Tafer trifft, Lopar hält

FC ST.GALLEN ⋅ Zum ersten Mal seit fast vier Jahren reist der FC St.Gallen aus Sitten mit einem Sieg im Gepäck nach Hause. Dank zweier Tore von Yannis Tafer und dank Torhüter Daniel Lopar bezwingen die St.Galler den Tabellendritten 2:1.

05. März 2017, 21:38
Patricia Loher, Sitten
Der FC St.Gallen ist eine launische Diva. Nachdem die Ostschweizer vor einer Woche beim 0:1 zu Hause gegen Lugano enttäuscht hatten, legten sie gestern im Tourbillon einen nahezu tadellosen Auftritt auf das Parkett. Die Mannschaft von Trainer Joe Zinnbauer liess gegen das angriffslustige Sion lange nur wenig zu, verhielt sich clever, und, was am Ende am meisten zählt: Sie war effizient. Als Yannis Tafer in der 54. Minute das 2:0 für die St.Galler erzielte, war das ihre zweite gute Chance in diesem Spiel gewesen. Mit zwei Toren – es waren seine Saisontreffer drei und vier – bedankte sich Tafer bei seinem Coach dafür, ihn erstmals in dieser Rückrunde für die Startformation berücksichtigt zu haben. Ihm weichen musste Roman Buess: «Tafer ist seit Wochen gut in Form, und nach der Niederlage gegen Lugano fand ich es an der Zeit, einen Wechsel vorzunehmen», so Zinnbauer.
  • Karim Haggui gegen Moussa Konate vom FC Sion.
  • Marco Aratore (links) gegen Nicolas Lüchinger.
  • Reto Ziegler (links) und Nicolas Lüchinger (rechts) zu zweit gegen den St.Galler Albian Ajeti.

Spannende Minuten in Sion: Der FC St.Gallen gewinnt 2:1. Torschütze ist beides Mal Yannis Tafer. (Bilder: Keystone)


Die Reflexe von Daniel Lopar
Für Tafer also war es ein grosser Tag. St.Gallens zweiter Matchwinner stand auf der anderen Seite des Platzes. Daniel Lopar bewahrte seine Mannschaft ab der 57. Minute mit vier beeindruckenden Reflexen vor einem Gegentor, letztmals klären musste der 31-jährige Romanshorner in der Nachspielzeit. Sions Trainer Peter Zeidler  lobte Lopar  als «grossartigen Torhüter». Zinnbauer sagte: «Heute hatten wir einen Weltklasse-Goalie.»

Überhaupt war St.Gallens Defensive gestern bis in die Schlussphase hinein das Prunkstück. Die Verteidigung, die bis anhin am zweitwenigsten Tore in der Super League zugelassen hat und der auch Martin Angha wieder angehörte, gewann von Beginn an mehr Zweikämpfe. In dieser Hinsicht wurde der grösste Unterschied im Vergleich mit dem Lugano-Spiel früh ersichtlich. Noch gegen die Tessiner waren die Ostschweizer gar nie in die Zweikämpfe und damit auch nie ins Spiel gekommen. Im Tourbillon aber kaufte St. Gallen dem Gegner früh einmal den Schneid ab. Die Gäste standen kompakt. Sie unterbanden den Spielaufbau der Walliser wirkungsvoll und liessen sie so nie richtig Fahrt aufnehmen. Ansonsten wäre es gegen die überdurchschnittliche Offensivkraft der Sittener wohl schwierig geworden. «Taktisch traten wir gut auf. Es gelang uns lange, Sion nicht ins Spiel kommen zu lassen. Sonst hätte es für uns wohl Probleme gegeben», sagte Zinnbauer. Erst in der 19. Minute gaben die Walliser durch Birama Ndoye den ersten Abschluss auf das gegnerische Tor ab. Als die Walliser aber im Begriff waren, immer mehr Druck aufzusetzen, liefen sie in einen verhängnisvollen Konter:  Tranquillo Barnetta lancierte von hinter der Mittellinie mit einem wunderbaren Aussenristpass in die Schnittstelle Tafer, der den Verteidiger abschüttelte und das 1:0 für St. Gallen erzielte. Glück hatte in der 43. Minute Karim Haggui, als der Schiedsrichter die Aktion gegen Moussa Konaté nicht als Notbremse taxierte.

Nach dem 2:0 für die St. Galler, das Andreas Wittwer vorbereitet hatte, reagierte Sion. Die Ostschweizer taten sich in dieser Phase schwer, das Spiel zu beruhigen und gerieten während Minuten zusehends unter Druck. Dreimal intervenierte Lopar brillant, ehe er nach einer Flanke von Nicolas Lüchinger gegen den Abschluss von Paulo Ricardo in der 80. Minute chancenlos blieb.

Das Problem der Walliser aber war, dass sie wild angriffen und das anscheinend ohne Plan. St.Gallen hatte zwar viel zu tun und nur dank Lopar fiel das 2:2 nicht. Aber auf der Gegenseite hatte auch Albian Ajeti ganz am Schluss die Möglichkeit, auf 3:1 zu erhöhen. «Wir waren effizient, hätten aber durchaus noch effizienter sein können», sagte Lopar und fügte an, er selber wäre glücklich gewesen, hätte er weniger zu tun gehabt.
Sions Siegesserie gerissen Für Sion war es die erste Heimniederlage seit dem 1:2 gegen Basel am 27. November 2016. Zuletzt hatte der Cup-Halbfinalist in der Super League dreimal in Folge gewonnen. Für die St. Galler war das Tourbillon lange ein schwieriges Pflaster gewesen. Hin und wieder gab es einen Punkt, aber kaum einmal einen Sieg. Auf den gestrigen Erfolg hatten die Ostschweizer fast vier Jahre warten müssen. Im Juli 2013 hatte sich St. Gallen dank eines Kopfballtores von Philippe Montandon letztmals in Sitten durchgesetzt.

  • Daniel Lopar: Note 6: Ohne ihn hätte St.Gallen das Spiel verloren. Nachdem er schon in der ersten Halbzeit einen Freistoss von Reto Ziegler pariert hatte, gelangen dem 31-jährigen Torhüter in hektischen Minuten in der zweiten Hälfte vier brillante Paraden. Stark auf der Linie.
  • Silvan Hefti: Note 5: Erstaunlich, wie abgeklärt er einen Stürmer wie Chadrac Akolo abmeldete. Der zweitbeste Torschütze der Super League hatte gegen den St.Galler Verteidiger kaum einen Stich. Hefti überzeugte auch mit seinem Stellungsspiel.
  • Karim Haggui: Note 5: Der Innenverteidiger strahlte viel Sicherheit aus und war immer vor Ort, wenn es ihn brauchte. Er hatte allerdings in der 43. Minute Glück, dass der Schiedsrichter seine Aktion an Moussa Konaté nicht als Notbremse taxierte.

Unsere Sportredaktion bewertet nach jedem Spiel die Leistung der eingesetzten Spieler. Die Noten reichen von 1 - Totalausfall, 2 - Schwachpunkt, 3 - Mitläufer, 4 - Normalform, 5 – Leistungsträger bis 6 - Matchwinner. (Bilder: pd)

Am nächsten Samstag empfängt St.Gallen das viertklassierte Luzern. Präsentieren die Ostschweizer erneut ihr Sonntagsgesicht und gelingt ihnen ein weiterer Erfolg, würde sich ihr Rückstand auf Rang vier, der sechs Punkte beträgt, auf einen Schlag um die Hälfte verringern.

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