Kein verdienter Lohn

Der FC St.Gallen unterliegt dem FC Basel 1:3. Lange halten die Ostschweizer mit dem Leader der Super League gut mit, bis der Schiedsrichter einen heiklen Entscheid zu ihren Ungunsten fällt.

25. September 2016, 09:14
Christian Brägger

Es war in der 75. Minute die entscheidende Szene des Spiels, die gestern abend zu später Stunde die St.Galler Gemüter auf dem Platz und auf den Rängen so sehr erregte. Trainer Joe Zinnbauer und Sportchef Christian Stübi redeten heftig auf Höhe der Mittellinie auf den einen Linienrichter ein. Noch heftiger taten dies auf der anderen Seite mit dem anderen, involvierten Linienrichter insbesondere Karim Haggui und Toko, aber auch weitere Spieler des FC St.Gallen. Sie alle wollten sich dessen Entscheid nicht gefallen lassen und damit im Grunde nur eines: Der Linienrichter sollte auf das ursprünglich angezeigte Abseits zurückkommen, den Schiedsrichter Stephan Klossner umstimmen und den 2:1-Führungstreffer des FC Basel annullieren. So, wie er dies anfänglich mit erhobener Fahne entsprechend signalisiert hatte. Doch daraus wurde nichts.

  • Der St.Galler Gianluca Gaudino gegen den Basler Alexander Fransson.
  • Enttäuschte St.Galler nach der Niederlage.
  • Joe Zinnbauer

Nach dem Sieg gegen Thun waren die Hoffnungen gross, dass der FC St.Gallen auch gegen Basel wieder erfolgreich spielt. Doch diese Hoffnung zerschlug sich bald. (Bilder: Banjamin Maser)

Was genau war passiert? Der Basler Seydou Doumbia, den Trainer Urs Fischer soeben eingewechselt hatte, behinderte in passivem Abseits stehend bei der Hereingabe Davide Callàs seinen Gegenspieler Roy Gelmi so sehr, dass der St.Galler Innenverteidiger ein Eigentor fabrizierte. Weil der Ivorer den Ball aber selbst nicht berührte, gab Klossner nachträglich den Treffer und überstimmte damit den Linienrichter. Basel führte also und gewann schliesslich 3:1, weil zum Schluss der Partie Renato Steffen im Sechzehnmeterraum von Gelmi gefoult wurde und Doumbia den Penalty verwertete. Es war nach neun Saisonspielen der neunte Sieg des Serienmeisters und Leaders, der damit verlustpunktlos bleibt, während St.Gallen mit neun Punkten den achten Rang belegt.

St. Gallens guter Eindruck

Dabei war es im Grunde ein schönes Fazit gewesen, das man im Kybunpark bis zu jenem aus St.Galler Sicht höchst unglücklichen Gegentreffer ziehen konnte gegen diesen scheinbar übermächtigen Rivalen, das da lautete: Der FC St.Gallen hatte den FC Basel im Griff. Das 1:1, das die 14 257 Zuschauer lange Zeit zu sehen bekommen hatten, entsprach dem Gebotenen, und überhaupt nichts erinnerte an den inferioren Auftritt an gleiche Stätte vor fünf Monaten, als man mit 0:7 untergegangen war.

Vielleicht lag das daran, dass der Trainer Joe Zinnbauer in dieser Saison zum ersten Mal dieselbe Formation in zwei aufeinanderfolgenden Spielen aufs Feld schickte und sich damit eine gewisse Eingespieltheit in den Reihen der St.Galler manifestierte. Die Abstimmung jedenfalls klappte, die Zweikämpfe wurden angenommen, vor allem stimmte der Einsatz. St.Gallen verleitete den Gegner sogar zu Fehlern – anders konnten zwei Aussetzer von Goalie Tomas Vaclik nicht gedeutet werden –, die nur knapp und mit Pech nicht zu Toren führten. Vielleicht aber lag das auch daran, dass der FC Basel mit Arsenal bereits den Champions-League-Gegner vom Mittwoch zu sehr im Kopf hatte. Trainer Fischer hatte jedenfalls nicht seine absolute Topmannschaft nominiert, die zwar dennoch das Spielgeschehen bestimmte, aber niemals zwingend agierte.

Und dann lag nach 14 Minuten der FC St.Gallen dank Marco Aratores Kopfball plötzlich in Führung – dies nicht einmal gegen den Spielverlauf. Der stark aufspielende, offensive Mittelfeldakteur Aratore hatte nachgesetzt, als der Ball nach einem Heber Roman Buess' von der Latte zurückgeprallt war. Die Führung war am Ende das Resultat des gestiegenen Selbstvertrauens, das die St.Galler mit den Siegen gegen Thun und Le Mont in der vergangenen Woche zurückgewonnen hatten. Bis die 25. Minute die Ostschweizer kurzzeitig zurückwarf, als Basel mit der bis zur Pause einzigen echten Torchance dank Captain Matias Delgado eiskalt zuschlug und die St. Galler für einmal nicht aufgepasst hatten. Aber wer weiss, was passiert wäre, wenn Toko mit seinem Distanzschuss nach 68 Minuten erfolgreich gewesen wäre und Vaclik nicht sein ganzes Können hätte aufblitzen lassen müssen. Der Sieg?

«Ansammlung zusammengewürfelter Spieler»

Jedenfalls hatte sich St. Gallen gegen den Leader zu keiner Zeit so gezeigt, wie es die «Basler Zeitung» in seiner Tagesausgabe beschrieben hatte: «Es wirkt wie eine zusammengewürfelte Ansammlung an Spielern, die es nach St. Gallen verschlagen hat und die wieder weiterziehen, wenn sich die Chance ergibt.» Nein, gestern zeigte der als Einheit auftretende FC St.Gallen ein anderes Bild von sich. Eines, das der Anhänger gerne vor Augen hat und immer sehen will. Womit letztlich fraglich bleibt, weshalb dieses Bild vorwiegend gegen die vermeintlich guten, attraktiven Gegner möglich ist.


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