Club der vielen Fragezeichen

INVESTOREN-ABGANG ⋅ Während der FC Wil den Scherbenhaufen zusammenschaufelt, bleiben viele Fragen offen. Doch einige sind wohl geklärt: Das Nachwuchsprojekt scheint gesichert, das Heimspiel gegen Zürich ebenfalls.
11. Februar 2017, 14:51
Ralf Streule

Ralf Streule

Dem FC Wil versinkt nach dem Ausstieg des türkischen Investors Mehmet Nazif Günal im Chaos. Eine Klage der Liga steht an. Der Club versucht, mit allen 70 Mitarbeitern Verträge mit tieferen Gehältern zu unterzeichnen. Und der Streit mit der Stadt verschärft sich. Der Stand der Dinge, zusammengefasst in acht Fragen.

Wie viele Mitarbeiter haben neue Löhne akzeptiert?

Gestern seien weitere Einigungen dazugekommen, sagt Patrick Bitzer, Sprecher des Clubs. Rund zehn Spieler dürften darunter sein. Mit weiteren Einigungen sei zu rechnen. Ercüment Sahin, der seit vergangenem Sommer als Assistenztrainer angestellt ist, sagt zum Beispiel: «Ich werde bleiben. Der Club hat Priorität, die Konditionen spielen in dieser schwierigen Situation für einmal keine Rolle.»

Stehen ehemalige Akteure auf der Lohnliste des FC Wil?

Ja. «Rund ein Dutzend», heisst es beim Club. Unter anderem ist Trainer Martin Rueda, der im Herbst an der Seitenlinie stand, noch bis im Sommer offiziell Lohnbezüger – obschon seitens des Clubs im Dezember von einer «Vertragsauflösung» gesprochen worden war. Auch mit ihm wurden in den vergangenen Tagen Gespräche geführt. Er sagt: «Ich möchte mithelfen, dem Verein zu helfen. Aber der Vertrag muss auch für mich stimmen.»

Wem gehört der FC Wil?

Der vormalige Hauptaktionär Mehmet Nazif Günal hat sein Aktienpaket von 78 Prozent weiterverkauft – womöglich, um sich nach seinem schnellen Abgang aus der Verantwortung zu ziehen. Der neue Besitzer, der dem Club bekannt sei, ist laut Bitzer illiquid, weshalb der neue Verwaltungsrat des FC Wil um Roger Bigger damit rechnet, dass er volle Handlungsfähigkeit besitzt. Die Disziplinarkommission der Swiss Football League wird aber laut «Blick» wohl ein Verfahren eröffnen. Die Reglemente wurden verletzt, da ein Weiterverkauf eines Clubs die Einwilligung der Liga voraussetzt. Die Lizenzeingabe für 2017/18 will der Club im März unter einer neuen Gesellschaft machen. Ob dies rechtlich auch wirklich möglich ist, sei aber offen, beurteilen juristische Beobachter.

Wie geht der Streit mit der Stadt weiter?

Die Vorwürfe des FC Wil, dass die Stadt die Planung des Stadionausbaus verschleppt und so die türkischen Investoren womöglich vergrault habe, wurden von den Behörden zurückgewiesen. Dennoch wird die Rolle der Stadt wohl genauer unter die Lupe genommen. Die SVP der Stadt Wil fordert in einer Interpellation die «schonungslose Aufklärung der Ursachen».

Was meint der bisher grösste Wiler Exportschlager?

Hoffenheim-Verteidiger Fabian Schär, derzeit wegen einer Verletzung zurück in der Ostschweiz: «Wil ist mein Heimatverein, von Klein auf habe ich hier gespielt. Natürlich bin ich traurig, wie das hier lief. Doch auch wenn ich sporadisch noch Kontakt mit ehemaligen Spielerkollegen wie zum Beispiel Sandro Lombardi habe: Sehr nahe beim Club bin ich nicht mehr, als dass ich das Geschehen genau beurteilen könnte.»

Schiessen die Verwaltungsräte selber Geld ein?

«Selbstverständlich!», lässt Präsident Roger Bigger im Namen des Verwaltungsrats verlauten. Zahlen werden nicht genannt. Dem Vernehmen nach verdienten die Hauptaktionäre beim Verkauf der Aktien 2015 an Günal Geld – das nun wieder in den Club zurückfliessen könnte.

Wie geht es weiter mit dem Nachwuchsprojekt FCO?

Das Nachwuchsprojekt ist nicht gefährdet, erklärt FC-St.Gallen-Präsident Dölf Früh. «Es könnte ohne den FC Wil weitergeführt werden.» Wie dies im Detail aussehen würde, lässt er offen. Er hoffe, dass der Verein sich retten könne. Sollte der FC Wil auch kommende Saison in der Challenge League spielen, sei man weiter bereit, eine enge Zusammenarbeit zu führen – etwa Talente beim FC Wil aufzubauen.

Findet das Heimspiel gegen Zürich statt?

Ja, sagt Bitzer. Höchstens ein Spielerstreik könnte die Partie von heute in einer Woche gefährden. Dazu gebe es aber keine Anzeichen. Die Spieler machten den Eindruck, zusammenstehen zu wollen.


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