Kommentar

Chaos selber angerichtet

09. Februar 2017, 06:20
Ralf Streule
Nun ist er da, der grosse Knall in Wil. Der türkische Investor Mehmet Nazif Günal hat sich vergangene Woche vom Challenge-League-Club zurückgezogen. Die neue alte Führung um Roger Bigger steht vor einem Scherbenhaufen und versucht zusammenzuhalten, was zusammenzuhalten ist. Der Spielbetrieb soll aufrechterhalten, Gelder sollen aufgetrieben werden. In der Schuldfrage brachte der Verwaltungsrat gestern eindeutige Hinweise an, schoss Giftpfeile in Richtung Stadt Wil und beschwerte sich über den stillosen Abgang des Investors.

Nicht vergessen werden darf, dass ebendieser Verwaltungsrat die Hauptverantwortung für das Desaster trägt. Dass man dem Investor 2015 den roten Teppich ausbreitete, wirkt nicht erst im Nachhinein blauäugig. Die kulturellen Unterschiede wurden unterschätzt. Hoch anzurechnen ist dennoch, wie die Verantwortlichen nun hinstehen. Die Verwaltungsräte Roger Bigger und Maurice Weber sollen aus dem Privatvermögen Geld einschiessen, um den Club zu retten. Die edle Geste kann auch als Pflicht gegenüber dem Club und sich selber betrachtet werden. Denn sollte der FC Wil Konkurs gehen, wird nicht die MNG-Gruppe, sondern der Schweizer Verwaltungsrat als Totengräber in die Clubgeschichte eingehen.


ralf.streule@tagblatt.ch

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