Beschönigen, auf Zeit spielen, hoffen

FC ST.GALLEN ⋅ Unter Trainer Joe Zinnbauer hat der FC St.Gallen schon gegen 30 Spiele verloren. Welcher Muster bedient sich der Deutsche, um Pleiten zu erklären? Wir haben Antworten gesucht - und gefunden.
19. April 2017, 13:33
Daniel Walt
Was sagt ein Fussballtrainer, dessen Team am Ende der 90 Minuten plus Nachspielzeit ohne Punkte dasteht? Wer nicht Coach des Serienmeisters aus Basel, sondern des FC St.Gallen ist, muss sich diese Frage immer wieder stellen. Joe Zinnbauer beispielsweise, seit Herbst 2015 Übungsleiter bei den Espen, musste seit seinem Amtsantritt vor eindreiviertel Jahren bereits 28 Niederlagen erklären - 26 in der Meisterschaft, zwei im Cup. Wir haben seine Aussagen in Kategorien eingeordnet und mit Beispielen versehen.

1. Zinnbauer, der Beschöniger: Lob trotz Pleiten

"Wir sind aufgetreten wie ein Heimteam, haben Lugano wenig zugestanden - bis auf die letzten Minuten. Das Team setzt meine Ideen um."
(Lugano - FCSG 3:1, Oktober 2015)

"Vielleicht hört es sich nun blöd an: Aber mit unserem Spiel über 60, 70 Minuten war ich durchaus zufrieden. Nur das Ergebnis passt mir nicht."
(FCSG - Thun 1:2, Februar 2016)

"Heute war der Wille da - es wollte ganz einfach nicht."
(GC - FCSG 2:0, April 2016)

"Wir haben das Spiel angenommen, von der Spielanlage her war das in Ordnung."
(GC - FCSG 2:0, April 2016)

"Mit der ersten Halbzeit kann ich nicht einverstanden sein, auf den zweiten 45 Minuten können wir aufbauen."
(Sion - FCSG 2:1, Juli 2016)

"Mir hat das weitgehend gut gefallen heute. Allerdings fehlte auch etwas das Glück in gewissen Situationen."
(Luzern - FCSG 2:0, April 2017)

  • 18. Oktober 2015, Lugano - FCSG 3:1: "Wir sind aufgetreten wie ein Heimteam, haben Lugano wenig zugestanden - bis auf die letzten Minuten. Das Team setzt meine Ideen um."
  • 28. Oktober 2015, Cup-Achtelfinal FCSG - Luzern 2:3: "Meiner Mannschaft sind einmal mehr viel zu viele Fehler unterlaufen. Unser Plan war ein anderer. Wenn ich Fussballer wäre, würde ich nun keinen Trainer mehr brauchen, keine Motivationsansprachen, keine taktische Schulung. Ich wüsste ganz genau, was zu tun wäre. Das Spiel am Sonntag ist eine Partie der Ehre."
  • 28. November 2015, YB - FCSG 2:1: "Wir konnten eine Zeitlang gegen einen sehr starken Gegner mithalten. Das stimmt mich positiv. Punkte müssen wir gegen andere Teams budgetieren."

Wie erklärt Joe Zinnbauer nach Niederlagen des FC St.Gallen das Versagen seiner Spieler? Klicken Sie sich durch die Statements des St.Galler Cheftrainers nach sämtlichen 28 Niederlagen in seiner bisherigen Amtszeit.

2. Zinnbauer, der Kritiker: Zu viele Fehler gemacht

"Meiner Mannschaft sind einmal mehr viel zu viele Fehler unterlaufen. Unser Plan war ein anderer."
(FCSG - Luzern 2:3/Cupmatch im Oktober 2015)

"Wir müssen nun die Fehler beheben, aber auch weiter an unseren Stärken arbeiten."
(FCSG - Thun 1:2, Februar 2016)

"Wir waren nicht mutig, uns unterliefen viele einfache Ballverluste. Aber wir werden daraus lernen."
(FCZ - FCSG 4:0, April 2016)

"Wir haben uns vorne und hinten naiv angestellt. Der Wille allein reicht oft halt nicht."
(FCSG - Vaduz 1:3, Mai 2016)

"Der klare Ball in die Spitze hat gefehlt. Wir erobern die Bälle gut, schaffen es aber nicht, diese einfach und genau in den Sturm zu spielen."
(Lausanne - FCSG 1:0, August 2016)

"Wir haben es dem Gegner bei den Toren zu einfach gemacht. Es ist uns eine Lehre."
(FCSG - Basel 0:3, April 2017)


3. Zinnbauer, der Wunschdenker: Hätte, wäre, könnte

"Hätten wir in den ersten 45 Minuten unsere Chancen genutzt, wäre es für Thun schwierig geworden, zurückzukommen."
(FCSG - Thun 1:2, Februar 2016)

"Wäre uns zuvor das 1:2 gelungen, hätte das Spiel anders als 0:4 enden können."
(FCZ - FCSG 4:0, April 2016)

"Mit einem Ticken mehr wäre auch noch ein Punkt dringelegen."
(GC - FCSG 2:0, April 2016)

"Wären wir 2:1 in Führung gegangen, wäre es für Basel schwierig geworden."
(FCSG - Basel 1:3, September 2016)


4. Zinnbauer, der Vertröster: Es braucht mehr Zeit

"Punkten müssen wir gegen Zürich oder Vaduz."
(FCSG - YB 2:3, März 2016; die nächsten beiden Spiele gegen den FCZ und Vaduz gingen dann allerdings ebenfalls verloren)

"Wir befinden uns nach wie vor in einem Prozess. Wir benötigen Zeit, um auf Kurs zu kommen."
(FCZ - FCSG 4:0, April 2016)

"Wir wollen die Mannschaft vor allem im Hinblick auf die nächste Saison konstanter machen."
(FCZ - FCSG 4:0, April 2016)

"Unser Team ist viel jünger als die Walliser, das ist sicher auch ein Grund. Wir wissen, dass es sich zuerst finden muss."
(Sion - FCSG 2:1, August 2016)

"Hätten wir jetzt in Zürich gewonnen, wäre dies zwar fürs Umfeld gut gewesen, aber für die Spieler vielleicht nicht. Weil wir noch Zeit brauchen."
(GC - FCSG 3:1, April 2017)

"Wir haben es geschafft, stabiler zu werden, und nun wollen die Leute mehr. Wir wollen das ja auch, aber wir sind immer noch im Umbruch."
(GC - FCSG 3:1, April 2017)


5. Zinnbauer, der Ratlose: Woran liegt es bloss?

"Dieser Auftritt war nicht nachvollziehbar."
(FCZ - FCSG 4:0, April 2016)

"Darüber habe ich mich auch gewundert. Zuletzt verhielten wir uns bei Standards immer gut. Nun aber haben wir geschlafen."
(FCSG - Basel 0:3, April 2017)


6. Zinnbauer, der Schonungslose: Scharfe Kritik am Team

"Wenn ich Fussballer wäre, würde ich nun keinen Trainer mehr brauchen, keine Motivationsansprachen, keine taktische Schulung. Ich wüsste ganz genau, was zu tun wäre. Das Spiel am Sonntag ist eine Partie der Ehre."
(FCSG - Luzern 2:3/Cupmatch im Oktober 2015)

"In Zürich unterlief uns ein unglaubliches Fehlpassfestival. Seit ich in St.Gallen Trainer bin, habe ich so etwas noch nie gesehen. Wir haben keinen Fussball gespielt, keinen Zweikampf angenommen."
(FCZ - FCSG 4:0, April 2016)

"Für mich als Trainer, für uns als Verein war das alles nicht angenehm. Darüber müssen und werden wir nun sprechen."
(FCSG - Basel 0:7, April 2016)

"Freibad-Fussball! Ein bisschen hinten rum ist gespielt worden anstatt entschlossen nach vorne. Und wir haben zu wenig Herzblut gezeigt, waren zu wenig aggressiv."
(FCSG - Luzern 1:4, Mai 2016)

"Alles aufgebaut - alles wieder umgerissen."
(FCSG - Lugano 0:2, September 2016)

"Das war ein wirklich schlechtes Spiel von uns. Das schlechteste in der Rückrunde."
(GC - FCSG 3:1, April 2017)


7. Zinnbauer, der Gereizte: Die bösen Journalisten

"Die Leistung in Zürich war die Bestätigung, dass wir noch lange nicht so weit sind, wie es die Medien gerne hätten."
(FCZ - FCSG 4:0, April 2016)

"Wir werden auf jeden Fall besser. Das hat man in Sitten ja schon gesehen. Darauf kann man aufbauen, auch wenn die Medien das wohl nicht so sehen."
(Sion - FCSG 2:1, Juli 2016)

"Wollen Sie über mich reden oder über das Spiel? Ich rede nur über die Partie."
(Luzern - FCSG 3:0, Oktober 2016)

"Es gibt nichts zu analysieren. Das Beste war das Resultat. Anfangs haben wir noch gut gespielt, der Rest war einfach nur schlecht. Das habt Ihr doch gesehen."
(Luzern - FCSG 3:0, Oktober 2016)

"Wir sind immer noch auf dem sechsten Platz, aber man beginnt jetzt schon wieder, Unruhe reinzubringen und Panik zu schüren."
(GC - FCSG 3:1, April 2017)


 

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