Folgerichtige Punkteteilung

FC ST.GALLEN ⋅ Der FC St.Gallen kann den Sechspunkterückstand auf den Tabellennachbarn Luzern nicht verringern. Die Ostschweizer steigern sich in der zweiten Halbzeit, am Ende ist das 1:1 gerecht. Wirklichen Unmut bringt nur der Führungstreffer der Gäste.

12. März 2017, 10:37
Christian Brägger
St.Gallens Trainer Joe Zinnbauer musste nach dem 1:1-Schlussresultat tief durchatmen. Einmal, zweimal, dreimal, es brodelte in ihm. Sein Ärger über den Führungstreffer der Luzerner war auch lange nach dem Schlusspfiff nicht verflogen. In der 51. Minute hatte Tomi Juric das 1:0 für die Gäste erzielt, doch ausgelöst worden war der Treffer des Australiers offenbar aus deutlicher Abseitsposition. Alle hätten es gesehen auf der Seite des Espenfanblocks, sagte Zinnbauer. Nicht aber der Schiedsrichter Fedayi San, er hatte die Situation weiterlaufen lassen, die Juric mit Marco Schneuwly kreiert hatte. Und weil sich die Abwehr der Ostschweizer in dieser Szene für einmal zu passiv verhalten hatte und letztlich auch St.Gallens Goalie Daniel Lopar chancenlos geblieben war, lag die Heimmannschaft in Rückstand – was bis dahin durchaus dem Gebotenen entsprach.
  • Daniel Lopar: Note 5: Der gewohnt sichere Rückhalt. Zweimal wird der Romanshorner so richtig geprüft, beide Male bewahrt er den FC St.Gallen vor einem Rückstand.
  • Martin Angha: Note 3: Nicht immer sattelfest in seinen Aktionen, hat Stürmer Tomi Juric ein- zweimal nicht im Griff. Steigert sich mit Fortdauer der Partie und verletzt sich kurz vor Spielschluss.
  • Roy Gelmi: Note 5: Der Jungspund mausert sich zum unverzichtbaren Eckpfeiler im defensiven Mittelfeld. Ruhig am Ball, mit einigen Offensivaktionen.

Unsere Sportredaktion bewertet nach jedem Spiel die Leistung der eingesetzten Spieler. Die Noten reichen von 1 - Totalausfall, 2 - Schwachpunkt, 3 - Mitläufer, 4 - Normalform, 5 – Leistungsträger bis 6 - Matchwinner. (Bilder: pd)


Doch immerhin war jetzt das Feuer beim FC St.Gallen entfacht, und fast im Gegenzug erzielte Yannis Tafer in herrlicher Knipsermanier mit seiner ersten Aktion den Ausgleich. Roman Buess, von Tranquillo Barnetta lanciert, hatte den Stürmer mustergültig freigespielt, der vor dem Tor wie in der Woche zuvor in Sitten Kaltschnäuzigkeit bewies. Endlich nahm die Partie Schwung auf, sie schien nun gar richtig turbulent zu werden, jetzt war die Reihe an Albian Ajeti. Die Augsburg-Leihgabe löste sich vor dem Sechzehner vom Gegner, drehte sich Richtung Tor und trat wuchtig auf den Ball. Doch zum Entsetzen Ajetis und der 12 700 Zuschauer im Kybunpark prallte der Ball vom Pfosten zurück, der Torjubel blieb nicht nur Ajeti regelrecht im Halse stecken. Es sollten dies die aufregendsten Szenen sein in einem intensiven, aber relativ ereignisarmen Spiel. Am Ende blieb es in diesem Spiel der 24. Runde der Super League beim 1:1, die Punkteteilung war gerecht, weil sie gemessen an den Spielanteilen und Torchancen folgerichtig war. Luzerns Trainer Markus Babbel sagte: «Ich habe mir sagen lassen, dass unser Tor abseitsverdächtig war. Doch das Pendel hätte so oder so ausschlagen können.»
  • Die St.Galler Anhänger präsentierten vor dem Spiel eine prächtige Choreographie.
  • Trainer Joe Zinnbauer wird von Maskottchen Gallus geherzt.
  • Gute Stimmung im Gästeblock.

Der FC St.Gallen und der Tabellennachbar Luzern trennten sich im Kybunpark 1:1. (Bilder: Michel Canonica)


Toko fehlte, Angha verletzt sich
Im Vorfeld der Partie war erwartet worden, dass St.Gallen in derselben Formation auflaufen würde wie beim 2:1 in Sitten. Zu aller Überraschung war dies dann doch nicht der Fall, weil Captain Toko sich am Freitag im Training an der Leiste verletzt hatte. An dessen Stelle nominierte Zinnbauer mutig mit Buess neben Tafer und Ajeti einen dritten Stürmer, er stellte Barnetta eine Position defensiver auf und zog ihn neben Roy Gelmi vor die Abwehr. Dort agierte der Rückkehrer in der ersten Halbzeit mehr oder weniger unauffällig, sein Einfluss aufs Spiel blieb bis vor der Pause überschaubar. Doch an Barnetta lag es nicht, dass sich vor dem gegnerischen Tor so gar kein Spielfluss entwickeln wollte. Vieles blieb vorerst Stückwerk, weil die Zuspiele vor dem gegnerischen Sechzehner zu ungenau waren und Bewegung fehlte. Vielleicht lag dies auch daran, dass Zinnbauer im Vorfeld der Partie den Zentralschweizern die aktive Rolle zugeschrieben hatte, er sie unter Zugzwang sah. Allein, diese Rolle nahmen die Gäste selten bis nie ein. Und so wurde es eher ein Spiel des Abwartens, des Abtastens, des Wenig- riskieren-Wollens, ja der Vorsicht. Einzig Juric, den die Ostschweizer selten in den Griff bekamen, tauchte zweimal brandgefährlich vor Lopar auf, beide Male scheiterte er am Aussennetz.

Doch in der zweiten Halbzeit, spätestens nach dem 1:1, änderte sich das Bild der Partie, und St.Gallen wirkte mehr willens als der Gegner, doch noch den Siegtreffer zu erzielen. Zinnbauer gestikulierte nun wilder an der Seitenlinie, mit Sejad Salihovic und Lucas Cueto schickte er zwei frische Kräfte für die Offensive aufs Feld, doch der Treffer, der den Rückstand in der Tabelle auf drei Punkte verringert hätte, blieb aus. Vielmehr verletzte sich Aussenverteidiger Martin Angha kurz vor Schluss der Partie, er verdrehte sich das Knie und musste hinkend ausgewechselt werden. Heute werden weiterführende MRI-Untersuchungen zeigen, ob sich Angha gravierender verletzt hat.

Auswärts vielleicht einfacher
In einer Woche wird der FC St.Gallen in Thun antreten, vielleicht fällt es ihm ja leichter, auswärts zu punkten, wie die positiven Resultate bei den Young Boys oder in Sitten suggerieren könnten. Nach der jüngsten Heimniederlage gegen Lugano ist es immerhin als gutes Zeichen zu werten, gegen einen fähigen Gegner nicht erneut verloren zu haben.

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