Der FC Wil kämpft gegen den Bankrott

DIE TÜRKEN SIND WEG ⋅ Die Träume des FC Wil vom Aufstieg in die Super League und Auftritten auf der europäischen Bühne dank türkischer Millionen sind zerplatzt: Grossinvestor Mehmet Nazif Günal hat sämtliche Zahlungen per sofort eingestellt. Jetzt kämpft der Verein ums nackte Überleben.
Aktualisiert: 
08.02.2017, 19:00
08. Februar 2017, 19:57
Daniel Walt
Als vor einigen Tagen bekannt wurde, dass Spieler und Angestellte des FC Wil auf ihre Januarlöhne warten, beschwichtigten die Verantwortlichen des Clubs zunächst. Es sei nicht aussergewöhnlich, dass Vereine die Löhne erst am 4. oder 5. des Folgemonats auszahlten, hiess es. Nun, am 8. Februar, musste Vizepräsident Roger Bigger der Öffentlichkeit im Rahmen einer Medienkonferenz reinen Wein einschenken: Die türkischen Investoren rund um Multimilliardär Mehmet Nazif Günal haben sich per sofort von ihrem Engagement beim FC Wil zurückgezogen.

Ausgaben müssen drastisch sinken
Vor einigen Tagen habe ihn die Nachricht erreicht, dass alle türkischen Verwaltungsräte per sofort zurückgetreten seien, sagte Roger Bigger vor zahlreichen Medienvertretern in der IGP Arena. Er sprach von einem "traurigen Tag“. Alle Zahlungen seien eingestellt, die Darlehen gekündigt worden.

Die bittere Folge: Der FC Wil muss nun Geld auftreiben, um den Spielbetrieb in der Challenge League aufrecht zu erhalten. Die Verantwortlichen machten deutlich, dass dies nur mit einer Senkung der für Challenge-League-Verhältnisse weit überdurchschnittlichen Ausgaben gehe. Deshalb wurden bereits mit sämtlichen 70 Angestellten des Clubs Gespräche geführt. Zu Fragen, ob insbesondere teure Spieler bereit seien, auf Bezüge zu verzichten oder allenfalls zu einem anderen Verein zu wechseln, gaben sich die Verantwortlichen vorerst bedeckt.
 
Enttäuschung über die Türken
Roger Bigger und seine Schweizer Verwaltungsratskollegen zeigten sich massiv enttäuscht über das Vorgehen der türkischen Investoren. Sie hätten sich zumindest Erklärungen erhofft, weshalb  sich die Türken so plötzlich von ihrem Engagement in Wil zurückzogen. Vermutungen gibt es: Wiederholt erwähnten die Verantwortlichen die Steine, die ihnen die Stadt Wil beispielsweise bei der geplanten Erweiterung des Stadions in den Weg gelegt habe. Auch die politische Situation in der Türkei nach dem Putschversuch gegen Staatschef Erdogan habe dem FC Wil sicher nicht in die Hände gespielt, sagte Roger Bigger.

Wenn nötig die Reissleine ziehen
Roger Bigger und seine Schweizer Verwaltungsratskollegen verteidigten den Entscheid, den FC Wil im Sommer 2015 in türkische Hände gegeben zu haben. Bei Mehmet Nazif Günal handle es sich um einen milliardenschweren Unternehmer, der seinen Verpflichtungen zuvor immer nachgekommen sei, hielten sie fest. Sie verwiesen zudem auf die Tradition des FC Wil: Es müsse alles getan werden, um dem Verein eine Zukunft zu sichern. Gleichzeitig machte Roger Bigger aber auch klar, dass man die Reissleine ziehen und den Spielbetrieb einstellen werde, wenn man sehe, dass die Rettung des Clubs aussichtslos sei.   

Lesen Sie die Medienkonferenz nochmals in unserem Liveticker nach:


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