Nicht ganz durchgehalten

FCSG ⋅ Der FC St.Gallen bringt in Thun eine Führung nicht über die Zeit und fängt spät den Ausgleich zum 2:2 ein. Bei nur drei Torchancen wäre ein Auswärtssieg wohl auch des Guten zu viel gewesen.
20. März 2017, 09:27
Christian Brägger, Thun

Christian Brägger, Thun

Die Partie in der Stockhorn-Arena war soeben beendet, das 2:2 wohl gerecht, da verriet die offizielle Kunde, was nach den Vorkommnissen der Woche geahnt worden war: Jeff Saibene verlässt den FC Thun Richtung Bielefeld. Also rief der Anhang der Berner Oberländer seinen scheidenden Trainer ein letztes Mal zu sich, er liess ihn hochleben und dankte für sportlich gute eineinhalb Jahre. Saibene verneigte sich höflich, wie es der zuvorkommenden Art des Luxemburgers entspricht, und vermutlich verdrückte er nun auch die eine oder andere Träne. Es war der emotionalste Moment eines abwechslungsreichen, aus St. Galler Sicht durchzogenen, eher bescheidenen Spiels gegen eine starke Heimmannschaft.

In den 90 Minuten zuvor lagen die Momente ebenfalls auf Seiten des FC Thun, der über die gesamte Spielzeit präsenter wirkte, höher stand, gefälliger kombinierte und sich ein deutliches Chancenplus erarbeitete. Doch scheiterte er dabei auch oft an sich selbst oder an St.Gallens Goalie Daniel Lopar. Ein Auswärtssieg vor 6027 Zuschauern wäre für die Ostschweizer durchaus im Bereich des Möglichen gelegen, weil sie gestern mit Pragmatismus an ihr Werk gingen und sich vor dem gegnerischen Tor effizient zeigten. So geschehen nach dem Rückstand bei Albian Ajetis Ausgleichs zum 1:1 kurz vor der Pause mit der bis dahin einzigen Chance. Hätte der eingewechselte Lucas Cueto in der 81.AABB22Minute mit seinem Abschluss ins Tor statt an die Latte getroffen, wäre für St.Gallen der zweite Auswärtssieg in Serie wohl Tatsache geworden. Einen 3:1-Vorsprung hätte die Mannschaft von Trainer Joe Zinnbauer in den letzten zehn Minuten kaum mehr aus der Hand gegeben.

Thuns verdienter Ausgleich fünf Minuten vor Spielende

Stattdessen erzielte Thuns Dennis Hediger fünf Minuten vor Spielschluss das 2:2 nach einem abgefälschten Freistoss, den Lopar nur noch nach vorne abwehren konnte. Und weil so spät gefallen, werweisste man: Hatte nun der FC St.Gallen zwei Punkte verloren oder einen Zähler gewonnen? Marco Aratore, der nach schöner Vorarbeit von Andreas Wittwer kurz nach der Pause die 2:1-Führung erzielt hatte, sagte: «Dieses Ende hat einen sehr bitteren Nachgeschmack. Wir lagen so lange in Führung, wir hätten gewinnen müssen. Trotzdem sage ich: Ein Punkt ist ein Punkt.» Der wieder genesene Captain Toko ergänzte: «In Anbetracht des Spielverlaufs ist es ein gewonnener Zähler. Für mich war es logisch, dass der Ausgleich noch fallen musste. Thun betrieb einen beträchtlichen Aufwand, und wir kontrollierten das Spiel nicht.»

Die Kontrolle des Spiels hatten die St. Galler in der Tat nie. Zu sehr liessen sie sich zurückdrängen, zu oft fehlten in der Vorwärtsbewegung die Anspielstationen. Überdies wurde gegen Ende der Partie das Ballhalten mit dem eher klein gewachsenen Cueto schwierig, wie auch Toko bemerkte. Zumal der flinke Offensivspieler vorwiegend mit hohen Bällen gesucht wurde. Eher unzufrieden zeigte sich auch Zinnbauer, der in der zweiten Halbzeit Mohamed Gouaida eine überraschende Rückkehr ermöglicht hatte. «Thun wollte mehr, war mutiger. Wir hingegen agierten nicht so, wie wir uns das vorgenommen haben.» Immerhin bleiben die St. Galler weiter Fünfte und hielten mit dieser Leistung den Gegner auf Distanz – insgesamt doch ein gutes Zeichen.


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