FCSG-Kolumne: 08. Februar 2010, 17:36

Warum wir den Fussball so gerne haben

FOOT, FOOTBALL, SUPER LEAGUE, NATIONALLIGA A, NLA, LNA, FC ST. GALLEN, FCSG, FC AARAU
Jagnes Matchstory war besonders anregend. Bild: Keystone

Bald soll in den Super-League-Stadien nur noch Light-Bier ausgeschenkt werden. Zum Saisonbeginn gab es in der AFG-Arena bereits faden Light-Fussball und drei Punkte zum billigen Budget-Preis.

Fredi Kurth
«Warum tue ich mir das immer wieder an?» Es war im vergangenen Herbst, als sich ein Jungendfreund nach dem bescheidenen 1:1 gegen Sion derart entsetzte. Ich weiss nicht, ob er sich dieselbe Frage am letzten Samstag wieder gestellt hat. Ich weiss nicht einmal, ob er überhaupt zum Spiel erschienen ist. Möglicherweise hat das Resultat ihn milde gestimmt, möglicherweise auch die Tatsache, dass der FC St.Gallen bei einem Chancenverhältnis von 7:2 deutlich weniger schwächelte als der FC Sion. Bei der gebotenen Fussballkost indessen hätten früher Fussballjournalisten ihrem Zynismus freien Lauf gelassen. Darauf möchte ich in an dieser Stelle in Anbetracht des frühen Saisonfortschritts verzichten, zumal es auf die Frage meines Kollegen ein paar einleuchtende Antworten gibt.

Warum tun wir das uns immer wieder an? Da war diesmal natürlich die spannende Frage, wie sich die neuen Spieler einfügen würden. Dass Vailati den Kampf um die Nummer 1 gewonnen hatte, gab der Trainer im Voraus bekannt. Auch Imhofs Nominierung im defensiven Mittelfeld überraschte nicht. Der Rückkehrer aus Bochum stabilisierte das Team in einem seit der Verletzung Muntwilers sensiblen Mannschaftsteil (obwohl Nachwuchshoffnung Lang einen gut Job tat). Ob dieser Eindruck anhält, bleibt abzuwarten. Sion war offensiv derart harmlos, dass ich vergass, ab der 90. Minute die Nachspielzeit zu messen – noch nie in dieser Saison war ich mir so sicher, dass nichts mehr anbrennen würde. Weiter interessant: Nushi wechselte auf rechts, Pa Modou Jagne erhielt links den Vorzug. Zé Vitor, im Herbst lange Zeit eine der treibenden Kräfte über die Aussenposition, blieb Ersatz über die ganze Spieldauer.

Ein Spiel, viele Geschichten
Stichwort Jagne. Er gab am Samstag eine weitere Antwort, warum wir immer wieder gerne ins Stadion gehen, auch wenn gelegentlich wenig geboten wird: Jeder Fussballer erlebt in den 90 Minuten seine eigene persönliche Geschichte, wobei wir uns dann natürlich vor allem auf die eigene Mannschaft konzentrieren. Ist Zellweger heute in Form, läuft es ihm rund oder hat er Pech? Wie kommt Koubsky mit dem Ball zurecht? Ist er «nur» defensiv stark, oder findet ein Zuspiel auch wieder mal den Adressaten? Wird Nushis Eifer belohnt? Trifft er aufs Tor oder gerät die Flanke in den Espen-Block? Ist Frei Torschütze, wenn er weit vorne eingesetzt wird und allein auf den gegnerischen Torhüter zuläuft? Sein erst zweites Saisontor erzielte er am Samstag souverän.

Ja Jagne, er liess uns während seinen 70 Minuten an einer besonders anregenden Story teilnehmen. Wie machte er doch der Sion-Abwehr zu schaffen. Locker den Ball annehmend, kaum von ihm zu trennen, unvermittelt antretend und schiessend – und wie musste er handkehrum büssen: Wie oft lag er am Boden, weil er immer wieder vom Gegner getreten wurde..

Light-Pyros und Budget-Punkte
Vailatis persönliche Geschichte wickelte sich mehrheitlich ausserhalb der 94 Minuten ab. Er wurde von den Sion-Fans verabschiedet, wie ich es von Auswärtsfans noch nie gesehen habe. «Grazie Vailati» stand auf einem Spruchband. Sein Name wurde in einzelnen Buchstaben gezeigt. Nach dem Match kam er nicht umhin, vor dem Sion-Fancorner ein Geschenk entgegenzunehmen. Um Missverständnissen vorzubeugen, skandierten die Walliser fast gleichzeitig in heftigen Wiederholungen: «Scheiss St-Gall, scheiss St-Gall». Faszinierende Walliser Zweisprachigkeit. Die St.Galler Anhänger hielten sich zurück, zündeten nach der Pause ein paar Light-Pyros, während sich die St.Galler nach dem neunminütigen Startfurioso die drei Punkte zum Budget-Preis eines minimen Aufwandes abholten.

Der eingangs erwähnte Jugendfreund von mir heisst Reto Ludwig. Er organisiert jeweils in St.Gallen die Country-Night. Wir sind im gleichen Haus aufgewachsen und haben als höchstens Fünfkäsehoch zusammen auf dem Espenmoos den ersten Fussballmatch besucht. Das war im Frühjahr 1959. Brühl spielte wie St.Gallen in der 1. Liga und war damals auf dem Espenmoos zu Gast, weil die alte Holztribüne auf dem Krontal (heute Paul-Grüninger-Stadion) abgebrannt war. Brühl mit Spielertrainer Erich Haag gewann gegen Mendrisio 5:0. Eine Woche später hatten wir Lust, uns auch einmal den FC St.Gallen anzuschauen. Als wir zur Pause nach Hause rennen wollten, stellten wir überrascht fest, dass die Zuschauer auf den Rängen stehen blieben. Wir erkundigten uns und erfuhren, dass ein Fussballspiel aus zwei Halbzeiten besteht. Das erste Mal waren wir zufällig in der Pause erschienen, und es hatte noch 0:0 gestanden.

Ich denke, die Liebe zum Fussball ist bei den meisten tief in der Jugend verwurzelt. Und auch wegen solcher Geschichten tun wir ihn uns immer wieder gerne an.



Share
« zurück
1 Kommentare Beitrag kommentieren
von mercator
14.02.2010 16:59 Uhr

....bewundernswerter Fredi Kurth....

Kann auf ähnliche Erlebnisse, wie er sie aus der Fussballsteinzeit schildert, zurückgreifen. Mir ist allerdings der Glaube an die Schönheit des Fussballspiels - eben und geradewegs - wegen den sich mehrenden Ausschreitungen an Fussballmachtes abhanden gekommen. Vielleicht sieht man das nicht mehr, wenn man nur lange genug an das Gute denkt. Dabei wäre es so einfach, die Hauptursache der sich wiederholenden Randale vom Hals zu schaffen: der Videobeweis ! Solange dieses Instrument dem Unparteiischen entzogen bleibt, gehe ich davon aus, dass es den Fussballunverantwortlichen nicht zuletzt darum geht, u.a. mit Massenschlägerein und Polizeiaufgeboten das Tagesgespräch der Gesellschaft zu dominieren.


Um Inhalte kommentieren zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren!
Copyright © St.Galler Tagblatt AG
Alle Rechte vorbehalten. Eine Weiterverarbeitung, Wiederveröffentlichung oder dauerhafte Speicherung zu gewerblichen oder anderen Zwecken ohne vorherige ausdrückliche Erlaubnis von www.tagblatt.ch ist nicht gestattet.
Anzeige

FCSG-Kolumne
_UJA8977.jpg
Gegentribüne – die Saison mit dem FC St.Gallen

Tagblatt-Redaktor Fredi Kurth bleibt auch nach dem Aufstieg am Ball. Denn die Herausforderung Super League verspricht viele reizvolle Themen. ... »

Super League, 24. Runde
13.03.10 Aarau - Zürich 1:3 (1:1)
13.03.10 Bellinzona - Xamax 3:2 (0:2)
14.03.10 GC - St. Gallen 2:1 (1:0)
14.03.10 Luzern - Basel 0:1 (0:1)
14.03.10 YB - Sion 1:0 (0:0)


R Mannschaft Sp S U N G:E P
1. YB 24 17 2 5 50:28 53
2. Basel 24 15 4 5 54:31 49
3. Luzern 24 11 5 8 42:34 38
4. GC 22 11 2 9 39:30 35
5. St. Gallen 24 9 6 9 36:32 33
6. Zürich 23 8 7 8 37:33 31
7. Sion 23 8 7 8 33:36 31
8. Xamax 24 8 7 9 39:35 31
9. Bellinzona 24 5 3 16 33:67 18
10. Aarau 24 2 5 17 22:59 11

Super League, 25. Runde
20.03.10 17:45 Sion - Luzern
20.03.10 17:45 YB - GC
21.03.10 16:00 Xamax - Aarau
21.03.10 16:00 St. Gallen - Basel
21.03.10 16:00 Zürich - Bellinzona
Anzeige
Challenge League, 20. Runde

13.03.10 Yverdon - Locarno 5:0 (2:0)
13.03.10 Le Mont - Nyon 1:2 (0:2)
13.03.10 Thun - Lausanne 2:0 (0:0)
14.03.10 Lugano - Schaffhausen 4:2 (3:0)
14.03.10 Vaduz - Servette 1:2 (1:1)
14.03.10 Wil - Winterthur 0:0 (0:0)
15.03.10 Biel - Wohlen 1:0 (0:0)

18.03.10 18:45 Gossau - Kriens

Nachtragsspiele 16. Runde:
16.03.10 19:45 Winterthur - Lausanne
16.03.10 19:45 Le Mont - Thun

R Mannschaft Sp S U N G:E P
1. Lugano 20 13 5 2 47:16 44
2. Thun 19 12 3 4 44:19 39
3. Vaduz 19 8 6 5 33:26 30
4. Yverdon 20 8 6 6 37:23 30
5. Biel 19 8 5 6 40:26 29
6. Winterthur 19 7 7 5 37:34 28
7. Lausanne-Sport 19 6 8 5 21:21 26
8. Wil 20 6 8 6 27:25 26
9. Kriens 19 5 9 5 28:26 24
10. Schaffhausen 19 6 6 7 28:37 24
11. Servette 20 5 9 6 30:30 24
12. Locarno 19 5 8 6 30:37 23
13. Stade Nyonnais 20 5 5 10 20:41 20
14. Wohlen 18 5 3 10 28:38 18
15. Le Mont 18 5 2 11 21:37 17
16. Gossau 18 2 4 12 13:48 10

Challenge League, 21. Runde

19.03.10 19:45 Locarno - Lugano
20.03.10 17:30 Wohlen - Yverdon
20.03.10 18:30 Lausanne - Vaduz
20.03.10 19:30 Servette - Biel
21.03.10 14:30 Winterthur - Le Mont
21.03.10 14:30 Schaffhausen - Gossau
21.03.10 15:00 Nyon - Thun
22.03.10 20:10 Kriens - Wil

News & Transfers
Milaim Rama bleibt ein Thuner
Ex-Internationaler bleibt im Berner Oberland

FUSSBALL. Der ehemalige Internationale Milaim Rama hat seinen Vertrag beim Challenge-League-Klub Thun verlängert.... »

Paolo Guerrero
Guerrero flog wieder

FUSSBALL. Paolo Guerrero vom Hamburger SV ist mit über zweimonatiger Verspätung in Deutschland eingetroffen.... »

Diarra (vorne) geht nach China
Luzern-Verteidiger nach China

FUSSBALL. Luzerns Verteidiger Boubacar Diarra wechselt per sofort zum chinesischen Verein Liaoning Hongyuen.... »

Anzeige
Anzeige

News & Transfers
Davide Lanzafame
Sperre für fluchenden Spieler und Trainer

FUSSBALL. Die Serie A verzeichnet die ersten Spielsperren wegen schlechten Benehmens.... »

Hannu Tihinen
FCZ-Leistungsträger muss gegen YB passen

FUSSBALL. Hannu Tihinen leidet seit Anfang Woche an einer starken Grippe und muss das Bett hüten.... »

Ronaldo will nach seinem Rücktritt Corinthians als Berater erhalten bleiben
Ronaldo kündigt Rücktritt an

FUSSBALL. Ronaldo will seine Karriere nächstes Jahr beenden.... »

Mobulu M\'Futi stürmt ab sofort für den FC Aarau
M'Futi leihweise zu Aarau

FUSSBALL. Der FC Aarau kann im Abstiegskampf auf einen weiteren Stürmer zurückgreifen.... »

Alex Frei wird auf der Bahre abtransportiert
Alex Frei rund zwei Monate out

FUSSBALL. Der FC Basel und die Schweizer Nationalmannschaft müssen sechs bis acht Wochen auf Alex Frei verzichten. Der Stürmer zog sich im ASL-Spiel gegen Aarau (2:1) am Samstag einen Oberarmbruch zu. Er wurde noch am gleichen Abend operiert.... »

Steven Zuber (links)
Zuber und Chappuis mit langfristigen Verträgen bei GC

FUSSBALL. Die Grasshoppers haben die 18-jährigen Steven Zuber und Charyl Chappuis mit Verträgen bis jeweils Juni 2013 beziehungsweise 2014 ausgestattet.... »

Nassim Ben Khalifa
Ben Khalifa bei GC vor dem Absprung

FUSSBALL. Die finanziell klammen Grasshoppers wollen nach Haris Seferovic (Fiorentina) mit Nassim Ben Khalifa ihren zweiten prominenten U17-Weltmeister ins Ausland ziehen lassen.... »

Saisonende für Evertons Marouane Fellaini
Sechs Monate Pause für Fellaini

FUSSBALL. Evertons belgischer Internationale Marouane Fellaini fällt bis zum Saisonende aus.... »

Archivsuche

Anzeige
Anzeige
zum Seitenanfang
Dienstag, 16. März 2010, 20.54 Uhr
© St.Galler Tagblatt – Publikation der TAGBLATT MEDIEN