Aufatmen in Wil: Der Krisenclub ist gerettet

NEUE GELDGEBER ⋅ Der FC Wil hat zumindest bis Ende Saison eine Zukunft in der Challenge League. Regionale Geldgeber haben durch ihre Finanzspritzen das sofortige Aus des Vereins verhindert. Neu-Trainer Maurizio Jacobacci erhält vom Verein für sein Engagement bis Ende Saison keinen einzigen Franken.
Aktualisiert: 
28.03.2017, 16:00
28. März 2017, 15:39
Daniel Walt
48 Tage mussten die Fans des FC Wil hoffen und bangen. 48 lange Tage, in denen die Zukunft ihres Lieblingsclubs auf Messers Schneide stand. Hintergrund: Nach rund eineinhalb Jahren hatten die türkischen Geldgeber, die aus dem Provinzclub aus der Äbtestadt einen Spitzenverein machen wollten, die Lust an ihrem Spielzeug verloren. Sie zogen sich Knall auf Fall zurück. Nun konnten die Clubverantwortlichen um Präsident Roger Bigger an einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz Entwarnung geben: Der laufende Spielbetrieb ist gesichert.
  • Knapp vier Monate im Amt: Fuat Capa. Er war der erste Trainer in der Ära der Türken und wirkte von Juli bis Oktober 2015. Entlassen wurde er laut dem Verein, weil er sich in der türkischen Presse negativ über Schweizer Behördenentscheide geäussert hatte.
  • Auf Fuat Capa folgte Interimstrainer Philipp Dux (links) - er betreute die Wiler vom 24. Oktober 2015 bis zum 3. November 2015.
  • Acht Monate im Amt bei den Wilern war Kevin Cooper - klarer Rekord in den letzten zwei Jahren. Er wirkte von November 2015 bis zum Abschluss der Saison im Juni 2016. Dann musste er aus sportlichen Gründen gehen.

Beim FC Wil geben sich seit eindreiviertel Jahren die Trainer die Klinke in die Hand. Ein Überblick über sämtliche Übungsleiter bei den Äbtestädtern seit Sommer 2015.

Lohneinbussen und neue Geldgeber
Es seien regionale Geldgeber gefunden worden, welche an die Sanierung beigetragen hätten, konnte Roger Bigger am Dienstagnachmittag in der Business Lounge der Wiler IGP Arena vermelden. Da viele Spieler beziehungsweise Angestellte bereit waren, tiefer dotierte Verträge zu unterzeichnen, konnten die Kosten gesenkt werden. Damit steht laut den Verantwortlichen fest, dass der FC Wil die laufende Saison zu Ende spielen wird. Auch in Bezug auf die kommende Saison gaben sich die Clubbosse optimistisch: Auf Basis eines Budgets von 2,5 Millionen rechnen sie mit dem Erhalt der entsprechenden Lizenz.

Rätselraten um Identität der Investoren
Zur Frage, wer die regionalen Geldgeber sind und wie viel Geld sie einschiessen, schwiegen Roger Bigger und sein Verwaltungsratskollege Maurice Weber trotz mehrfacher Nachfragen der Medienschaffenden beharrlich. Es sei Stillschweigen vereinbart worden, die Geldgeber wollten nicht öffentlich in Erscheinung treten, wurde argumentiert. Betont wurde einzig, dass die Abstützung des Vereins breit sei - nicht einmal die Anzahl der Geldgeber wurde bekannt gegeben.

Nach der finanziellen auch die sportliche Rettung?
Dafür konnten die Verantwortlichen des FC Wil informieren, dass die bisher noch ausstehenden Februar- und Märzlöhne noch diese Woche ausbezahlt werden. Die Gelder dürften eine Moralspritze für die krisengebeutelte erste Mannschaft sein, welche die sechs letzten Partien allesamt verloren hat. Die Verantwortlichen zeigen sich denn auch überzeugt, dass das Team von nun an wieder ein anderes Gesicht zeigen wird - das nächste Mal bereits am kommenden Samstag im Abstiegsschocker beim Tabellenletzten aus Winterthur.

Mit Maurizio Jacobacci wird bei den Wilern dann ein neuer Trainer an der Seitenlinie stehen. Bleibt der erhoffte Effekt aus und verlieren die Wiler wieder, geraten sie in akute Abstiegsgefahr. Dies unter anderem wegen eines von der Liga ausgesprochenen Abzugs von drei Punkten - der allerdings noch nicht rechtskräftig ist und den der FC Wil anfechten will.

Generöse Geste Jacobaccis
Wie Roger Bigger nach der Medienkonferenz gegenüber Tagblatt Online erklärte, läuft Jacobaccis Vertrag vorderhand bis Ende Saison. Nach seiner Entlassung bei Wacker Innsbruck im vergangenen Herbst verzichtet Jacobacci laut Bigger für die Monate März, April und Mai nun auf einen Teil seines Arbeitslosengeldes - ohne vom FC Wil einen Franken Entschädigung oder Spesen zu erhalten, wie Bigger sagt. Zum einen sei das Engagement beim FC Wil eine Chance für Jacobacci, sich wieder in der Schweiz zu zeigen, erklärt der Wil-Präsident. Zum anderen wolle Jacobacci damit seinen Teil an die Sanierung beitragen - als Dank für die Saison 2005/2006, in welcher er die Wiler bereits einmal trainierte.

Lesen Sie die Medienkonferenz nochmals im Ticker nach:


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