Zinnbauer liest keine Onlinekommentare

FC ST.GALLEN ⋅ Der FC St.Gallen gastiert heute in Thun. Die Affiche: Letzter gegen Vorletzter. St.Gallens Trainer Joe Zinnbauer über Anspannung, fehlende Automatismen und Online-Kommentare.

20. September 2016, 09:03
Interview: Patricia Loher

Joe Zinnbauer, St. Gallen droht nach dem Spiel in Thun der letzte Rang. Ist die Anspannung grösser als sonst?

Ich spüre keine Anspannung im Team, eher eine Vorfreude.

Sie haben in dieser Saison noch nie zweimal in Folge auf die selbe Startformation gesetzt. Ist es für eine Mannschaft mit neun neuen Spielern so nicht schwierig, Automatismen einzuüben?

Wenn wir einführen könnten, dass der Schiedsrichter keine gelben und roten Karten mehr zeigt und uns der liebe Gott dabei hilft, vor Verletzungen verschont zu bleiben, würden wir gerne zweimal in Folge mit der selben Mannschaft beginnen. Im Ernst, es ist ja nicht so, dass wir planlos die Spieler durchwechseln.

Aber die Wechsel passierten nicht immer aus der Not.

Wann denn?

Zum Beispiel Mohamed Gouaida oder Roy Gelmi.

Natürlich gibt es die Möglichkeit, dass sich ein Spieler im Training aufdrängt, dass der eine Spieler besser in Form ist als der andere. Bei Gouaida zum Beispiel war die Belastungssituation ein Problem, weil er nicht die gesamte Vorbereitung mitgemacht hat. Zudem kehrte Gianluca Gaudino nach seiner Leistenoperation erst nach Saisonbeginn zurück.

Also haben Sie Ihr Mannschaftsgerüst gefunden?

Zum grössten Teil, ja. Es ist immer eine Ansichtssache, ob ein Spieler eine Pause braucht oder nicht. Hinzu kommt, dass andere Akteure auch Einsatzzeit beanspruchen. Wenn sie im Training gute, beziehungsweise bessere Leistungen bringen als die anderen, muss ich sie belohnen.

Trotzdem ist die fehlende Konstanz schon länger ein Thema. Woran liegt es, dass es St. Gallen kaum schafft, ein gutes Spiel zu bestätigen?

Wir arbeiten jeden Tag daran, schon bald kann wieder alles anders sein. Wenn wir in Thun gewinnen, waren wir zweimal in Folge siegreich.

Weshalb ist es für St. Gallen gegen einen höher eingestuften Gegner einfacher als gegen eine Mannschaft, die sich auf Augenhöhe befindet?

Teilweise kann man diese Beobachtung teilen. Doch in Vaduz, bei einem Team auf Augenhöhe, haben wir nicht versagt, nur die Chancen nicht verwertet. Ich denke, es ist eine Einstellungssache. Wir müssen die Spieler dorthin bekommen, dass sie nach einem guten Spiel nicht nur achtzig oder neunzig Prozent abrufen, sondern erneut hundert Prozent. Im Cup gegen Le Mont haben sie angedeutet, dass sie dazu in der Lage sind, auch gegen einen unterklassigen Gegner. In Thun müssen wir das weiterführen.

Nach dem Thun-Spiel kommt Basel, danach reist Ihr Team zu den Young Boys. Denken Sie daran, was passiert, wenn St. Gallen heute nicht punktet?

Nein. Ich beschäftigte mich doch nicht damit, was allenfalls einmal passieren kann oder nicht. Wir sind Profis und fahren nach Thun, um zu gewinnen. Wenn meine Spieler den Plan so wie gegen Luzern und im Cup umsetzen, werden wir punkten. Und: Es ist keine Selbstverständlichkeit, gegen einen Challenge-League-Club auswärts im Cup zu gewinnen. Basel hat sich beim Erstliga-Verein Zug auch nur mit 1:0 durchgesetzt, andere wie Lausanne sind gescheitert. Meine Spieler haben gegen Le Mont umgesetzt, was wir geplant hatten und den Pflichtsieg eingefahren. Das ist, was zählt.

Stimmen Sie der Behauptung zu, dass der FC St. Gallen in Anbetracht seiner Qualität zumindest auf dem Papier besser klassiert sein müsste ?

Was auf dem Papier steht, ist mir egal. Wir haben schlicht andere Ansprüche, als auf dem neunten Rang plaziert zu sein. Wir haben ein Top-Stadion, Top-Zuschauer, eine gute Mannschaft und belegen nur den neunten Rang – das ist nicht unser Ziel.

Der Gegenwind, den Sie verspüren, ist rau. Wie versuchen Sie, sich abzuschotten?

Wir belegen den zweitletzten Rang. Es wäre schlecht, wenn die Stimmung top wäre.

Um nachzufragen: Lesen Sie Online-Kommentare?

Ich habe mich noch nie für Online-Foren interessiert. Das schreiben nur Nationaltrainer und Personen, die eh besser ausgebildet sind. Und wenn ein Club nur den neunten Rang belegt, kann die Stimmung nicht gut sein. Also brauche ich das alles gar nicht zu lesen.


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