler gegen Tabellenführer Zürich keine Chance und verlieren mit 0:4. (Bilder: Benjamin Manser)



Der FC Zürich war mindestens eine Schuhnummer zu gross. Zu Beginn hielten die Ostschweizer zwar gut mit und das Spielgeschehen einigermassen offen. Schon im Verlauf der ersten Halbzeit wurden die Gäste aber immer dominanter und gingen knapp vor der Pause in Führung. Einen Freistoss aus 18 Metern Distanz von Oliver Buff konnte Wils Goalie Steven Deana zwar noch spektakulär abwehren, allerdings fiel der Ball vor die Füsse von Neuzuzug Raphael Dwamena, der seinen ersten Treffer für die Zürcher erzielte.

Dünne Personaldecke in der Verteidigung
Damit war die Entscheidung im Prinzip bereits gefallen. Spätestens als Buff nach gut einer Stunde eine Flanke von Adrian Winter per Kopf zum 2:0 verwertete, war es um die Wiler definitiv geschehen. Die Gäste hatten fortan leichtes Spiel und kamen durch Mirlind Kryeziu und Winter noch zu zwei weiteren Toren. Die Wiler verloren so deutlich im Bergholz wie seit über zehn Jahren nicht mehr. Am 19. August 2006 hatte Chiasso als 5:0-Sieger den Wiler Süden verlassen. Erst seit kurzer Zeit Trainer bei Wil war damals Uli Forte, nun mit dem FC Zürich auf dem besten Weg zurück in die Super League.

Dieses 0:4 konnte die gut 3000 Zuschauer kaum überraschen. Gegen spielstarke Zürcher hatte Wils Trainer Ronny Teuber vor allem grosse Probleme in der Defensive zu lösen. Die Spielerdecke ist auf jener Position so dünn geworden, dass der pfeilschnelle Flügelspieler Nduka Ozokwo als Aussenverteidiger aufgestellt werden musste. Als sich der Nigerianer bereits Mitte erster Halbzeit verletzt abmeldete, musste Dylan Stadelmann einspringen. Dieser litt bis vor kurzem unter Pfeifferschem Drüsenfieber und trainiert erst seit dieser Woche wieder mit dem Team.

Liga will nächste Woche das Sanierungskonzept sehen
Auch betreffend Finanzen bleibt die Situation angespannt. Zwar haben mittlerweile fast zwei Drittel der Spieler die tiefer dotierten Verträge unterschrieben, womit die Probleme aber noch längst nicht gelöst sind. «Wir haben schon mit allen Spielern zwei- oder dreimal geredet. Einige haben wohl das Gefühl, wir seien gegen sie. Wir sitzen aber im gleichen Boot. Ich hoffe, dass ihnen die Augen aufgehen», sagte FC-Wil-Präsident Roger Bigger.

Kommende Woche muss der Verein gegenüber der Liga aufzeigen, wie er die Saison zu Ende zu spielen gedenkt. Bigger verneint jedoch die Vermutung, dass schon dann die Entscheidung falle, ob sich der FC Wil vorzeitig aus der Challenge League zurückzieht oder nicht. Die Chancen, dass die Sanierung zustande kommt, bezifferte das Vereinsoberhaupt mit 50 Prozent – also gleich hoch wie schon im Verlauf dieser Woche. «Wir geben nicht auf. Die Klippe ist allerdings sehr nahe», sagte Bigger. Tritt der FC Wil am kommenden Samstag auswärts gegen Xamax überhaupt noch an? «Ich hoffe es schwer. Wir arbeiten weiterhin Tag und Nacht, damit wir nächstes Wochenende spielen.»
 
Wil – Zürich 0:4 (0:1)
IGP Arena: 3020 Zuschauer. – Sr: Jaccottet.
Tore: 40. Dwamena 0:1. 62. Buff 0:2. 68. Kryeziu 0:3. 84. Winter 0:4.
Wil: Deana; Ozokwo (29. Stadelmann), Bühler, Ajeti, Huber; Stillhart, Mlinar; Vonlanthen (70. Fazli), Lombardi, Bottani (50. Maroufi); Roux.

Zürich: Vanins; Stettler, Nef, Kryeziu, Kempter; Yapi, Kukeli; Schönbächler (46. Winter), Buff (74. Koné), Rodriguez; Dwamena (66. Cavusevic).

Bemerkungen: Wil ohne Keller, Schäppi (beide verletzt). Freid, Gomis, Scholz, Latifi, Roesler und Breitenmoser (alle nicht im Aufgebot). Zürich ohne Brunner (gesperrt), Alesevic, Bangura, Kleiber, Sarr, Kecojevic, Voser (alle verletzt), Brecher, Muheim, Rohner und Aliu (alle nicht im Aufgebot). – 8. Tor von Dwamena annulliert (Offside). – 25. Pfostenschuss Schönbächler. – 27. Ozokwo verletzt ausgeschieden. – Verwarnung: 90. Kempter (Foul).
 
Rangliste:
1. FC Zürich 21/52. 2. Xamax 20/40. 3. Aarau 21/33. 4. Servette 20/31. 5. Wil 20/27. 6. Le Mont 21/25. 7. Wohlen 20/22. 8. Chiasso 20/18. 9. Winterthur 20/18. 10. Schaffhausen 19/14
 

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