Mit Schwung zum Krisenclub

FC ST.GALLEN ⋅ Heute rechnet sich St.Gallen bei den Grasshoppers gute Chancen aus. Die Zürcher schwächeln, während die Ostschweizer an Mut gewonnen haben. Doch: Im Letzigrund taten sich in dieser Saison viele Teams schwer.

26. November 2016, 16:45
Ralf Streule
«Wenn wir bei den Grasshoppers etwas holen wollen, dann ist jetzt sicher ein guter Moment dafür.» Vor dem Spiel von heute Abend ab 20 Uhr im Letzigrund wagt sich FC-St.Gallen-Trainer Joe Zinnbauer nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn er dies sagt. Während sein Team erstmals seit einem Jahr zwei Siege aneinander gereiht hat, scheinen die Zürcher in die Krise zu schlittern. Zwar startete das junge Team von Pierluigi Tami verheissungsvoll in die Saison, stand nach zehn Runden auf dem vierten Platz und war zu Hause bis dahin unbesiegt.

Nun aber ist bei den Zürchern das eingetreten, was die NZZ kürzlich «Orientierungskrise» nannte. Der Vorstand habe zu hoch gepokert und ein zu unerfahrenes Kader zusammengestellt. «Mit Flipflops auf eine Bergtour» habe man die Spieler geschickt. Das Resultat zuletzt: zwei hohe Niederlagen gegen die Young Boys in der Liga und im Cup, zwei Punkte aus den vergangenen fünf Spielen. Und auch wenn die Gegner bei den Niederlagen Sion, Basel und Young Boys hiessen: Die beiden Unentschieden gegen Vaduz und Thun haben den Zürchern die Grenzen definitiv aufgezeigt. Sie werden sich heute Abend immerhin auf etwas berufen können: auf die Heimstärke. Fünf Siege, ein Unentschieden und eine Niederlage lautet die starke Heimbilanz. Während man auf fremdem Terrain in dieser Saison gerade mal einen einzigen Punkt gewinnen konnte, waren es daheim 16.

«Dreierabwehrkette ist nur eine weitere Option»
Natürlich spricht Zinnbauer dennoch nicht von einer leichten Aufgabe. «Wir wissen, dass die Zürcher ein kleines Tief haben, aber sie sind personell gut ausgestattet», sagt er. Und spricht damit wohl unter anderem Stürmer Caio an, der in dieser Saison bereits acht Tore erzielt hat. Gut möglich, dass Zinnbauer in Zürich das «Siegerteam vom Lausanne-Spiel» auf den Platz schicken wird, wie er es formulierte. Auf jeden Fall wolle man «mit breiter Brust antreten», was dafür sprechen könnte, dass der Deutsche wieder auf die Dreierabwehrkette setzt. Diese sei aber trotz der Siege nicht sakrosankt. «Es ist nur eine weitere Option für uns.»

Alain Wiss, der gegen Lausanne gelbgesperrt war, wäre in diesem Fall einer der Verlierer des jüngstens Erfolgs. Ein anderer wäre Gianluca Gaudino, zuletzt krankheitsbedingt nicht dabei. Gewinner wären Danijel Aleksic oder Martin Angha.

Wie auch immer die Ostschweizer antreten werden: Für sie geht es darum, sich mit einem Punkt im Mittelfeld der Super League zu etablieren – oder mit einem Sieg gar den fünften Platz ins Visier zu nehmen. Zur Erinnerung: Vor vier Runden lag man noch auf dem letzten Rang. Dieser ist unterdessen immerhin fünf Punkte entfernt.
 

Das Werweissen geht weiter

Die Freistellung von Martin Stocklasa war vor einer Woche Hauptthema vor dem Spiel gegen Lausanne. Gestern an der Pressekonferenz vor dem Spiel in Zürich war dies nicht mehr der Fall. Es sei auch in den Trainings dieser Woche im Team kaum mehr Thema gewesen, sagte Trainer Joe Zinnbauer. Er könne nur wiederholen, dass er von der Freistellung ebenso überrascht gewesen sei. Stocklasa selbst möchte weiterhin keine Stellung nehmen. Und Präsident Dölf Früh war auch gestern für weitere Auskünfte zum Thema nicht zu erreichen. (rst/cbr)


Für Tagblatt-Sportredaktor Christian Brägger spielt St.Gallen auf Zeit. Mehr dazu im Kommentar.

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