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Tagblatt Online
25. August 2016, 09:58 Uhr
Analyse

Das Wiler Märchen wird zum Thriller

Ralf Streule

 Der FC Wil  liefert Stoff, mit dem ein Krimiautor mit etwas Phantasie problemlos einen Politthriller schreiben könnte. Da wird im beschaulichen Städtchen Wil ein Mann Trainer, der mit Recep-Erdogan-Gegner Fethullah Gülen und dem ehemaligen türkischen Superstar Hakan Sükür unter einer Decke stecken soll. Und das in einem Club, der seit gut einem Jahr von Mehmet Nazif Günal mit Geld versorgt wird; einem Milliardär, dem enge Kontakte zu Erdogan nachgesagt werden. Tütüneker, von dem derzeit niemand zu wissen scheint, wo er steckt, taucht in diesem Thriller vielleicht in der Schweiz unter, wo doch eigentlich bereits ein Strafverfahren gegen ihn läuft. – Zugegeben: Etwas simpel zugespitzt und vor dem Hintergrund der tragischen türkischen Politkrise nicht der Verulkung wert.

Dennoch: Es ist schon erstaunlich, was aus dem Märchen, das der damalige Präsident Roger Bigger im Sommer 2015 ankündigte, geworden ist. Und irgendwie scheint Wil das Unglück anzuziehen: 2002 flog die Affäre um Präsident Andreas Hafen auf, der Millionen von UBS-Franken in den Club steckte. 2003 brachte der ukrainische Investor Igor Belanov Unruhe, als er den Trainerstab wie seine Unterhosen wechselte.

Nichtsdestotrotz glaubte Roger Bigger ein gutes Jahrzehnt später trotz Warnungen daran, mit einem ausländischen Investor eine blühende Wiler Zukunft in der Super League heraufbeschwören zu können. Dieses Ansinnen ist bisher gescheitert – und es deutet wenig darauf hin, dass sich dies ändern könnte. Die aktuelle Entlassung mag logisch und unvermeidbar sein, die Führung des Clubs mag daran keine direkte Schuld tragen. Und dennoch zeigt sie, welchen Kräften ein Verein ausgeliefert ist, wenn er alles aus den Händen gibt. Diese Kräfte hat man vor einem Jahr unterschätzt. Den Weg zurück gibt es nicht. Zumindest nicht den schmerzfreien.

ralf.streule@tagblatt.ch
 


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