«Wenn Barnetta zu Zürich gewechselt hätte, hätte man uns gesteinigt»

REAKTIONEN ⋅ Mannschaft und Trainer des FC St.Gallen freuen sich auf Tranquillo Barnetta. Selbstredend geht die Woche trotz des prominenten Zuzugs normal weiter – Liga-Alltag statt Träumereien.

28. September 2016, 20:41
Christian Brägger
Über Facebook meldete sich Karim Haggui, Tranquillo Barnettas Freund aus gemeinsamen Leverkusener Zeiten, in französischer Sprache am Dienstagabend zu Wort: «Was für eine schöne Neuigkeit. Ich bin zufrieden, einen Bruder wiederzufinden, einen Freund, einen sehr guten Fussballer, mit dem ich einen der besten Abschnitte meiner Profikarriere verbracht habe. Herzlich willkommen bei dir zu Hause, Tranquillo Barnetta.»

Die Nachricht über die Rückkehr des St.Galler Eigengewächses hat in der fussball-affinen Ostschweiz eingeschlagen wie eine Bombe. Allerorts, vor allem in den sozialen Medien, wurden Liebesschwüre und euphorische Voten abgesetzt, und ein jeder beanspruchte Barnetta ein bisschen für sich. Auch der kleine Swisscom-Shop in der Shoppingarena liess sich nicht lumpen und hiess in grossen Lettern auf einer Schiefertafel schon einmal die neue, alte Identifikationsfigur Willkommen. Man wähnte sich schon in der Rückrunde.

Vorahnung erhalten, was los sein wird
Schnell genug wird es dem Anhänger bis dahin kaum gehen können, bereits konnte man eine leise Vorahnung erhalten, was dannzumal in St.Gallen los sein dürfte. Doch bis Barnetta erstmals in einem Pflichtspiel für den FC St.Gallen auflaufen wird, gibt es noch neun Meisterschaftsspiele und mindestens eine Cuppartie zu absolvieren. So blieben Trainer und Spieler bei ihrem normalen Tagwerk und trainierten.

Coach Joe Zinnbauer forderte am Mittwoch im über zwei Stunden dauernden Morgentraining auf dem Kunstrasen im Gründenmoos – am Sonntag bei den Young Boys wird auf dieser Unterlage gespielt – viel von seinen Akteuren. Später sagte er über den künftigen Neuzugang: «Ich habe Barnetta getroffen und finde ihn sehr angenehm. Er bringt alle Qualitäten mit, wir erhalten mit ihm viel Erfahrung. Er hat in der Bundesliga Spass gemacht. Wenn Barnetta bei uns die Leistung bringt, die er dort und jetzt in Amerika gebracht hat, ist er für uns sicherlich sehr wertvoll.»

Ehrlicherweise beschäftige er sich aber ausschliesslich mit dem nächsten Gegner und nicht damit, was in ein paar Monaten auf ihn zukommen werde. «Sportchef Christian Stübi hat tolle Arbeit geleistet und ihn verpflichtet. Wenn Barnetta zu Vaduz oder Zürich gewechselt hätte, hätte man uns gesteinigt. Er ist ein ehemaliger Spieler von uns, die Fans freuen sich auf ihn. Aber auch er muss bei mir seine Leistung bringen wie die anderen Spieler.»

St.Gallens Defensivspieler Alain Wiss äusserte sich nach dem Training ebenfalls zum Transfer: «Ich habe ihn kurz im Nationalteam kennengelernt. Er ist eine grosse Persönlichkeit, die viel erreicht hat in ihrer Karriere. Er kann uns Jungen sicher viel mitgeben. Gerüchteweise haben wir längst geahnt, dass er kommen wird. Wir haben uns gestern in der Kabine sehr gefreut, als wir die Nachricht erhielten.» Wenn man die Chance erhalte, einen solchen Spieler zurückzuholen, sei das für die ganze Region eine schöne Geschichte, fügte Wiss an. Und Stürmer Roman Buess sieht für das Team dank Barnetta vor allem in der Offensive neue Möglichkeiten. «Für uns geht es jetzt aber ganz normal weiter.»

«Ich sehe ihn auf der Seite im offensiven Mittelfeld»
Kurt Brander, ein häufiger Zaungast der Trainings des FC St.Gallen und früherer Profi der Ostschweizer, sagte: «Ich wusste längst, dass er kommt. Sehr schön.» Man müsse jetzt aber aufpassen, dass die Erwartungshaltung nicht zu gross werde. «Vermutlich ist es nicht mehr derselbe Barnetta, der damals gegangen ist. Er hatte jetzt eine gute Saison und wird eine Bereicherung sein.» Man dürfe aber nicht glauben, dass mit dem Spieler allein jetzt alles automatisch besser werde. Brander, aktuell Trainer in Wittenbach, wusste auch schon, wo er Barnetta einsetzen würde: «Ich sehe ihn auf der Seite im offensiven Mittelfeld und nicht als klassische Nummer zehn hinter den Spitzen.» Noch bleibt bis dahin ein bisschen Zeit.

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