Spielergewerkschafts-Präsident: "Eine Verzweiflungstat"

FC WIL ⋅ Das Outing der Wil-Spieler, die nicht für weniger Geld auflaufen wollen, kommt bei Lucien Valloni, Präsident der Schweizer Spielergewerkschaft SAFP, schlecht an. Für ihn ist eine rote Linie überschritten worden.
02. März 2017, 16:02
Patrick Baumann
Lucien Valloni, was halten Sie davon, dass Roger Bigger die Spieler öffentlich geoutet hat?
Das ist nicht zulässig und stellt eine Verletzung des Arbeitsvertrags dar. Der FC Wil als Arbeitgeber hat hier die Fürsorgepflicht gegenüber seinen Angestellten verletzt. Es liegt auf der Hand, was versucht wird. Der FC Wil will durch diese Massnahme den Druck auf die Spieler mit unzulässigen Mitteln erhöhen. Das ist keine professionelle Art, mit Arbeitnehmern umzugehen. Es scheint mir eine Verzweiflungstat zu sein.
 
Welche Möglichkeiten stehen den Spielern offen, um dagegen vorzugehen?
Die Bekanntgabe der Namen können wir nicht mehr verhindern. Wir überlegen uns jetzt aber, wie wir reagieren werden.
 
Könnten den Spielern daraus Nachteile bei der Suche nach einem neuen Verein erwachsen?
Das Ganze ist bei der allfälligen Suche nach einem neuen Verein sicher nicht vorteilhaft für die betroffenen Spieler. Die Spieler werden in gewisser Weise als Störenfriede dargestellt, obwohl sie nur auf einer Vertragserfüllung beharren. Das hat man in der Klubführung wohl nicht bedacht.
 
Ist die Spielergewerkschaft in den Fall FC Wil involviert?
Ja, wir vertreten viele Spieler gegenüber dem FC Wil. Wir stehen beratend zur Seite und unterstützen die Spieler. Entscheiden muss letztlich aber jeder für sich selbst.
 
Zu was raten Sie einem Spieler, der in einer solchen Situation zu Ihnen kommt?
Das kann ich jetzt nicht öffentlich sagen. Es wäre nicht opportun, mich dazu zu äussern.
 
Ist ein Outing der Spieler, welche die Unterschrift verweigern, nicht kontraproduktiv?
Das kann ich nicht beantworten. Sicher ist, dass der Zweck nicht jedes Mittel heiligt. Hier ist eine Grenze in einem nicht mehr akzeptablen Mass überschritten worden. 

Haben Sie überhaupt kein Verständnis für die Klubführung des FC Wil?
Ich habe Verständnis dafür, dass die Klubführung den Verein retten will, und ich respektiere diese Arbeit. Für das Outing der Spieler habe ich hingegen kein Verständnis. Ich verstehe aber auch die Spieler, die auf ihren Verträgen beharren. Diese individuellen Entscheidungen der Spieler gilt es zu respektieren, man hat sie schliesslich mit diesen Verträgen zum FC Wil gelockt.

FC Wil nimmt keine Stellung

Verletzte Fürsorgepflicht, Grenzüberschreitung: Tagblatt Online hat den FC Wil mit den Vorwürfen von Spielergewerkschafts-Präsident Lucien Valloni konfrontiert. Wie Präsident Roger Bigger erklärt, verzichtet der Verein aber darauf, die Vorwürfe zu kommentieren. (red.)


Leserkommentare

Anzeige: