Früh überliess nichts dem Zufall

KOMMENTAR ⋅ Dölf Früh tritt aus gesundheitlichen Gründen als Präsident des FC St.Gallen zurück. "Wer sechseinhalb Jahre einen Fussballclub führt und ihn auf eine solide, finanzielle Basis stellt, hat das meiste richtig gemacht", schreibt Patricia Loher, Leiterin der Sportredaktion.
10. April 2017, 16:07
Nach sechseinhalb Jahren an der Spitze des FC St. Gallen gibt Dölf Früh das Präsidentenamt im Mai ab. Der 65-Jährige ist erkrankt und muss sich einer Therapie unterziehen. Noch ist offen, wer Frühs Nachfolger wird. Er dürfte die Zukunft des Traditionsclubs aber aufgegleist haben. Früh überliess nie etwas dem Zufall.

Der Unternehmer hat den FC St. Gallen im Herbst 2010 mit fünf anderen Geldgebern und den Banken vor dem Konkurs gerettet. Das neue, allzu grosse Stadion hatte den Club zu erdrücken gedroht. Nachdem die Politik dem Verein die Unterstützung versagt hatte, schoss der Unternehmer drei Millionen Franken aus seinem Privatvermögen ein, wenig später wurde er Präsident. Unter Früh ist der FC St. Gallen ein funktionierender Super-League-Club geworden, obwohl er in den vergangenen Jahren kaum Spieler verkaufte und sich nur einmal für den Europacup qualifizierte. Der Präsident auferlegte dem Verein eine eiserne Ausgabendisziplin. 

Dieser Vorsatz, keine finanziellen Risiken mehr einzugehen, hatte Folgen auf dem Platz. Nach dem überraschenden Vorstoss in die Gruppenphase der Europa League 2013 hat sich St. Gallen zwar in der höchsten Schweizer Liga etabliert, sportlich auf sich aufmerksam gemacht haben die Ostschweizer aber nicht mehr. Zuletzt fehlten dem FC St. Gallen die Ambitionen, in der Super League mehr sein zu wollen als nur Durchschnitt. Immer wieder forderte Früh Geduld, für den Nachwuchs, für die erste Mannschaft – und stand damit vor allem im vergangenen Jahr irgendwann alleine da, als das Aushängeschild in der höchsten Liga bedenklich kränkelte. Früh blieb trotz Erfolglosigkeit stramm an der Seite von Trainer Joe Zinnbauer, wofür er sich bis heute rechtfertigen muss.

Wer sechseinhalb Jahre einen Fussballclub führt und ihn auf eine solide, finanzielle Basis stellt, hat das meiste richtig gemacht. Nur, der eine oder andere personelle Entscheid wie die Trennung von Sportchef Heinz Peischl oder zuletzt von Assistent Martin Stocklasa sind bis heute schwer nachvollziehbar.

Aber Früh übergibt einen gesunden Verein. Einen Verein, dem Politik und Wirtschaft wieder vertrauen. Und das ist die grösste Errungenschaft des Präsidenten.
 

Leserkommentare

Anzeige: