Am Ende jubelt der Gegner

St.Gallens Jiri Koubsky verlässt das Spielfeld nach der Cup-Niederlage gegen Gossau. Zoom

St.Gallens Jiri Koubsky verlässt das Spielfeld nach der Cup-Niederlage gegen Gossau. (Keystone)

FC ST.GALLEN ⋅ Der FC St.Gallen trifft am Samstag im Sechzehntelfinal des Schweizer Cup auf den Challenge-League-Verein aus Le Mont. Ein Blick auf die vergangenen Cup-Jahre lässt dabei nichts Gutes erahnen.

16. September 2016, 10:37
Tim Naef
St.Gallen-Fan zu sein ist nicht leicht. Auf hoffnungsvolle Auftritte folgt allzu oft die Ernüchterung - sowohl in der Liga als auch im Cup. Da Letzterer für die Ostschweizer seit geraumer Zeit die einzige realistische Möglichkeit ist, einen Titel zu feiern - in der Liga geht es nur noch um den zweiten Platz hinter dem FC Basel - birgt der Cup grosses Frustpotential für grün-weisse Anhänger. Es fehlte meist nicht viel, doch immer wieder gab es Rückschläge - nicht wenige davon waren mehr als peinlich.
  • Zelli geht in die Bundesliga und der FCSG verliert gegen den Kantonsrivalen Wil: Das ganze passierte am 11. November 2001.
  • Am 30. April 2003 hat der FCSG 0:1 gegen den FC Schaffhausen verloren.
  • Immer wieder Wil: am 4. April verloren die St.Galler mit 1:2.

Seit nunmehr 47 Jahren wartet der FC St.Gallen auf einen Cupsieg. Immer wieder war er nahe dran, doch gereicht hat es seit 1969 nicht mehr. In den vergangenen 15 Jahren gab es zudem immer wieder peinliche Aussetzer. (Bilder: Tagblatt Archiv)



"Einfach nur peinlich"
Wir schreiben den 22. Oktober 2005. Der FC St.Gallen trifft in der zweiten Cuprunde auf das drei Ligen tiefer spielende Küssnacht am Rigi. Was folgt, wird kein Espen-Anhänger je vergessen. Der Club aus der Zweiten Liga interregional gewinnt mit 2:1. "Der Erfolg des Unterklassigen war verdient. Was die Ostschweizer boten, war beschämend, einfach nur peinlich", schrieb der damalige Tagblatt-Sportredaktor im Spielbericht. Nebst der indiskutablen Niederlage sorgte ein Frustfoul eines gewissen Davide Callà für Aufruhr.

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"Wir sind ja auch St.Galler"
Zwei Jahre nach Küssnacht am Rigi folgte der FC Gossau. Dazumal noch ohne Sieg in der Challenge League, gewannen die Gossauer in der zweiten Cuprunde mit 2:0 - und zwar im Espenmoos. Es war der Einstand von Interimstrainer René Weiler. Rolf Fringer war zuvor nach einer 0:4-Niederlage gegen den FC Thun entlassen worden. Für den FC Gossau war es einer der grössten Siege in der Vereinsgeschichte. Wer aber nach dem Spiel Jubelstürme des Unterklassigen erwartet hatte, bekam teils ungewöhnliche Bilder zu sehen: "Zwei Gossauer Betreuer nahmen sich in der Kabine tröstend in die Arme, einer sagte: 'Wir sind ja auch St.Galler.' Wenn der 'kleine Bruder', den 'Grossen' noch tiefer in die Krise stürzt, dann ist man mit den Gedanken auch beim Gegner", hielt das Tagblatt damals fest.

"Jetzt stehen wir da wie Deppen"
Am 5. April 2010 hätte sich der FC St.Gallen erstmals seit 1998 wieder für einen Cupfinal qualifizieren können. Die Chance war selten besser, zumal der Gegner das unterklassige Lausanne war. Doch wie allzu oft hatten die FCSG-Fans am Ende nichts zu bejubeln. Nach einer 1:0-Führung, drei 100-Prozentigen-Chancen in der zweiten Halbzeit und einer gelb-roten Karten für Lausannes Guillaume Katz, brachten es die St.Galler fertig, den Halbfinal mit 1:2 zu verlieren. "Es gibt keine Entschuldigung", sagte Stürmer Moreno Merenda nach dem Spiel, um die Situation anschliessend auf den Punkt zu bringen: "Jetzt stehen wir da wie Deppen."

Überhebliche St.Galler
Und auch zwei weitere Jahre später scheiterte der FC St.Gallen an einem Challenge-League-Vertreter. Zwar waren die Espen damals ebenfalls in der zweithöchsten Liga tätig, dominierten die Liga aber nach Belieben. Das Viertelfinal-Aus führte unser Redaktor auf gute Winterthurer und überhebliche St.Galler zurück: "Nico Abegglen bediente in der 78. Minute Scarione, doch der erneut nicht überzeugende Regisseur vergab leichtfertig. Zu locker war indes nicht nur Scariones Abschluss, sondern das Auftreten des gesamten Teams." So kam es, wie es kommen musste: Die Partie wurde erst im Penaltyschiessen entschieden. Grosser Unglücksrabe war Alberto Regazoni, der nur den Posten traf.

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