Treten an Ort

UNGENÜGEND ⋅ Bei der 0:2-Niederlage in Luzern zeigt sich der FC St.Gallen gegenüber dem Grasshoppers-Spiel verbessert. Die Leistung ist aber zu fehlerhaft, um die Zentralschweizer ernsthaft fordern zu können.
17. April 2017, 22:23
Ralf Streule
Wäre da die 72. Minute nicht gewesen, vielleicht hätte man beim FC St.Gallen nach dem Spiel von einer Reaktion gesprochen auf die zuletzt schwachen Leistungen. Man hätte das 0:0 als Erfolg auf dem möglichen Weg zur Besserung gepriesen. Und von einem Punkt geredet, der die Hoffnung an einer Europa-League-Teilnahme weiter am Leben hält. Das Gegentor in dieser Minute aber legte zu sehr offen, wie anfällig die St. Galler derzeit sind. Vier Fehler hatte St. Gallens Trainer Joe Zinnbauer in dieser Situation gezählt, wie er später sagte. Am auffallendsten waren derjenige von Mohamed Gouaida, der einen Pass von Kofi Schulz aus der Defensive schlecht annahm und Hekuran Kryeziu förmlich zu dessen Prachtstreffer einlud. Kryezius Weitschuss wurde zu einem platzierten, für Daniel Lopar unhaltbaren Aufsetzer. 
  • Daniel Lopar: Note 4: Muss schon nach fünf Minuten retten, als Marco Schneuwly alleine auf ihn zuläuft. Hat danach lange wenig zu tun. Ist schliesslich aber bei beiden Gegentoren chancenlos. Pariert in der Schlussphase einen Weitschuss von Nicolas Haas und verhindert damit das 0:3.
  • Silvan Hefti: Note 3: Der junge St.Galler zeigt in der Defensive zunächst eine solide Leistung. Steht dann aber beim 0:2 zu wenig nahe bei Cedric Itten, der ihm enteilt und alleine vor Lopar trifft. Nach vorne zeigt Hefti zu Beginn zwei, drei verheissungsvolle Vorstösse, die aber letztlich nichts einbringen.
  • Karim Haggui: Note 4: Organisiert die Abwehr mit Übersicht. Im Kopfballspiel und eins-zu-eins-Situationen meist souverän. Bei Steilzuspielen wird er aber zu Beginn zweimal düpiert. Gegen Ende hin und wieder mit technischen Unsicherheiten.

Unsere Sportredaktion bewertet nach jedem Spiel die Leistung der eingesetzten Spieler. Die Noten reichen von 1 - Totalausfall, 2 - Schwachpunkt, 3 - Mitläufer, 4 - Normalform, 5 – Leistungsträger bis 6 - Matchwinner. (Bilder: pd)

Selbstvertrauen ist noch nicht zurück
So blieb am Ende der Eindruck hängen von einem etwas lauen Team, dass sich zwar im Vergleich zum Spiel bei den Grasshoppers steigern konnte und physisch wieder präsenter wirkte, das aber noch immer weit vom Selbstvertrauen des Rückrundenstarts entfernt ist. Zwar hielten die Ostschweizer die Partie lange ausgeglichen – was aber fehlte, war die Überzeugung und die zündende Idee im Spielaufbau. In diesem Bereich scheinen die St.Galler seit langem an Ort zu treten. Zwar hatten sie ihre Möglichkeiten, wie durch Albian Ajeti, der nach einer Viertelstunde einen Querpass von Marco Aratore nicht verwerten konnte. Zwingend spielten sich die St.Galler aber selten vors gegnerische Tor. Den Luzernern ging es umgekehrt lange ähnlich, auch wenn Lopar schon in der fünften Minute vor dem heranstürmenden Marco Schneuwly hatte klären müssen. Luzern verdiente sich den Sieg aber am Ende, da es überraschender, variabler und ideenreicher zu Werke ging. 
 
  • Der St. Galler Marco Aratore kämpft um den Ball gegen den Luzerner Francois Affolter.
  • Albian Ajeti im Zweikampf gegen den Luzerner Remo Arnold (rechts).
  • Der Luzerner Verteidiger Francois Affolter klebt am St.Galler Mittelfeldspieler Marco Aratore. Die Espen konnten keine ihrer vielen Torchancen realisieren.

Der FC St.Gallen verliert das Auswärtsspiel gegen Luzern 0:2. In der 72. Minute verhilft Torschütze Hekuran Kryeziu den Luzernern zur Führung. Nach dem zweiten Tor von Cedric Itten in der 86. Minute hatten die Espen keine Chance mehr. (Bilder: Keystone)

Beste Phase kurz nach der Pause 
Änderungen gegenüber dem Spiel in Zürich hatte Zinnbauer vorgenommen: Er hatte den gelbgesperrten Roy Gelmi mit Gouaida ersetzt, der im Spiel nach vorne aber oft unüberlegt agierte. Im offensiven Mittelfeld stellte er erstmals von Beginn weg Sejad Salihovic neben Tranquillo Barnetta auf. Der Bosnier hatte Startschwierigkeiten, deutete seine technischen Fähigkeiten aber nach der Pause an, als die St.Galler ihre beste Phase hatten. Salihovics Freistoss nach einer Stunde war eine der besten Chancen der Gäste – neben zwei Versuchen aus der zweiten Reihe von Barnetta. Nach dem Gegentor versuchten die St.Galler, ihr Glück doch noch zu erzwingen. Zinnbauer brachte mit Yannis Tafer, Lucas Cueto und Roman Buess drei Offensivkräfte. Dies eröffnete den Luzernern Kontermöglichkeiten, welche Cedric Itten nach einem Stellungsfehler der St.Galler Hintermannschaft zum 2:0 ausnutzen konnte.  
 
St.Gallen fehlen – nach zuletzt fünf Spielen mit nur zwei Punkten – unterdessen sechs Punkte auf Lugano und den fünften Platz, der mit grosser Wahrscheinlichkeit zu einem Europacup-Platz berechtigt. Gegen Thun am kommenden Sonntag ist St.Gallen gefordert, will es den Anschluss an die Tessiner nicht verlieren – an ein Team, das aufgrund des Spielerpotenzials eigentlich hinter den Ostschweizern liegen müsste.

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